Am Goldmarkt blüht ein heißer Herbst

Sollte die Schuldenkrise in der Eurozone eskalieren, dürften sich Anleger wieder verstärkt für das gelbe Edelmetall interessieren

Frankfurt - Dem Goldmarkt steht ein heißer Herbst bevor. Sollte die Schuldenkrise in der Eurozone abermals eskalieren, dürften sich Anleger wieder verstärkt für das gelbe Edelmetall interessieren. Die Lage ist kritisch: Trotz aller Rettungspakete steht Griechenland wieder einmal am finanziellen Abgrund. Experten sind sich sicher: Im Fall einer gefährlichen Zuspitzung der Krise könnten führende Notenbanken abermals die Geldschleusen weit öffnen.

Weil das neue Ängste vor einer ausufernden Inflation schürt, wäre Gold dann wieder als Krisenwährung gefragt. Der Sprung auf ein neues Rekordhoch dürfte aber noch auf sich warten lassen. "Der Goldpreis steht kurz vor dem Ausbruch in höhere Gefilde", erwarten Rohstoffexperten des Frankfurter Bankhauses Metzler. "Die unsichere politische Gemengelage, gepaart mit einer merklichen Abschwächung der Weltkonjunktur bietet scheinbar einen guten Nährboden für das gelbe Edelmetall."

Überraschend wenig Bewegung

Seit fast drei Monaten dümpelt der Goldpreis in der Nähe der Marke von 1.600 Dollar für eine Feinunze. Erst in den vergangenen Handelstagen regte er sich wieder etwas und stieg aktuell auf 1.640 Dollar (1.317 Euro). Experten zeigten sich immer wieder überrascht, dass der Goldpreis in den vergangenen Monaten eben nicht wie von vielen erwartet in Richtung neuer Rekordwerte gestiegen ist. Selbst zahlreiche Hiobsbotschaften von der Euro-Schuldenkrise und die Sorge vor einer Konjunkturflaute in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, haben den Goldpreis bisher nicht stärker angetrieben.

Eine Eskalation der Schuldenkrise könnte die Lage indes schnell ändern, erwartet auch Rohstoffexperte Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone dürfte für neue Nervosität bei Anlegern sorgen. In einer ersten Schockwelle rechnen Experten aber zunächst mit Kursverlusten in allen Anlageklassen, inklusive Gold. Erst später dürfte die Unsicherheit der Investoren wie so oft in der Vergangenheit zu den größten Triebfedern für den Goldpreis werden.

Gold als Investmentobjekt

Aber auch ohne den großen Knall in der Eurozone rechnen Experten in den kommenden Monaten mit einem steigenden Goldpreis. Vor dem Hintergrund der rekordtiefen Zinsen bei den als sicher geltenden Staatsanleihen rechnet Proettel "mit einem fortgesetzten Interesse an Gold als Investmentobjekt". "Wir rechnen deshalb beim Goldpreis mit einem moderaten Anstieg in Richtung 1.700 Dollar", sagte der Experte.

Zuletzt hatte der Branchenverband World Gold Council Notenbanken als eifrige Käufer am Goldmarkt ausgemacht. Die Goldkäufe von Zentralbanken sind demnach im zweiten Quartal massiv angestiegen, von 96,7 Tonnen im ersten Quartal auf 157,5 Tonnen in den Monaten April bis Juni.

Noch steht der Goldpreis etwa 300 Dollar unter seinem Rekordhoch von 1.920 Dollar vom vergangenen September. Experte Proettel erklärte das zuletzt vergleichsweise geringe Interesse unter anderem mit starken Käufen in den vergangenen Jahren. Vermögende Investoren hätten sich bereits im Zuge der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ordentlich mit Gold eingedeckt und sehen jetzt einfach keinen Grund, noch mehr zu horten. Zudem zeigen Daten vom World Gold Council, dass die Kauflaune der asiatischen Goldliebhaber mit der Abkühlung der Weltwirtschaft einen deutlichen Dämpfer bekommen hat.

Draghi sorgt für Bewegung

Immerhin sorgte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zuletzt für etwas Bewegung beim Goldpreis. Seine erklärte Bereitschaft zum Kauf von Staatsanleihen angeschlagener Euroländer im Kampf gegen die Schuldenkrise erweckte den Preis für das gelbe Edelmetall zu neuem Leben. Seit Draghis Ankündigung Anfang August ist der Goldpreis in der Spitze um fast 60 Dollar gestiegen.

Überhaupt reagieren Anleger am Goldmarkt besonders empfindlich, wenn führende Notenbanken auf eine extrem expansive Geldpolitik setzen. Bereits bei der letzten Rekordjagd des Goldpreises im vergangenen Jahr war die Angst vor einer starken Inflation Preistreiber Nummer eins. Auch wenn die Preise derzeit in den westlichen Industriestaaten nur langsam steigen: Eine zu starke Inflation bleibt ein Schreckgespenst weltweit.

Beim Gold könnte im Herbst aber auch ein weiterer klassischer Preistreiber greifen. In Indien, dem weltweit wichtigsten Absatzmarkt für Gold, steht die Hochzeitssaison vor der Tür. Ab September werden Brautleute reich beschenkt. Experten schätzen, dass pro Hochzeit bis zu 40 Gramm Gold in Form von Ohrringen, Armbändern oder Ketten die Braut schmücken. Um welche Dimensionen es geht, zeigt eine Studie der australischen Investmentbank Macquarie, die bereits Ende 2011 für Schlagzeilen sorgte. Demnach werden in indischen Haushalten etwa 18.000 Tonnen Gold gehortet - das entspricht einem Wert von fast einer Billion Dollar. (APA, 23.8.2012)

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