Bodenseeüberquerung fast unmöglich

23. August 2012, 10:38

Ohne Neoprenanzug ist der menschliche Organismus beim Schwimmen über weite Distanzen vor Unterkühlung bedroht

München - Zwei Extremsportler sind in diesem Sommer mit dem Versuch gescheitert, den Bodensee ohne Neoprenanzug auf seiner ganzen Länge von 64 Kilometern zu durchschwimmen. Das sei keine Überraschung, sagte Helmut Pabst, Präsident des Bayerischen Sportärzteverbands. Denn bei einer derart langen Strecke kühle der Körper ohne schützenden Anzug aus. "Ohne Neoprenanzug würde ich so etwas selbst in wärmerem Wasser nicht probieren. Das ist für meine Begriffe verrückt. Sie haben keine Chance, sie müssen fast auskühlen."

Als letzter Extremschwimmer hatte der 22 Jahre alte Maximilian Melyarki aus dem oberbayerischen Altötting in der Nacht auf Mittwoch seinen Versuch nach 33 Kilometern abgebrochen. Wie seine Vorgänger trug auch er keinen wärmenden Schutzanzug. Eine dritte Schwimmerin allerdings - Kirsten Seidel aus Dresden - scheiterte zwar kürzlich bei ihrem Vorhaben, den Bodensee einmal schwimmend auf einer Länge von 136 Kilometer zu umrunden. Seidel schaffte aber als erste die Längsquerung, auch wenn sie sich nach Angaben des Südwestrundfunk SWR dabei für einige Minuten an einem Boot festhielt.

Erfolgschancen niedrig

Im Körperinneren betrage die Temperatur 38 bis 39 Grad, sagte der Mediziner. Der Bodensee hat hingegen im Sommer eine Temperatur von etwa 20 Grad. "Bei dieser Differenz unterkühlen sie." In ganz kaltem Wasser sei sogar ein Kilometer Schwimmen ohne Neoprenanzug schon sehr mühevoll. Selbst im warmen Wasser des Mittelmeers holten sich viele Urlauber eine Erkältung, sagte Pabst. "Die Leute planschen drei, vier Stunden im Wasser und kühlen aus, ohne es zu merken."

Der Sportmediziner nennt einen zweiten Grund, warum die Erfolgschancen beim Durchschwimmen des Bodensees außerordentlich niedrig sind: "Wenn man solche extremen Langstreckenversuche machen möchte, muss man jahrelang trainieren. Wenn man nicht acht bis zehn Jahre trainiert hat, geht es in der Regel nicht." Deswegen seien auch erfolgreiche Marathonläufer in der Regel um die 30 Jahre alt. Sie müssten lange trainieren, um den richten Stoffwechsel zu bekommen.

Auf die Gesundheit hätten solche Extremversuche ohnehin keine positive Auswirkung, sagt der Arzt. "Als Sportmediziner wäre mir lieber, wir hätten nicht einen, der so lang schwimmt, sondern viele, die kürzer schwimmen."(APA, 23.8.12)

Kommentar posten
14 Postings

hihi, wenn ich mir die statur von Maximilian Melyarki ansehe, wundert es mich fast, dass dieser körper überhaupt unterkühlen konnte ... für einen "extremsportler" hat der gute nämlich einen gewalötig hohen körperfettanteil ;-)

Ich dachte immer, einen See kann man schwimmerisch nur durchqueren.

Überqueren erscheint mir echt schwierig. ;-)

wieso schwieriger?

der wasserwiderstand fällt doch weg.

Ja, beim Jesus.

Schlanke Menschen unterkühlen schneller.

Wenn man eine Statur wie ein Walross hat, kann man eigentlich nicht auskühlen. Es kommt eben immer auf die schützende Fettschicht an.

Unmöglich?

http://goo.gl/pl12e

Vielleicht weil die Damen nicht nur "geplanscht" haben?

Und: Aktuell hat der Bodensee 24°C!
Das ist schon ein Unterschied zu "etwa 20°"!

Muss man den Bodensee undbedingt ohne Neopren überqueren? Ist der erste ein Held wenn er das macht?

Wenn man einen Rekord als Freiwasserschwimmer aufstellen will...

...der auch nach strengsten Kriterien der Anerkennung standhalten soll, dann ja.

der orca war aber eh ordentlich "isoliert" ;)

Ich frag mich nur, ob die Frau, deretwegen er mit dem Extremsport begonnen hat, nun endlich ihren Wetteinsatz einlöst. Sie hat ja versprochen, mit ihm ein Wochenende zu verbringen, wenn er einen Marathon schafft ...

Wär jetzt interessant

welcjhen "Marathon" die Dame gemeint hat ;-)

Ich muss dich enttäuschen.

Der Wetteinsatz war ein Lauf über 42,5km, den die sehr attraktive Dame dem unsportlichen und übergewichtigen "Orca" nicht zugetraut hat. Sie war so überzeugt, dass er das nicht schaffen kann, dass sie leichtfertig auf eine Wette eingegangen ist, die sie dann verloren hat.

Der von dir angedeutete "Marathon" ist eher Teil des Wetteinsatzes, ein sehr privates Wochenende mit ihm zu verbringen.

ein Lauf über 42,5km ist ein Marathon

mit etwas über 300m auslaufen dazu.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.