Mit "Lopi"ist nicht gut Kirschen essen

Kopf des Tages22. August 2012, 18:26
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Reinhold Lopatka gilt als nicht gerade zimperlich, dabei kommt er von dort, wo Empathie gefragt ist

Man kann es auch als Friedensangebot des Bundesparteichefs an die Steirer interpretieren - damit die Beziehung zu dieser kratzigen Landespartei nicht zur Dauerbaustelle wird. Reinhold Lopatka, seit 2011 steirischer "Nur-noch-Abgeordneter" im Parlament , wird also wieder in Ministeriumshöhen zurückkehren: als ÖVP-Staatsekretär im Außenministerium.

Die Degradierung Lopatkas 2011 vom Finanzstaatssekretär zum einfachen Abgeordneten, die der damals neue Bundesparteiobmann Michael Spindelegger veranlasst hatte, wurde in der steirischen ÖVP als Provokation aufgefasst. Von "stinksauer" und "wir wurden reingelegt" war da die Rede. Der in Marathonläufen körperlich gestählte, in Russisch versierte Jurist Lopatka trug es nach außen hin mit Gelassenheit und nistete sich politisch wieder in seinem Heimatbezirk Hartberg ein, wo er sich sozialpolitisch engagierte - nicht ganz zur Freude der steirischen Parteispitze, die gerade auch in der Sozialpolitik einen harten Sparkurs fährt.

Experte fürs Schmutzige

Wirklich glücklich war man hier ja ohnehin nicht, ihn wieder im Land zu haben, zumal Lopatka - er hat polnische Wurzeln - auch nachgesagt wurde, er wolle unbedingt in die steirische Landespolitik zurück. ÖVP-Landeschef Hermann Schützenhöfer dürfte jetzt erleichtert sein. Denn für Reinhold Lopatka hat er momentan keinen Platz im Bundesland, und außerdem: Mit "Lopi" ist nicht gut Kirschen essen. Er gilt als nicht gerade zimperlich, politische Tricks holte er sich bei US-Wahlkämpfen und er weiß, wie Dirty Campaining funktioniert - auch bei Parteifreunden.

Dabei kommt Lopatka ganz woanders her, dort, wo Empathie gefragt ist: von der Friedensbewegung, wo er Alfred Gusenbauer kennengelernt hatte, von Amnesty und Sozialbewegungen - ehe er 1986 als jüngster steirischer Landtagsabgeordneter angelobt wurde. 2000 avancierte er zum Klubobmann, orches trierte im Jahr 2000 Waltraud Klasnics fulminanten Wahlsieg, managte für Wolfgang Schüssel dessen Erdrutschsieg 2002 und stieg dann ins Generalsekretariat auf - für politische Gegner "Lopatkas Giftküche". 2007 wurde er Sport-Staatssekretär, ein Jahr später Staatssekretär im Finanzministerium.

Internationale Erfahrungen sammelte Lopatka laufend - bei bisher 70 Marathonläufen rund um den Globus. Außenpolitisch gehen lernte der im ÖAAB sozialisierte Steirer zuletzt als außenpolitischer Sprecher seiner Partei. (Walter Müller, DER STANDARD, 23.8.2012)

  • Reinhold Lopatka geht als Staatssekretär ins Außenamt
    foto: standard/cremer

    Reinhold Lopatka geht als Staatssekretär ins Außenamt

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