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Wien/New York - Der Entscheid einer New Yorker Bundesrichterin in einem mutmaßlichen Betrugsfall sorgt in den USA für großes Aufsehen. Der Grund: Richterin Shira Scheindlin hat eine Klage gegen die US-Ratingriesen Moody's und Standard & Poor's (S&P) zugelassen. Das ist ein Novum: Bisher konnten S&P und Co Schadenersatzklagen mit dem Argument abwenden, dass sie im Rahmen ihrer Arbeit lediglich Meinungsäußerungen tätigen.
Das Recht auf freie Meinung ist in der US-Verfassung über den ersten Zusatz strikt geschützt. Sollte diese Verteidigungslinie nach dem am Freitag ergangenen und nun publizierten Entscheid einbrechen, könnten Ratingagenturen weitere Klagen drohen.
Der Fall, in dem Richterin Scheindlin zu entscheiden hatte, geht auf 2008 zurück. Damals hatten die Abu Dhabi Commercial Bank, ein Pensionsfonds für Lehrer aus Pennsylvania und zahlreiche weitere Unternehmen, eine Klage gegen die US-Investmentbank Morgan Stanley, Moody's und S&P eingebracht. Im Kern des Verfahrens ging es darum, wer für Verluste aus Geschäften mit dem Investmentvehikel "Cheyne" aufkommen sollte.
Cheyne war ein von Morgan Stanley vertriebenes Finanzprodukt, bei dem Anleger in durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere investieren konnten. Die Ratingagenturen bewerteten die Cheyne-Produkte gut, einige Papiere erhielten ein Triple-A. 2007 kollabierte Cheyne. Die Investorengruppe rund um die Abu Dhabi Bank verlor rund eine Milliarde US-Dollar und brachte eine Klage ein. An dieser Stelle wird das Verfahren kompliziert: Denn die Klage landete bereits 2009 vor Richterin Scheindlin. Sie verwehrte den Ratingagenturen bereits damals den ansonsten üblichen Schutz durch den ersten Verfassungszusatz - wies die Klage aber aus Mangel an Beweisen ab.
Ein Revisionsgericht erlaubte den Klägern, ihr Ansuchen neuerlich einzubringen. Diesmal ebnete Scheindlin tatsächlich den Weg für einen Prozess - und vertiefte ihre Ausführungen zum Thema freie Meinungsäußerung. Demnach handelt es sich bei Ratings zwar nicht "um objektiv messbare Darstellungen von Tatsachen", aber eben auch nicht bloß um Meinungen.
Vielmehr seien Ratings aufgrund von Analysen getroffene Bewertungen über "die aktuelle Kreditqualität", also eine Art Mix, wenn man so will. Wenn eine Ratingagentur also eine Bewertung wider besseres Wissens abgibt, also optimistischer bewertet, als es die Fakten zulassen, und sich dabei tatsächlich irrt, wird sie laut der Richterin haftbar. Besonders pikant ist, dass die Kläger offensichtlich über Informationen verfügen, wonach die Analysten der Ratingagenturen von ihren Produkten nicht überzeugt waren. So schrieb ein Analyst in einer Mail an einen Kollegen, dass ein Produkt "von Kühen" hätte zusammengestellt werden können, und man es trotzdem bewerten würden. (szi, DER STANDARD, 22.8.2012)
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Der Betrug mit zu guten Ratings gibt es aber nicht nur im Spitzenbereich (AAA, siehe Artikel oder auch Lehman bis kurz vor dem Crash) sondern auch in unteren Bereich: Griechenland, als ein Beispiel, ist doch schon seit rund 4 Jahren auf "D" für Default. Trotzdem wird es immer knapp besser bewertet, wohlwissend dass sonst die ganzen CDS schlagend werden. Dafür zahlt der EU-Bürger Milliarden über Milliarden Euro jedes Monat an Griechenland, nichts wird dadurch besser.
Gibt es auch konkrete Beispiele wo im Nachhinein das nachweislich zu schlechte Rating eines Schuldners einen Schaden bei Gläubigern verursacht hat?
Die Agentur haftet gegenüber dem Auftrageber und dieser wiederum gegenüber seinen Kunden.
Manipuliert die Agentur um selbst Geschäfte zu tätigen, dann ist das nicht bloss eine Haftungsfrage, sondern ein kriminelled Delikt. Das wurde bis jetzt noch nie verfolgt.
Lehman z.B.- Hier wird Freunderlwirtschaft betrieben, daß es besser nicht mehr geht. Das Argument 'Meinung' zieht garnicht mehr, wenn man die Rechtfertigungen für manche Bewertungen hört. Wie da sorgfältigst geprüft und alles in Betracht gezogen worden wäre;-)
Autounfall , spontaner Selbstmord, Flugzeugabsturz oder Meinungsaenderungen frei nach "der Pate" ?
Ich tippe auf ein Angebot dass sie nicht ablehnen konnte und / oder Pferdekopf im Bett.
Vielleicht schwer nachzuvollziehen, für den Durchschnittskommunisten hier im Forum, wahr ist aber Folgendes:
Rating-Agenturen leben davon, dass der Staat VORSCHREIBT, dass gewisse Unternehmen (Lebensversicherer, Banken, Fonds) nur Anleihen gewisser Mindest-Bonität kaufen dürfen. Wurde schon lange in Amerika eingeführt, und natürlich in Europa in 10x diktatorischer Art übernommen.
Niemand braucht Rating-Agenturen. Die wissen auch nicht mehr als andere Marktteilnehmer. Und viel Glück bei Schadenersatzforderungen.
Was wir brauchen ist Selbstverantwortung! Jeder soll sich selbst über seine Schuldner informieren. Wenn was in die Hose geht, selber zahlen, und keine Bankenretterei und EZB-Interventionen!
In den USA wurde den Banken seitens der Regierung VORGESCHRIEBEN, Hauskredite auch an nicht solvente Bürger zu verteilen. Das war wieder eine REGULIERUNG!
Die Demokraten hatten ihre soziale Komponente, die Republikaner hatten ihren Boom beim Häuserbau.
Wenn sie den Glass-Steagall Act meinen, also die Trennung von normalem Bankgeschäft und Investmentbanking, dann würde in dem Fall völlig die Information des Bankkunden genügen. Der Kunde sollte wissen, welche Geschäfte die Bank macht, und welches Risiko daher mit seiner Einlage verbunden ist.
nur finde ich keinen Anhaltspunkt für eine "ÜBERREGULIERUNG DER FINANZMÄRKTE" (soo groß geschrieben).
Es sei denn, Sie meinen, dass Anlagen mit dem Etikett 'mündelsicher' auch gewisse Auflagen erfüllen müssen.
Wenn Sie das schon als Überregulierung ansehen, dann würde ich den gesetzlichen Zwang, das was ich mir ausleihe, auch zurückzahlen zu müssen, ebenfalls als Überregulierung bezeichnen.
Gerade ein Durchschnittskapitalist wie Sie, lebt normalerweise gerne mit dem staatlich garantierten Schutz des Eigentums.
Rating-Agenturen sind ein Teil der Regulierung der Finanzmärkte, und haben den Crash offenbar überhaupt nicht verhindert.
Deutsche Banken (besonders die Landesbanken) haben sich die amerikanischen Ramschanleihen (wo die Kredite nicht besonders solventer Häuslbauer drinsteckten) massenweise hineingestopft, WEIL sie mit dem AAA (oder einem sehr hohen) Rating bewertet wurden. So lange die Häuserpreise hoch waren, waren die Anleihen auch völlig werthaltig. Nach dem Sinken der Häuserpreise halt nicht mehr.
Rating-Agenturen täuschen eine Sicherheit vor, die es nicht geben KANN, und verleiten GERADE DADURCH zum Eingehen hoher Risiken, erreichen also genau das GEGENTEIL! Keine Sicherheit, sondern den Crash.
Ich habs nie verstanden, dass denen 5 Jahre nach dem offensichtlichen Versagen noch immer unreflektiert geglaubt wird.
Der Grund ist vermutlich einerseits, dass in vielen Auflagen und Verträgen die Bewertung der Ratingagenturen als Berechnungsgrundlage drinnen steht und (noch) nicht heraus genommen wurde.
Der Grund ist andererseits, dass immer mehr Finanzmanager gar keinen Durchblick mehr haben. Und das führt dazu, dass sie immer weniger dem eigenen Urteil vertrauen und sich immer mehr auf Formalkriterien, wie zB. Ratings zurück ziehen.
Dieses heutige unreflektierte Nachhüpfen der Ratings ist Herdentrieb und führt zu chaotisch-hysterischem Kippverhalten in den Finanzmärkten.
Ihrem Argument möchte ich folgendes entgegenstellen:
Ein (gutes) Rating ist letztlich nichts anderes wie ein Gütesiegel wie zB. Fairtrade oder Bio bei Lebensmittel, eine Bewertung des Konsumentenschutzverbands, des Tourismusverbands (Hotelkategorien) etc.
Solche Bewertungen/Gütesiegel etc. existieren auch deshalb weil die Produkt- und Dienstleistungskomplexität in unserer hoch spezialisierten, arbeitsteiligen Gesellschaft extrem zugenommen hat. Niemand durchblickt mehr die gesamt Wertschöpfungskette bis zur Rohstoffgewinnung.
Aus diesem Grund ist der Ruf nach Selbstverantwortung zwar richtig und soll für jeden Konsumenten/Verbraucher und auch Unternehmen ein Muss sein, gleichzeitig gibt es aber dafür auch sehr starke Grenzen.
Wie wir wissen, wird bei diesen Gütesiegeln ebenfalls geschwindelt.
Und es ist ein Unterschied, ob eine gewisse Güteklasse staatlich VORGESCHRIEBEN wird, oder ob sie der Konsument als weitere Info freiwillig aufnimmt.
Teilweise sind natürlich staatliche Gütesiegel notwendig. Es kommt darauf an, wo. Im Finanzbereich gibt's zu wenig objektive Anhaltspunkte um Gütesiegel zu verteilen. Viel besser ist dort die Daumenregel, dass höhere Erträge natürlich mit einem höheren Risiko behaftet sind!
"Wenn eine Ratingagentur also eine Bewertung wider besseres Wissens abgibt, also optimistischer bewertet, als es die Fakten zulassen, und sich dabei tatsächlich irrt, wird sie laut der Richterin haftbar"
Gleiches muss doch auch gelten, wenn die Agentur vorsätzlich oder fahrlässig pessimistischer bewertet, als es die Fakten zulassen.
Wie wäre es also mit einer Sammelklage der europäischen Staaten und Bürger auf ein paar hundert Milliarden Euro Schadenersatz?
und für die Rating -Agenturen brandgefährlich, wenn man bedenkt, dass die aktuelle Krise ihren Ursprung in Schrott-Immobilien(schuld)papieren hatte, die unisono mit dem Triple-A bewertet waren.
Diese Geschichte lohnt genau weiter verfolgt zu werden. Ich sage nicht dass es so kommt, aber das Potenzial die Agenturen in den Hades zu schicken ist zweiffellos da, wenn sie tatsächlich für ihre Bewertungen Verantwortung übernehmen müssen.
Ratings kosten, und zwar nicht wenig und sind trotzdem nichts wert, sondern werden von den Auftraggebern- im Fall von Europa meist die angloamerikanischen Banken und Investoren - manipuliert. Es sollte eine permanente, unabhängige EU-Ratingagentur geschaffen werden, die für das europäische Parlament die notwendigen Entscheidungsgrundlagen bietet! Das bedingt wieder eine Aufwertung des Parlaments und den Umbau Europas in eine echte soziale, politische und wirtschaftliche Gemeinschaft!
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