Die Königin ist tot, es lebe die Königin!

23. August 2012, 07:00
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Pläne der US-Komikerin, die nächste, erste grüne Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden, sind gescheitert. Dafür ist sie jetzt die Topkandidatin der "Peace and Freedom Party"

Nur echte Stars können sich keinen Nachnamen erlauben. Madonna, Buddha, Barbie. Oder deren Gegenentwurf Roseanne. Zugegeben: Weltweit so groß rausgekommen wie die Erstgenannten ist sie nicht. Aber Frau Barr hat für viele westliche TV-KonsumentInnen Kultstatus inne, seit ihre vornämlich betitelte SitCom in den 1990ern höchst erfolgreich gelaufen ist.

Ziel: Erste Frau im Amt

Dieser Ruhm ist Roseanne bei ihrem jüngsten Projekt abseits des Showbiz sicher nicht abträglich: Sie will die nächste und damit erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden.

Dieser Entschluss ist in medialen Zeitaltern gerechnet ein alter Hut, schließlich verlautbarte ihn Roseanne bereits 2011 in der "The Tonight Show with Jay Leno". Und sie ließ sich konsequenter Weise im Februar 2012 von den Grünen aufstellen, nur machten die Mitte Juli dieses Jahres die politerfahrenere Kinderärztin Jill Stein zu ihrer Kandidatin. Barr landete mit 72 zu 193 Stimmen nur auf Platz zwei.

Die zweite Chance und du bist: Dabei!

Doch Roseanne will es wirklich wissen: Sie wechselte rasch die politische Farbe - für US-Verhältnisse von rot zu dunkelrot - und stieß zu der "Peace and Freedom Party", die 2008 schon Ralph Nader gegen Barack Obama ins Rennen schickte. Beim Parteitag Anfang August in Los Angeles wurde Roseanne auf Anhieb zur Spitzenkandidatin gewählt und kann im November selbst gegen den ersten schwarzen US-Präsidenten antreten.

Sprecherin für soziale Gerechtigkeit

Der steht, trotz linker Pläne wie der Krankenversicherung für alle, im Vergleich zur gerechtigkeitsliebenden Roseanne rechts. Sie war nicht nur im Fernsehen als die "fierce working-class domestic goddess" zu sehen, die sich gegen die patriarchale Konsumkultur stellt. Sie tritt auch im echten Leben als Sprecherin für Minderheiten und soziale Gerechtigkeit in Erscheinung, betont auch ihre neue Partei, die in Kalifornien seit 1967 und US-weit seit 1968 aktiv ist.

Sozialistische Lösungen einbringen

Roseanne nimmt die Sache mit der Gerechtigkeit für alle unterrepräsentierten AmerikanerInnen, egal welches Geschlecht, welcher sexuelle Orientierung, welcher Klasse oder Herkunft, sehr ernst, und sie will "sozialistische Lösungen" in den Diskurs zur Präsidentschaftswahl einbringen, teilte sie dem US-Wahlvolk via CNN mit.

Dass ausgerechnet sie, als Komikerin, die "einzig ernsthafte Komödiantin" in dieser Kampagne sei, ließ sie in ihrer Rede vor "Peace and Freedom Party"-Mitgliedern wissen (siehe eingebettetes Video ab Minute 01:40): "Alle anderen sind Clowns." Mit ihrer Kandidatur wolle sie das "zweiköpfige Monster" bestehend aus Republikanischer und Demokratischer Partei endlich zu Fall bringen.

Und dass sie nicht nur austeilen - und dabei witzig sein - kann, hat sie erst letzte Woche beim "Comedy Central Roast of Roseanne" bewiesen, wo sie selbst als "Monster" betitelt wurde: Achtung also vor "Rozilla" - es kann Angst und Schrecken verbreiten und Welten zerstören! Und hat dabei noch Visionen, wie's danach, besser für alle US-AmerikanerInnen, weiter geht. (red, dieStandard.at, 23.8.2012)

  • Meint es ernst: Roseanne Barr tritt mit sozialistischen Lösungen gegen Barack Obama an. Als "Peace and Freedom"-Vize ist eine weitere Frau aufgestellt, die Anti-Kriegs-Aktivistin Cindy Sheehan.
    foto: wahlbanner peaceandfreedom.org

    Meint es ernst: Roseanne Barr tritt mit sozialistischen Lösungen gegen Barack Obama an. Als "Peace and Freedom"-Vize ist eine weitere Frau aufgestellt, die Anti-Kriegs-Aktivistin Cindy Sheehan.

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    Die Neo-Präsidentschaftskandidatin legt sich auf Twitter ins Zeug, neben ihrer Kandidatur unter anderem auch für #FreePussyRiot: "The word "feminist" is not allowed in Putin's shit government."

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