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Meere bestimmen unser Klima, sie sind ein Schlüssel zur Lösung der Klimakrise, sagt Filmemacher Yann-Arthus Bertrand.
Man könnte ihn einen wilden Hund nennen. Zumindest hat er so angefangen. Der 1946 in Paris geborene Yann-Arthus Bertrand hat wohl ganz brav Biologie studiert, versuchte sich aber später als Schauspieler, Rallye-Fahrer und Tennisspieler, als Regieassistent, als Regisseur und zuletzt als erfolgreicher Fotograf.
Bilder zu machen, Schönheit zu zeigen und Reisen - darum ging es Bertrand zunächst. Nun waren es stets Bilder von der Erde, motiviert vom Interesse des gelernten Biologen, und am liebsten aus der Vogelperspektive. Und er konnte nicht umhin, aus dieser auch die Zerstörung, den Dreck wahrzunehmen. So wurde der Fotodokumentarist, der die Schönheit der Natur zeigen wollte und mit seinen Bildern, etwa von Dian Fossey und ihrem Einsatz für die Gorillas in den Bergen Ruandas oder dem Leben in Masai Mara, Auszeichnungen und Preise gewann, nach und nach zum Aktivisten.
Seine früheren Arbeiten wie Fotoserien über Menschen und ihre Tiere überließen Beurteilungen noch dem Betrachter. Auch das Großprojekt Die Erde von oben (Film und Ausstellungen, 2004) hatte noch keine aktivistische Mission. Bertrand selbst schon. 2005 gründete er die Good Planet Foundation, deren Ziel es ist, Informationskampagnen über den Zustand des Planeten, über seine Ausbeutung, seine durch menschlichen Eingriff beschleunigte Endlichkeit zu lancieren und diese im Bewusstsein des Einzelnen zu verankern.
Die nächste Arbeit, Home (2009), ein zur Gänze aus der Luft gedrehter abendfüllender Dokumentarfilm, hat die Ausbeutung des Planeten im Fokus. Und der neueste, Planet Ocean, ist nicht weniger als ein aktivistisches Lehrmittel über den Zustand der Meere. Politische Forderungen und Handlungsanleitungen inklusive. Ein internationales Abkommen zum Schutz der Meere müsste her. Und zwar sofort. Man möge sofortigen Fischereistopp für manche Arten verhängen. Man solle auf Fisch aus Aquakultur verzichten, weil für ein Kilo Aquakultur-Fisch vier Kilo Wildfang verfüttert werden. Und vieles mehr.
Bertrand hat seine Hausaufgaben mithilfe aller wesentlichen Meeresforschungs-Institutionen und finanzieller Unterstützung der Uhrenmarke Omega gemacht. Planet Ocean ist auf dem aktuellen Erkenntnisstand. Der Film wurde im Rahmen des Rio+20-Gipfels im Juni dieses Jahres präsentiert, an dem Bertrand als Beobachter teilnahm.
STANDARD: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie auf der Rio-Konferenz stundenlang Politiker-Reden zuhören, während gleichzeitig wenig bis nichts unternommen wird? Werden Sie nicht wütend?
Bertrand: Nein. Das ist eben so in einer Demokratie. Wir haben die Politik, die wir verdienen. Die da reden, die sind nicht anders als wir. Die Fehler, die gemacht werden, sind nicht die der anderen. Es sind unsere eigenen. Unsere Gesellschaft funktioniert nach dem Prinzip: mehr von allem. Das ist nicht die Schuld Einzelner.
STANDARD: Wo bleibt da Raum für Aktionen mit Wirkung? Sie sind ja nicht jemand, der sich an einen Baum kettet, um die Welt zu retten.
Bertrand: Nein. Ich habe die Foundation. Ich mache Filme, ich habe eine Fernsehsendung. Ich kommuniziere. Das ist meine Rolle. Ich habe keine Lösung für die großen Probleme.
STANDARD: Ihr Film hat aber aktivistische Energie und konkrete Handlungsanweisungen. Ihre früheren Werke haben den Betrachter mehr sich selbst überlassen. Was ist passiert?
Bertrand: Seit Home ist das wohl so. Vielleicht weiß ich jetzt einfach mehr als zuvor. In Wirklichkeit bin ich ein Journalist und versuche gleichzeitig die Geschichte von der Schönheit und den Problemen der Welt zu erzählen. Die Geschichte der Ozeane, aus denen das Leben kommt, ist so faszinierend. Ich liebe es, sie zu erzählen.
STANDARD: Liebe?
Bertrand: Ja. Ökologischer Aktivist zu sein hat mit Liebe zu tun. Der Liebe zum Leben. Vielleicht kommt das mit dem Alter. Aber ich liebe das Leben und die Menschen mehr denn je.
STANDARD: Die Menschen sollen also nicht von der Erde verschwinden, damit diese überleben kann?
Bertrand: Nein. Überhaupt nicht. Etwas Schlimmeres könnte man gar nicht sagen. Unsere Aufgabe ist es, die Menschen von der Liebe zum Leben zu überzeugen.
STANDARD: Was halten Sie von den Klima-Skeptikern?
Bertrand: Lächerlich. Das ist vorbei. Die wissenschaftliche Datenlage ist so deutlich. Wer das ignoriert, kann einfach nicht ernst genommen werden. Es ist einfach zu leicht zu sagen, dass die Konsequenzen des Klimawandels eine Lüge seien. Nur um einen Freibrief zu haben, so weiterzumachen wie bisher.
Wir brauchen keine wirtschaftliche Revolution, wir brauchen eine spirituelle Revolution. Es hat keinen Sinn zu verlangen, dass wir unsere Produktionsweisen mit einem Schlag ändern, dass wir uns vom Öl abwenden und sofort alles mit Sonnenenergie funktionieren möge. Das wird einfach nicht passieren. Wir müssen unsere Denkweise ändern, sonst haben wir keine Chance.
STANDARD: Sind Sie wirklich überzeugt, dass die Ozeane der Schlüssel zur Lösung der Ökokrise sind?
Bertrand: Ja. In den Meeren haben wir alles. Nahrung und Rohstoffe. Und sie bestimmen unser Klima. Aber natürlich hängt alles mit allem zusammen.
STANDARD: Also ist es egal, welches Schlüsselthema Sie wählen, um die Ökokrise darzustellen?
Bertrand: Eigentlich ja.
STANDARD: Welcher wird Ihr nächster Schlüssel sein?
Bertrand: Die Menschheit. Es wird um Korruption gehen, um Menschenrechte, um Frauenrechte. Auch die Schönheit der Menschen, der humanitären Gesten. Das brauchen wir auch zum Überleben. So wie Respekt und Verantwortung. Davon haben wir wenig. Wir kaufen Zigaretten, auf deren Packung steht, dass uns Rauchen umbringt. Wir tun es trotzdem. Das ist unser derzeitiger Umgang mit Verantwortung. Wir leben in der Verweigerung.
STANDARD: Wie gehen Sie mit Ihrer persönlichen Verantwortung um?
Bertrand: Ich esse seit Jahren kein Fleisch mehr. Und eines Tages werde ich auch keinen Fisch mehr essen. Hoffentlich.
STANDARD: Werden Sie weiter mit Omega arbeiten?
Bertrand: Wir werden sehen. Bei Planet Ocean hatte ich die unbeschränkte Freiheit.
STANDARD: Was halten Sie von Greenwashing?
Bertrand: Für meine Foundation bekomme ich Geld von Unternehmen. Den guten Konsumenten und das böse Unternehmen - das gibt es nicht. Wir haben Benzin in unserem Tank. Und wir fragen uns nicht, woher das kommt. Vielleicht aus Nigeria, vielleicht hat dieses Benzin mit Korruption zu tun. Vielleicht aus dem Irak, vielleicht sind Menschen in Verbindung damit gestorben. Es ist uns einfach egal.
STANDARD: Greenwashing gibt es also nicht?
Bertrand: Doch. Aber alle machen es. Ich habe die Nase voll von den Pseudo-Kritikern, die schlicht ignorieren, dass sie Teil genau derselben Entwicklungen sind wie jene, auf die sie herabblicken. (Bettina Stimeder, Rondo, DER STANDARD, 24.8.2012)
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Ich werde mir den Film ansehen und erwarte mir eine philosophisch-ökologische Betrachtung mit tollem Kino.
Das sollte aber nicht dazu verleiten, Bertrand als Klimawissenschaftler zu sehen. Bertrand ist Filmemacher, Journalist und zwar ein guter. Aber er ist definitiv keiner, der eine naturwissenschaftlich fundierte Aussage darüber machen kann, warum sich das Klima ändert. Dazu sollte man Geo-Wissenschaftler und geologische Fachschriften konsultieren. Und hier werden sie eine ganz und gar andere Information darüber bekommen, wie das mit dem Klima und seinem steten Wandel auf dem Planeten Erde aussieht.
Also: Ökologisch und im Einklang mit der Umwelt leben JA UNBEDINGT, aber nicht weil das Weltklima davon abhängen würde.
Großartige Filme und schön, dass er sich als Kommunikator versteht. Nur ist es sehr zwiespältig die Verantwortung so diffus anzulegen (wir alle sind Schuld, so ist es in der Demokratie halt, jeder bekommt die Regierung ... und spirituelle Wende statt ökonomischer) ... ja eh, nur das erzeugt nirgends Druck ...
Oder allerbest: Greenwashing macht eh jeder ... deshalb sind die die sich drüber aufregen und dieses Symptom der Systemkrise anprangern die Heuchler ... nicht die Greenwasher! Sicher haben wir alle unfair produzierte Schuhe an, fahren mit Menschen und Umwelt vernichtendem Benzin ... aber die im Interview dargebotene Gleichgültigkeit (um nicht als Heuchler dazustehen) ist lächerlich. Mir scheint seine Filme sind va
seinen großartigen Film Home gibt es übrigens in voller Länge auf youtube
http://www.youtube.com/watch?v=IbDmOt-vIL8
Leider heisst derzeit das Motto der Welt: GIER!
Angefangen beim "kleinen Mann" bis hinauf zu den Weltkonzernen. Einzelne wie Bertrand haben ihr Leben darauf abgestellt, das nach und nach zu ändern. Es ist jeder Mensch aufgerufen, ihm und Anderen dabei zu helfen.
Nach wie vor wird von der Grundschule an
Leistung und Ehrgeiz als Maxime angesehen und
gelehrt. Wenn dann noch die Kids mit teuren Smartphones
versuchen diesen Psychostress durch virtuelle Traum-
welten zu ersetzen, sollten bei uns Allen die Alarmglocken
läuten. Die Wirtschaftkrise ist die grösste Chance endlich
wieder zu Vernunft zu kommen und die Abhängigkeiten
in das richtige Lot zu bekommen. Wir (unsere Familie)
lassen schon seit Jahren jährlich etwas von unnötigen
Konsum aus. Meine Frau wechselt im Oktober v. einer
namhaften franz. Fa. in einen kleineren Betrieb f. weniger
Gehalt, aber auch weniger Arbeit.
hier gehts zum official trailer:
http://www.yannarthusbertrand.org/en/films-... anet-ocean
grossartige bilder!
Viele Fotos sind schön und hübsch. Seine sind atemberaubend und vermögen die Natur aus einer ungewohnten Perspektive mit einer ungeheuren Wucht zu beschreiben die ihresgleichen sucht.
Ein großartiger Fotograf und Filmemacher! Und dann noch dazu jemand der sein können in den Dienst einer guten Sache stellt.
Tiefster Respekt!
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