Das Lederhosenproblem

Kolumne | Stephan Hilpold, 26. August 2012, 16:57
  • Soll man im Urlaub Bauer spielen oder bei Gucci und Prada bleiben?
    foto: reuters/michaela rehle

    Soll man im Urlaub Bauer spielen oder bei Gucci und Prada bleiben?

Sollte man sich als Sommerfrischler eigentlich in Tracht und Krachlederne werfen oder lieber bei Gucci und Prada bleiben?

Es ist an der Zeit, über ein Problem nachzudenken, das sich alljährlich in der Sommerfrische stellt. Wir wollen es das Lederhosenproblem nennen, und wer einmal im Salzkammergut war, der weiß, wovon hier die Rede ist. Unser Problem ist recht einfach auf den Punkt zu bringen: Soll man oder soll man nicht? Soll man im Urlaub Bauer spielen oder bei Gucci und Prada bleiben? Leider ist die Entscheidungsfindung von einer ähnlichen Verzwicktheit wie die Lederhose selbst, vor allem wenn sie noch nicht so richtig schön speckig ist - aber das sind neue Lederhosen nun einmal nicht.

Womit wir beim schwerwiegendsten Argument gegen den Kauf einer Lederhose in der Sommerfrische wären. Eine neue Lederhose unterscheidet den Zugreisten vom Angstammten, also jenen, der ein Murmeltier für einen Maulwurf hält vom Schützenkönig. 

Trachtentourist

Die Lederhose von Letzerem muss einen Ahnenbaum bis zurück in die Kaiserzeit haben, die Lederhose von Ersterem tritt dagegen in Kombination mit einem nigelnagelneuen Steirerhut und frisch gewixten Haferlschuhen in Erscheinung. Trachtentourist sagt Letzterer abschätzig zu Ersterem, und davon gibt es zwischen Atter- und Grundlsee seit alters her viele. Womit wir beim wichtigsten Argument für den Kauf einer neuen Lederhose wären.

Ohne Lederhose wird man sich immer als ein Tourist zweiter Klasse fühlen, als eine Art Trachtenbetrachtertourist, der beim Zauner neidvoll auf das Beinkleid der anderen schielt. Während ganz Döbling im Wetterfleck aus Loden im Schnürlregen unterm Loser sitzt, verkriecht sich der Touristenpöbel in seine Nylonponchos. Damit macht man dann auch keine bessere Figur. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 24.8.2012)

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herrlich...

beeindruckend wir hier alle klischees untergebracht werden...;)

weder rennen wir "einheimischen" ständig mit dirndl od. lerdernen herum, noch die touristen mit gucci od. ähnlichem u. verkleidenen sich mit dirndl u. ledernen...
und loden ist nun mal genauso ein ursprünglicher stoff, der seit jahrhunderten bei uns porduziert u. getragen wird...heute ist er edel od. wird veredelt, früher wars ein material, dass sich jeder leisten konnt, wärmte u. auch hartes arbeiten ausgehalten hat...

Die Herren sollten sich wo's nur geht die Lederne umwerfen. Damit sieht noch der letzte Kerl sexy aus. Nur ein Anzug kann da mithalten, mit der Erotik. Also im Urlaub auf die Bergch wahlweise Anzug oder Ledertracht.

in der freizeit hab ich oft die lederne an, aber mehr aus bequemlichkeit als aus tradition oder so...

lederhose im alltag

hier eine einfache ausseer szene: lederhose schnell ausziehen und im see (oder in der traun) baden:
http://www.youtube.com/watch?v=RqYfbqr-GXg
nach 24 sekunden im video

äh........

zieht man unter einer lederhose überhaupt unterwäsche an, oder wird die ledertrachtenhose über dem nackten ar... getragen? (so wie die schotten mit ihren röcken)

natürlich zieht man unterwäsche darunter an... (wie kommen sie auf das??)

Das ist eine gute Frage.
Und offenbar darf man zu diesen Lederhosen Kurzarmhemden anziehen.
Ich weiß echt nicht mehr, was ich davon halten soll...

gibt es gar nicht.

Ich trage meine kurze und an manchen Tage auch meine Kniebund in der Stadt. Besser als eine Jeans allemal. Die Lederhose überlebt Generationen an Jeans. Somit umweltfreundlicher und fairer noch dazu. Und die Lederhose hat ihre Vorzüge bei der sommerlichen Hitze:-) Und ich trage dazu Poloshirts oder T-Shirts, Birkenstock oder Turnschuhe. Willkommen im 21. Jahrhundert. Was brauche ich die Plastikhosen mit ihren Logos die Statussymbole sein sollen? Mir geht es um Qualität. Ein Hoch auf meine Hirschlederne!

jessas

die badehose-lederhose haben wir noch nicht erörtert!

bitte nicht, da urpeinlich.

ist hiermit geschehen

:o)

"trachtentouristen"

ich war vor einigen wochen in ischl und auf einen kaffee bei zauner und traute meinen augen nicht, wieviele norddeutsche neustes leder und loden um tausende euro spazierentragen und -sitzen.
was machen die zuhause damit? ich wette in bremen getrauen sie sich damit nicht einzukleiden.

In der nazizeit war es den juden verboten tracht zu tragen

Mode ist immer politisch

hm

unlängst, also letztes jahr auf heimaturlaub und dort ein bauernfest auf einem marktplatz irgendwo in der steiermark, wo 75% einheimische (touristen gibt's dort eh keine) in tracht und lederhose zusammensaßen, gehobene lokale schmankerln aßen und einige bauern aus dem umland sogar mit aufgemotzten kutschen zum sonntäglichen frühschoppen einfuhren. man meinte, man wäre einer zeitmaschine entsprungen und es wäre das jahr 1899

hm

das ist diese hipp-patriotische note, die man heute boboesk zum ausdruck bringt. ich kenne leider selbst einige, die meinen, sie müssen nun unbedingt eine solche lederne tragen. das zeigt auch dieses werte-konservative weltbild, welches momentan zu beobachten ist bei ehemaligen friegeistern

zu viel hineininterpretiert

Ich kenne Stadtkinder, Anfang 20, die tragen ab und zu Dirndls und Lederhosn, allerdings nicht als Tracht, sondern als Fashionspaß. Weil ihrer Meinung nach gut ausschaut, weil sie die Figur gut zur Geltung bringt, bei Buam wie bei Madln und weil es modern ist.
Niemand von denen verschwendet einen Gedanken an patriotisch, freigeistig, wert-konservativ.
Jeder Jugend seine Moden.

die kinder reagieren oft konträr zu ihren eltern

meine freundin hat noch drei geschwister, vater war stolzer tiroler und CVler, auf penetrante art wertkonservativ.
die kinder sind alle politisch links, von tirol wollen sie nix wissen und ein dirndl wird maximal ausgeliehen, wenn man doch noch auf den winzerball geht.

letztlich landet aber der apfel nicht weit vom stamm, ob man es will oder nicht, auch wenn man eine andere partei als die eltern wählt.

letztlich landet aber der apfel nicht weit vom stamm

Ja, das stimmt.
Zu einigen Dingen hat mein Kind andere, imho spießigere, Ansichten, aber letztlich ähnelt er mir mehr, als es manche seiner Entwicklunsphasen vermuten ließen.
Ein Beispiel: Obwohl er weit mehr auf Karriere und Geldverdienen bedacht ist, als ich es ihm vorgelebt habe, ist er dabei nicht geizig oder egoistisch, sondern hilfsbereit und großzügig.
Und so soll es ja auch sein, nicht wahr? Wollen wir für unsere Kinder doch das Beste und nicht einen Klon von uns selbst.
;-)

gratulation zu ihrem kind! ;)
gehören immer noch zwei dazu. :)

das wertkonservative weltbild

stellt sich bei vielen ein, sobald sie kinder haben. ich finde das nicht schlimm.

das wertkonservative weltbild

wird imho zu Unrecht geschmäht und hat seine guten und erhaltenswerten Seiten.
Mit freundlichen Grüßen von einem Ex-Punk, die ein Kind großzug und heute stolz darauf ist, dass es durch seine gute Erziehung und sein höfliches und rücksichtsvolles Auftreten (außer es macht Party) bei seinen Mitmenschen viele Sympathien gewinnt.
:-)

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