Samaras hat genug von Euro-Austrittsdebatte

Der griechische Regierungschef appelliert an die Vernunft und hofft auf einen Reformaufschub. Deutschland lehnt den bis dato ab

Paris - Kurz vor seinen Gesprächen in Berlin und Paris hat der griechische Regierungschef Antonis Samaras nachdrücklich dazu aufgerufen, das Gerede über ein Ausscheiden seines Landes aus der Eurozone zu beenden. "Wie kann man privatisieren, wenn jeden Tag europäische Verantwortungsträger über 'ein potenzielles Ausscheiden Griechenlands aus der gemeinsamen Währung' spekulieren?", sagte Samaras der französischen Zeitung "Le Monde" vom Freitag. Er fügte hinzu: "Das muss aufhören."

Wenn Griechenland seine Reformen umsetze und "seine Arbeit" tue, könne das Land gerettet werden, sagte Samaras. Wenn Griechenland gerettet werde, zeige das wiederum, dass Europa stark und fähig sei, seine Probleme zu meistern. Dagegen wäre ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum "verheerend" für sein Land und "schädlich" für ganz Europa. Die dann folgenden sozialen Verwerfungen in Griechenland könnten "sehr ansteckend" auch für andere europäische Länder werden. Zusammen mit der Instabilität im Nahen Osten könnte das ein "geopolitischer Albtraum" werden.

Deutschland weiter gegen Aufschub

Samaras wiederholte, dass er auf einen Aufschub bei den strengen Sparauflagen hoffe, um die in der Rezession steckende Wirtschaft des Landes wieder in Schwung bringen zu können. Die deutsche Regierung lehnt dieses Ansinnen aber weiterhin ab. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie Vizekanzler Phillip Rösler (FDP) lehnen eine zeitliche Streckung der Sparauflagen für die Regierung in Athen ab, wie sie am Donnerstag bekräftigten.

Samaras hofft, dass Griechenland das EU-Defizitziel von drei Prozent erst 2016 erfüllen muss und damit zwei Jahre später als von der "Troika" aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission vorgegeben. Vor der nächsten Hilfstranche muss Athen Einsparungen von 11,5 Milliarden Euro erbringen. Zuletzt gab es aber Berichte, dass weitere zwei Milliarden Euro eingespart oder erwirtschaftet werden müssten, um die Forderungen zu erfüllen.

Der griechische Ministerpräsident trifft am Freitag die deutsche Kanzlerin Angela Merkel in Berlin und am Samstag den französischen Präsidenten Francois Hollande in Paris. Frankreichs Staatschef spricht bereits am Donnerstagabend mit der deutschen Kanzlerin. (APA, 23.8.2012)

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