Schiefe Optik und offene Fragen

  • Nada-Chef Cepic verteidigt seine Personalentscheidung.
    foto: apa/nada austria

    Nada-Chef Cepic verteidigt seine Personalentscheidung.

Die Ex-Sportler Susanne Pumper und Christian Hoffmann beschäftigen weiter die Anti-Doping-Agentur

Wien - Lange blieb es um die runderneuerte Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) nach dem Skandal um abgehörte Tonprotokolle im Fall des Langläufers Christian Hoffmann nicht ruhig. Seit drei Wochen wirkt Michael Cepic als neuer Geschäftsführer. Mit seiner jüngsten Personalentscheidung hat der Wiener gehörigen Wirbel verursacht.

Cepic bestellte Clemens Grünzweig, den ehemaligen Rechtsanwalt von Leichtathletin Susanne Pumper, zum Ersatzmitglied der Nada-Rechtskommission - DER STANDARD berichtete. Pumper war 2008 aufgrund von Epo-Dopings für zwei Jahre gesperrt worden und sieht sich mit einem neuerlichen Dopingverfahren konfrontiert. "Ich sehe das als Vorteil, dass einer, der die eine Seite kennt, mit diesem Wissen auf die andere Seite wechselt", sagt Cepic. Grünzweig sei ein absoluter Gegner von Doping. "Den Fall Pumper hat er in seiner Funktion als Rechtsanwalt juristisch hochprofessionell erledigt."

Eine schiefe Optik sieht der Nada-Chef keine. Sollte Pumper neuerlich ein Verfahren vor der Nada-Rechtskommission drohen, würde Grünzweig auch bei einem Ausfall eines ständigen Mitglieds nicht in die Kommission rücken. "Dass Grünzweig in den Fall Pumper involviert sein wird, schließe ich dezidiert aus", sagt Cepic. Noch hält der Fall den Status "ruhend", die neue Kommission ist seit 12. August tätig. "Sie wird sich die Unterlagen anschauen. Ich gehe davon aus, dass ein Verfahren aufgenommen wird."

Die Entscheidung bleibt spannend, weil die zurückgetretene 41-Jährige Präsidentin des Wiener Traditionsvereins Lauf- und Conditions-Club (LCC) wird. Ob mit einer raschen Aufnahme zu rechnen ist, darüber wollte Cepic im Standard-Gespräch keine Stellungnahme abgeben. Beeinflussen kann Cepic die Tätigkeit der unabhängigen Kommission von Rechts wegen nicht.

Gerüchte, wonach Ex-Langläufer Hoffmann nach der Reduzierung seiner Dopingsperre wieder in den Profisport einsteigen könnte, zwingen auch die Nada zum Handeln. Die ursprüngliche Strafe der Rechtskommission von sechs Jahren hatte das Schiedsgericht auf zwei Jahre revidiert. Ob die Nada diese Entscheidung vor dem Sportgerichtshof Cas anfechten wird, ist offen. "Die Einspruchsfrist läuft noch, wir sind am Prüfen", sagt Cepic.

Hoffmanns Sperre ist im Dezember 2011 abgelaufen. Dass der 37-jährige Oberösterreicher voll im Training ist, bewies er mit seinem Sieg am Wochenende beim 9-km-Bergrennen mit Skirollern auf den Salzburger Gaisberg. ÖSV-Cheftrainer Gerald Heigl hofft auf ein Comeback noch in diesem Weltcup-Winter. Bergauf ist er "weltweit nach wie vor einer der Besten", sagt Heigl.

Seit 2009 nie getestet

Der Olympiasieger von 2002 hat seine Karriere Ende 2009 beendet, seither wurde er laut Cepic nicht getestet. "Als Privatperson muss er keine Tests absolvieren. Der Veranstalter des Bergrennens hätte von sich aus einen Test verlangen können. Hat er aber nicht."

Laut Cepic hat die Nada bisher keine Meldung erhalten, dass Hoffmann wieder ein aktiver Sportler ist. Erst dann würde er für die Nada für Doping-Tests greifbar werden. Paragraf 19 des Anti-Doping-Gesetzes schreibt vor, dass gesperrte und zurückgetretene Sportler der Nada ein Comeback zwölf Monate vor dem ersten Wettkampf melden müssen. Ahnden kann die Nada einen Verstoß nicht. Ob Hoffmann theoretisch noch heuer Rennen bestreiten kann, liegt am ÖSV und am Sportministerium. (David Krutzler, DER STANDARD, 23.8.2012)

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