"Das syrische Regime ist mit allen Wassern gewaschen"

Interview | Manuela Honsig-Erlenburg, 24. August 2012, 13:06
  • Cengiz Günay
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    Cengiz Günay

  • Informationsminister Michel Samaha wurde wegen Sprengstoffschmuggels festgenommen.
    foto: ap/dapd

    Informationsminister Michel Samaha wurde wegen Sprengstoffschmuggels festgenommen.

  • Straßenkampf in Bab al-Tebbaneh, Tripoli.
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    Straßenkampf in Bab al-Tebbaneh, Tripoli.

Der Politologe Cengiz Günay über die Ausschreitungen im Libanon und das syrische Interesse daran

Der Krieg in Syrien ist eine Zerreißprobe auch für die Region. Nicht erst seit den massiven Ausschreitungen im libanesischen Tripoli schauen die internationalen Beobachter mit Sorge auf die Nachbarländer Syriens. Der Politologe und Nahostexperte Cengiz Günay spricht im Interview mit derStandard.at über syrische Interessen an einer instabilen Region und die Gefahr des Wiederauflebens des libanesischen Bürgerkriegs.

derStandard.at: Syriens Nachbarstaaten leiden längst auch am Konflikt im Nachbarland. Im benachbarten Libanon, konkret in der nordlibanesischen Stadt Tripoli, kam es diese Woche erneut zu tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Alawiten. Könnten diese Auseinandersetzungen aus Syrien gesteuert sein, wie immer wieder angedeutet wird, oder ist das eine Spiegelung der syrischen Konflikte im Kleinen?

Günay: Das ist nicht so einfach zu sagen. Homs, wo massive Kämpfe im syrischen Bürgerkrieg stattfinden, befindet sich quasi im Hinterland von Tripoli. Viele Syrer aus Homs fliehen nach Tripoli, wo sie teilweise Verwandte haben. Tripoli ist ein wichtiger Siedlungsraum der libanesischen Alawiten, die dem syrischen Regime nahestehen, wo auch Alawiten die Machtelite bilden. Die syrischen Flüchtlinge sind wiederum hauptsächlich Sunniten, die vor der Repression durch das Regime fliehen. Zudem gibt es die Erinnerung an ein durch die syrische Armee durchgeführtes Massaker an Sunniten in Tripoli. Durch den Zuzug der Flüchtlinge hat sich die Bevölkerungszusammensetzung verändert.

derStandard.at: Das ist ein Problem?

Günay: Ja. Das ist ein explosiver Mix, unterfüttert mit Vorurteilen, die aus der Vergangenheit im libanesischen Bürgerkrieg (1975 bis 1990, Anm.) herrühren, in dem die syrische Armee im Libanon stationiert war.

derStandard.at: Welche Motive könnte es denn für Syrien geben, solche Auseinandersetzungen gezielt anzuzetteln?

Günay: Das syrische Regime ist mit allen Wassern gewaschen und hat seit Jahrzehnten versucht, bestimmte Gruppen über ihre Grenzen hinweg zu unterstützen, die eine Machtbalance in ihrem Interesse garantierten. Das Regime gehört zum Beispiel zu den wichtigsten Unterstützern der PKK in der Türkei, Syrien ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für die PKK. Auch im Libanon existiert ein starkes syrisches Netzwerk. Ein konkreter und aktueller Vorfall: Der ehemalige libanesische Informationsminister konnte im Auftrag Syriens Sprengstoff für geplante Anschläge in den Libanon schmuggeln. Er wurde gefasst und gestand. Tatsache ist: Je mehr Unsicherheit es in den Nachbarländern Syriens gibt, desto unwahrscheinlicher wird eine internationale Intervention aus Angst vor einem unkontrollierbaren Flächenbrand. 

Syrien agiert im Libanon seit jeher strategisch. Nach der letzten Regierungskrise 2011 konnte lange - weil Syrien sich nicht positiv einbrachte - keine neue Regierung gebildet werden. Für Syrien war ein libanesisches Machtvakuum strategisch günstiger, um der Welt und vor allem Israel und den USA zu signalisieren, dass Syrien als stabilisierende Macht in der Region eine große Bedeutung hat und nicht übergangen werden darf. Als der syrische Konflikt dann an Brutalität zunahm, war es für Syrien wiederum wichtig, schnell eine prosyrische Regierung im Libanon zu installieren. Auch weil der Libanon im UN-Sicherheitsrat und der Arabischen Liga vertreten war.

derStandard.at: Wie reagiert die Regierung in Beirut jetzt auf die Gewalt im eigenen Land?

Günay: Die Regierung in Beirut ist eine sehr schwache, weil sie eine Kompromissregierung ist. Zur Erklärung: Das gesamte politische System ist eigentlich ein Kompromiss. Das Proporzsystem im Libanon ist nach einer ethnisch-konfessionellen Logik aufgebaut, basierend auf einer Volkszählung aus dem Jahr 1932 (!). Der Staatspräsident muss nach diesem System ein Christ sein, der Parlamentspräsident ein Schiit und der Ministerpräsident ein Sunnit. So ein Verteilungsschlüssel existiert auch für die Parlamentsabgeordneten. Mittlerweile hat sich die Bevölkerungszusammensetzung aber längst geändert. Schiiten und Sunniten sind heute in diesem System stark unterrepräsentiert. Das bringt starke Spannungen, die ja mit ein Grund für den Bürgerkrieg waren.

Die aktuelle Regierung ist eher dem prosyrischen Lager im Land zuzuschreiben. Sie ist auch deshalb untätig. Dementsprechend schwach ist auch das Militär, während die schiitische Hisbollah, die die Regierung unterstützt, ein Staat im Staat ist. Sie verfügt über erhebliche eigene militärische Mittel. Es gibt nun die große Sorge, dass auch die Sunniten - die dem Militär misstrauen - sich angesichts der aktuellen Destabilisierung bewaffnen.

derStandard.at: Besteht also die Gefahr, dass der libanesische Bürgerkrieg wieder auflebt?

Günay: Bisher sind die Auseinandersetzungen noch regional begrenzt. Ich will die Gefahr nicht herunterspielen, aber eine Hoffnung ist, dass die Erinnerung an das Leid des langen Bürgerkrieges im kollektiven Gedächtnis gespeichert ist und das - gemeinsam mit dem Aufschwung der letzten Jahre - das Ausbrechen von großflächiger Gewalt verhindern kann.

derStandard.at: Welche Position hat die prosyrische, schiitische Hisbollah aktuell? Es ist ja zu hören, dass sich auch die Hisbollah langsam vom syrischen Regime abwendet.

Günay: Die Hisbollah hat zumindest schon ihre Waffenlager in Syrien aufgelöst. Zu Beginn des Konflikts in Syrien unterstützten sie ihren Verbündeten Assad massiv, mittlerweile halten sie sich zurück. Man bereitet sich scheinbar schon auf die Möglichkeit eines Sturzes von Assad vor. Während Syrien für die Hisbollah aus logistischer Sicht wichtig ist, ist der Iran der eigentlich wichtige Verbündete.

derStandard.at: Welche Auswirkungen hätte der Sturz Assads auf die Hisbollah? 

Günay: Syrien spielt für die Hisbollah eine wichtige Rolle als Verbündeter. Regionalpolitisch wäre die Hisbollah ohne die Unterstützung dieses Regimes stark geschwächt. Es ist ja zu erwarten, dass nach Assad die Rebellen tonangebend sein werden, also ein konservativ-sunnitscher Einfluss in Syrien herrscht. Die Rebellen könnten es ihnen übel nehmen, dass sie pro Assad agiert haben. Die Frage ist auch, wie sich die libanesischen Sunniten ihnen gegenüber verhalten, nachdem die syrische und iranische Unterstützung weg ist.

Das Regime in Syrien ist aber vor allem die wichtigste Verbindung zwischen der Hisbollah und dem Iran, der die Hisbollah massiv unterstützt. Reißt diese Brücke ab, ist das auch für den Iran schmerzvoll, weil die Hisbollah in der Nachbarschaft zu Israel eine zentrale Rolle spielt. (Manuela Honsig-Erlenburg, derStandard.at, 23.8.2012)

Cengiz Günay ist Politikwissenschaftler und Senior Fellow am Österreichischen Institut für Internationale Politik. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört der Nahe Osten.

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und weiter geht es mit der unterdrückung..

..jeglicher opposition in syrien durch die schergen von assad (neben den rund 200 getöteten täglich):

http://www.nowlebanon.com/NewsArtic... ?ID=430588

Daz passt das Flüchtlinge auch in Flüchtlingslagern jenseits der Grenze nichtmehr vor der syr.Regierung und ihren Handlangern sicher sind

Diese syrischen Flüchtlinge sind ja auch zu einem größeren Teil Sunniten, also die Bevölkerungsgruppe die gegen den Diktator Assad sich auflehnen. Bspw. wurden Flüchtlingszelte in einem türkischen Flüchtlingslager angezündet. Liegt der Verdacht nahe das es sich bei den Tätern wohl um Sympathisanten des syrischen Staates wie er sich leider derzeit noch darstellt, handelt. Und in einem jordanischen Flüchtlingslager wurde ein kleines Netzwerk von syr.Geheimdienstlern ausgeh.GSP. die Bombardements aus der Luft werden immer unberechenbarer. Weil vermehrt werden jetzt gezielt Wohnsiedlungen bombardiert. Bspw. in Daraa.

Diese scheinheiligen Kriegstreiber Israel und USA/Nato sollen endlich Frieden machen, dann wäre das für alle gut.

natürlich ist israel daran schuld das sich syrer und libanesen sich nicht gut verstehen....

oder liegt es daran das sich bestimmte schichten in beiden ländern bekriegen?

aber ein interessen- oder vieleicht sogar ein religiös mutivierter konflikt ist natürlich das letzte woran ich denken würde wenn es um das thema gibt.

israel und die usa sind mit ihren truppen und untergrundorganisation die eigentlichen treiber....

verschwörungstheorien braucht jeder...

Sind sie wirklich einer der letzten, der nicht weiß, daß bereits Bush Syrien infiltriert hat und Brandstifter und Zündler installiert hat? .. oder sind sie nur ein Ignorant und Desavoierer

"Desavoierer" - soviel zum thema fremdwörter sind glücksache.

was deine motivation ist, als möchtegernanwalt für das syrische regime tätig zu sein, will ich nicht wissen. wenn ich mir die moralische verkommenheit im lande ö betrachte, wie sie gerade in diversen korruptionsfällen zutage tritt, dann wird einiges klar.

Zusammenfassung eines Artikels

veröffentlicht bei Open Democracy

http://becklog.zeitgeist-online.de/2012/08/2... s-westens/

Und hier das Original:

http://www.opendemocracy.net/ahmad-bar... rab-spring

"Das ist ein explosiver Mix, unterfüttert mit Vorurteilen, die aus der Vergangenheit im libanesischen Bürgerkrieg (1975 bis 1990, Anm.) herrühren..."

Ich denke das geht ein wenig weiter zurück. Schon der Großvater von Assad forderte in einem Brief an die UN einen eigenen alewitischen Staat, weil er befürchtete die syrischen Sunniten würden die Alewiten entweder auslöschen oder vertreiben. Es gab dann unter franz. Protektorat eine autonome alew. Region und erst als die religiösen iranischen Autoritäten die syr. Alewiten als vollwertige Muslime anerkannten wurde es ruhiger und die Autonomie aufgelöst. Der Haß der "Freiheitskämpfer" in Syrien richtet sich aber sowohl gg. Alewiten als auch Christen: "Christen in den Libanon, Alewiten in den Sarg" lautet die Parole = Vertreibung und Mord.

Alle diese oder ähnliche Geschichten, Reports, Darstellungen, Berichte sind aus informationstechnischer Sicht schlichtweg wertlos. Das erste was im Krieg stirbt, ist die Wahrheit.

Es fehlt hier schlichtweg an RESPEKT

Der Bartl holt den Most ;(

Vor Syrien kreuzen bereits Schiffsverbände der Nato. Vor diesem Hintergrund sieht Russlands Schiffsverband wie ein „Tropfen im Meer“ aus.

„Unser Militärobjekt in Tartus ist allein durch militärische Maßnahmen nicht zu erhalten. Wir sind nicht in der Lage, den Ländern, die die syrische Opposition unterstützen, mit militärischen Methoden Widerstand zu leisten“, sagte eine Quelle im russischen Verteidigungsministerium.

http://de.rian.ru/security_... 55389.html

durchaus schade daß dieser herr offensichtlich seine eigene türkische herkunft durchleuchten lässt, das sollte nun wirklich nicht sein.

nein, hat er nicht, verglichen mit den hetzschriften, die derzeit der standard sind ist er sehr objektiv.

Bei den deutschen Kommentatoren ist ja nie feststellbar, ob sie aus Gaza, Bonn, Haifa, Perm, Lyon oder Alexandria stammen, nicht wahr?

1. woran glaubst du das zu erkennen?
2. sogar wenn das so sein sollte, what the heck? was soll deine rassistische ansage?

über die Ausschreitungen im Libanon und das US Interesse

Kleinere Einheiten, von Warlords "regiert", sind die idealen Partner für die globale FI. Brutal, korrupt und leichter austauschbar als Staatsführungen. Deshalb ist "Destabilisierung" das Erfolgsrezept der "Demokratisierung" durch die UN/NATO.

Beweis: zuerst blieb das Erdöl-Geld im Irak, die Stimmung war leicht angespannt.
Nach 1,5 Millionen Kriegstoten und der zunehmenden Zerstörung des genetischen Pools durch den Einsatz von Uran-Munition ist die Stimmung zum Verzweifeln.

Verzweifelte jedoch sind leichter am Gängelband zu führen als selbstbewußte Bürger.

Comprende "CUI BONO" amigo?

Cui bono? Der Irak Krieg kostet die USA 3 Billionen Dollar.Selbst wenn sie dem Irak alles Öl wegnehmen würden, wären eventuell die Zinszahlungen gedeckt. Bis auf die Eroberung von Bagdad ist alles in die Hose gegangen und die guten Geschäfte machen die anderen.

Zinszahlungen gedeckt?
Gaudewipf.

Argumente gegen einen Verschwörungstheoretiker sind so hilfreich wie Benzin gegen ein Feuer.

der Dollar wird gedruckt

stimmt. und?

Irak verfügt über nachgewiesenen reserven von 19.5mrd tonnen erdöl. das entspricht in etwa 142mrd barrel, vorausgesetzt der erdöl kostet weiterhin ~ 100 USD pro barrel, würden die reserven einen betrag von minimum 14,2 billionen US-Dollar entsprechen.

Zuerst muss man das Öl fördern, bevor man es wegnehmen kann deswegen hab die derzeitige Förderquote von 3 Mio Barrel/Tag herangezogen. Da dauert es dann auch über 140 Jahre bis das ganze Öl in den USA gelandet wäre. die max. Fördermenge soll zwar bei 10 - 12 Mio/täglich liegen. Bei diesem Tempo des Ausbau kommen wir dann aber auch wieder auf 100 Jahre.

derzeit entsprechen die besatzungskosten ungefaehr dem irakischen bruttosozialprodukt. in afghanistan ist das verhaeltnis sogar 4:1. das sagt eigentlich alles.

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