Ry Cooder ärgert sich über die US-Politik

23. August 2012, 18:42
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Außerdem eine Laibach-Compilation, Folk-Pop von Adele & Glenn sowie Neues von Matthew Dear, der Techno-Charakteristika ins Popformat überführt

RY COODER
Election Special
(Warner)

Ry Cooder könnte sich eigentlich zurücklehnen, Geld zählen und währenddessen Cocktails kommen lassen. Doch der alte Griesgram ist sauer. Auf die USA und ihre Politik. Der Zustand seiner Heimat macht ihn traurig. Trotz allem bleibt er ein unverbesserlicher Optimist. In schlechten Zeiten muss man seinen Optimismus aber pflegen, und in solchen befinden wir uns. Deshalb nennt der 65-Jährige sein neues Album unzweideutig "Election Special" und rumpelt darauf mit der ihm eigenen Schräglage gegen die Verhältnisse. Er eröffnet pampig mit dem "Mutt Romney Blues" und bleibt dieser Stimmung über Lieder wie "Guantanamo", "Kool-Aid" oder "Take Your Hands Off It" treu: "Nimm deine dreckigen Hände von meiner Verfassung!" Cooder als einer der letzten aufrechten Amerikaner. Musikalisch hauptsächlich auf das eigene Talent und die Hilfe seines Sohnes Joachim zählend, erweist sich "Election Special" als gepflegte Blues-Rock-Übung Cooder'scher Prägung, die immer besser groovt, je öfter man ihr lauscht. Und der Zorn älterer Männer besitzt ja durchaus Charme - wenn sie ihn, wie hier, zärtlich über der Mandoline abbauen. Cooder darf man dieser Gattung zurechnen: nicht nur einer der Besten, sondern von denen auch noch ein Guter. Jetzt muss nur noch der richtige Kandidat US-Präsident bleiben.

LAIBACH
An Introduction To Laibach
(Mute)

Das britische Label Mute eröffnet mit dieser Sammlung von alten Stücken und Raritäten der slowenischen Band Laibach eine neue Serie. "An Introduction To ..." bietet erlesene Kost aus dem Katalog des wegweisenden Labels von Daniel Miller. Konsequenterweise eröffnen Laibach mit ihrer Version von "Warm Leatherette" - jenem Lied, mit dem Miller unter dem Namen The Normal sein Label 1978 begonnen hat. Bei Laibach wird der Elektro-Klassiker zu "Warme Lederhaut". Es folgt eine teutonische Version von Bob Dylans "Ballad of a Thin Man" oder bereitet den Espresso-Klassiker "Mamma Leone" als Hymne eines Kriegsschiffs auf dem Weg zur finalen Schlacht auf. Dazu passt eine Interpretation von "Alle gegen alle" der Deutsch Amerikanischen Freundschaft. Große Kunst, großer Spaß. Live gastieren Laibach am 9. September in der Arena Wien. Der nächste in dieser Reihe vorgestellte Act ist die neu reformierte australische Band Crime and the City Solution.

ADELE & GLENN
Carrington Street
(Glitterhouse/ Hoanzl)

Apropos Australien. Ende August erscheint "Quiet Heart - The Best of The Go-Betweens". Es wurde von den Mitgliedern der ersten Inkarnation der australischen Band zusammengestellt. Gekrönt wird es vom Live-Mitschnitt des U4-Konzerts dieses Bandwunders aus dem Jahr 1987. Bis dahin muss man aber noch ein paar Mal schlafen. Überbrückungshilfe bieten zwei Mitglieder der zweiten Inkarnation der in den Nullerjahren neu gegründeten Band: Adele Pickvance und Glenn Thompson spielen als Adele & Glenn sympathischen Folk-Pop, dessen Ausrichtung sich von jener der Go-Betweens nicht allzu weit entfernt, sich dazu jedoch auf die zwingende Kraft einer Orgel verlässt, die den luftigen Songs Gravität verleiht.

MATTHEW DEAR
Beams
(Ghostly International)

Matthew Dear überführt auf seinem neuen Album "Beams" einmal mehr Charakteristika aus dem (Minimal) Techno ins Popformat. Das ergibt eine wohltuend zeitlose, dabei modern klingende Musik, über der David Byrne von den Talking Heads wie ein Geist zu schweben scheint. Denn bei allem Ideenreichtum, den diese Musik aufweist, richtet Dear nie zu üppig an, bleibt stringent und ökonomisch. Titel wie "Headcage" könnten auch von älteren Alben wie "Asa Breed" stammen, der Schmäh mit dem verkaterten Sprechgesang geht aber selbst fünf Jahre später noch rein. Bitte endlich einmal um ein Matthew-Dear-Konzert in Österreich! (Karl Fluch, Rondo, DER STANDARD, 24.8.2012)

  • Ry Cooder ärger sich über die Politik.
    foto: warner music

    Ry Cooder ärger sich über die Politik.

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