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Soll man im Urlaub Bauer spielen oder bei Gucci und Prada bleiben?
Es ist an der Zeit, über ein Problem nachzudenken, das sich alljährlich in der Sommerfrische stellt. Wir wollen es das Lederhosenproblem nennen, und wer einmal im Salzkammergut war, der weiß, wovon hier die Rede ist. Unser Problem ist recht einfach auf den Punkt zu bringen: Soll man oder soll man nicht? Soll man im Urlaub Bauer spielen oder bei Gucci und Prada bleiben? Leider ist die Entscheidungsfindung von einer ähnlichen Verzwicktheit wie die Lederhose selbst, vor allem wenn sie noch nicht so richtig schön speckig ist - aber das sind neue Lederhosen nun einmal nicht.
Womit wir beim schwerwiegendsten Argument gegen den Kauf einer Lederhose in der Sommerfrische wären. Eine neue Lederhose unterscheidet den Zugreisten vom Angstammten, also jenen, der ein Murmeltier für einen Maulwurf hält vom Schützenkönig.
Trachtentourist
Die Lederhose von Letzerem muss einen Ahnenbaum bis zurück in die Kaiserzeit haben, die Lederhose von Ersterem tritt dagegen in Kombination mit einem nigelnagelneuen Steirerhut und frisch gewixten Haferlschuhen in Erscheinung. Trachtentourist sagt Letzterer abschätzig zu Ersterem, und davon gibt es zwischen Atter- und Grundlsee seit alters her viele. Womit wir beim wichtigsten Argument für den Kauf einer neuen Lederhose wären.
Ohne Lederhose wird man sich immer als ein Tourist zweiter Klasse fühlen, als eine Art Trachtenbetrachtertourist, der beim Zauner neidvoll auf das Beinkleid der anderen schielt. Während ganz Döbling im Wetterfleck aus Loden im Schnürlregen unterm Loser sitzt, verkriecht sich der Touristenpöbel in seine Nylonponchos. Damit macht man dann auch keine bessere Figur. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 24.8.2012)
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beeindruckend wir hier alle klischees untergebracht werden...;)
weder rennen wir "einheimischen" ständig mit dirndl od. lerdernen herum, noch die touristen mit gucci od. ähnlichem u. verkleidenen sich mit dirndl u. ledernen...
und loden ist nun mal genauso ein ursprünglicher stoff, der seit jahrhunderten bei uns porduziert u. getragen wird...heute ist er edel od. wird veredelt, früher wars ein material, dass sich jeder leisten konnt, wärmte u. auch hartes arbeiten ausgehalten hat...
Ich trage meine kurze und an manchen Tage auch meine Kniebund in der Stadt. Besser als eine Jeans allemal. Die Lederhose überlebt Generationen an Jeans. Somit umweltfreundlicher und fairer noch dazu. Und die Lederhose hat ihre Vorzüge bei der sommerlichen Hitze:-) Und ich trage dazu Poloshirts oder T-Shirts, Birkenstock oder Turnschuhe. Willkommen im 21. Jahrhundert. Was brauche ich die Plastikhosen mit ihren Logos die Statussymbole sein sollen? Mir geht es um Qualität. Ein Hoch auf meine Hirschlederne!
ich war vor einigen wochen in ischl und auf einen kaffee bei zauner und traute meinen augen nicht, wieviele norddeutsche neustes leder und loden um tausende euro spazierentragen und -sitzen.
was machen die zuhause damit? ich wette in bremen getrauen sie sich damit nicht einzukleiden.
unlängst, also letztes jahr auf heimaturlaub und dort ein bauernfest auf einem marktplatz irgendwo in der steiermark, wo 75% einheimische (touristen gibt's dort eh keine) in tracht und lederhose zusammensaßen, gehobene lokale schmankerln aßen und einige bauern aus dem umland sogar mit aufgemotzten kutschen zum sonntäglichen frühschoppen einfuhren. man meinte, man wäre einer zeitmaschine entsprungen und es wäre das jahr 1899
das ist diese hipp-patriotische note, die man heute boboesk zum ausdruck bringt. ich kenne leider selbst einige, die meinen, sie müssen nun unbedingt eine solche lederne tragen. das zeigt auch dieses werte-konservative weltbild, welches momentan zu beobachten ist bei ehemaligen friegeistern
Ich kenne Stadtkinder, Anfang 20, die tragen ab und zu Dirndls und Lederhosn, allerdings nicht als Tracht, sondern als Fashionspaß. Weil ihrer Meinung nach gut ausschaut, weil sie die Figur gut zur Geltung bringt, bei Buam wie bei Madln und weil es modern ist.
Niemand von denen verschwendet einen Gedanken an patriotisch, freigeistig, wert-konservativ.
Jeder Jugend seine Moden.
meine freundin hat noch drei geschwister, vater war stolzer tiroler und CVler, auf penetrante art wertkonservativ.
die kinder sind alle politisch links, von tirol wollen sie nix wissen und ein dirndl wird maximal ausgeliehen, wenn man doch noch auf den winzerball geht.
letztlich landet aber der apfel nicht weit vom stamm, ob man es will oder nicht, auch wenn man eine andere partei als die eltern wählt.
Ja, das stimmt.
Zu einigen Dingen hat mein Kind andere, imho spießigere, Ansichten, aber letztlich ähnelt er mir mehr, als es manche seiner Entwicklunsphasen vermuten ließen.
Ein Beispiel: Obwohl er weit mehr auf Karriere und Geldverdienen bedacht ist, als ich es ihm vorgelebt habe, ist er dabei nicht geizig oder egoistisch, sondern hilfsbereit und großzügig.
Und so soll es ja auch sein, nicht wahr? Wollen wir für unsere Kinder doch das Beste und nicht einen Klon von uns selbst.
;-)
wird imho zu Unrecht geschmäht und hat seine guten und erhaltenswerten Seiten.
Mit freundlichen Grüßen von einem Ex-Punk, die ein Kind großzug und heute stolz darauf ist, dass es durch seine gute Erziehung und sein höfliches und rücksichtsvolles Auftreten (außer es macht Party) bei seinen Mitmenschen viele Sympathien gewinnt.
:-)
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