Das Tennis, der Topf, der Maxi, die Mimi

  • "Olympia soll nicht sechs Wochen vor den Spielen im Kopf beginnen"
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    foto: apa/pfarrhofer

    "Olympia soll nicht sechs Wochen vor den Spielen im Kopf beginnen"

ÖTV-Präsident Ronnie Leitgeb war von den Leistungen bei Olympia schwer enttäuscht. Nun soll ein Förderungsprogramm dafür sorgen, dass es in Rio 2016 besser wird. Allerdings fehlt noch das Geld. Und SportlerInnen sind auch rar

Wien - Es ist nicht so, dass Tennispräsident Ronald Leitgeb das politische Spielchen von Schuldzuweisungen nach den medaillenlosen Spielen von London mitmachen möchte. Aber er sagt schon, dass sein Verband, also der ÖTV, der erste sei, "der seine Hausaufgaben erledigt. Das muss die Konsequenz aus der Enttäuschung sein." Rein prinzipiell wäre der Sport am besten im Unterrichtsministerium aufgehoben. "Weil er wie Kunst und Kultur zur Bildung gehört." Momentan hat ihn die Landesverteidigung, zur Gesundheit würde er auch irgendwie passen, jedenfalls besser als zum Außenministerium.

Leitgeb hält Hof. Es war Pech, dass Stunden davor vier Einheimische gleich in der ersten Qualifikationsrunde für die US Open in New York gescheitert sind und Jürgen Melzer von John Isner an anderer Stelle deklassiert wurde. Wobei das Debakel in London schon schlimmer war. Lediglich das Doppel Melzer und Alex Peya konnte in Wimbledon ein Match gewinnen. Tamira Paszek, so ihr Manager Leitgeb, sei ein Nervenbündel gewesen. "Sie wurde mit dem Ambiente nicht fertig, war zu überwältigt von der Eröffnungsfeier, dem Druck, sogar der Bundeskanzler schaute zu."

Soll heißen? "Die Olympischen Spiele werden für Tennisprofis immer wichtiger, sind das fünfte Grand Slam geworden. Oder fast noch mehr." Der kleine Maxi, die süße Mimi werden ihre Ziele ändern. "Ich will Olympiasieger werden" ersetzt "Ich will Wimbledon gewinnen", besonders Kühne wollen vielleicht sogar beides.

Und der ÖTV will 2016 in Rio konkurrenzfähig sei. Sportdirektor Clemens Trimmel hat ein Konzept ausgearbeitet, "um die Leute zu rekrutieren und zu unterstützen". Leitgeb: "Olympia soll nicht erst sechs Wochen davor im Kopf beginnen."

Es wird ein (unsichtbarer) Fördertopf hingestellt, der ab 2013 gefüllt werden soll. Mit Geld. Noch ist er leer. Sponsoren und Mäzene, eventuell auch die Politik, sollen investieren, rund 100.000 Euro pro Jahr wären nett.

Kaum Überraschungen

Davon profitieren sollen die üblichen Verdächtigen, jeweils fünf Damen und Herren. "Die Namen und die Zahl sind nicht in Stein gemeißelt", sagt Trimmel. Aber einige sind gefallen, Paszek, Patricia Mayr-Achleitner, Barbara Haas, Karoline Kurz, Andreas Haider-Maurer, Dominic Thiem und Maximilian Neuchrist. Melzer könnte seine Karriere bis Rio bereits beendet haben, und als 35-jähriger Pensionist passt er sicher nicht in den Topf.

Das Geld, sofern vorhanden, wird nach einem genau festgelegten Schlüssel verteilt. Vordefinierte und messbare Ziele (Verbesserung der Technik, Steigerung in der Rangliste) müssen erfüllt werden. Der ÖTV bietet Kurse bei Spitzen-Coaches an, Mentaltrainings und mediale Schulungen gehören auch zum Programm. Leitgeb legt darauf Wert, "dass es keine Gießkanne ist. Wer die Ziele verfehlt, fliegt raus, alles ist transparent. Wer seine täglichen Hausaufgaben nicht macht, kommt gar nicht rein. Es ist eine Pyramide, die schmäler wird. Wir beurteilen die Sportler genau. Wer es nach Rio schafft, bekommt einen Bonus." Spitzensport sei kein Paradies. "Es ist Leistungsgesellschaft pur."

Mangelwirtschaft

Und dann wird London doch noch aufgearbeitet, von einer täglichen Turnstunde hält der Präsident wenig. "Eine tägliche Bewegungsstunde ist wichtiger. Das gilt auch für erwachsene Menschen. Manche Leute haben Scheu vor den Garderoben." Im Spitzensport, der mit der Breite wirklich nur am Rande zu tun hat, "zählen die Eltern und die Qualität der Trainer. Das Scouting ist gar nicht das große Problem." In Österreich gibt's 3500 staatlich geprüfte Tenniscoaches. "Es wird eine Aufgabe sein, die wirklich guten zu finden. Bälle im Kübel auf den Platz tragen ist zu wenig."

Der Topf harrt der Füllung. Leitgeb: "Dass wir in Rio etwas erreichen oder überhaupt dabei sind, ist natürlich nicht garantiert." Vielleicht hat der kleine Maxi, hat die süße Mimi etwas anderes vor. Oder es gibt sie einfach nicht. (Christian Hackl, DER STANDARD - 24.8. 2012)

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