Politologe Plasser rechnet mit Erfolg für Stronach-Partei

"Erschütterungen" im Wettbewerbssystem - Österreich seit einigen Wochen im Vorwahlkampf

Wien - Der Politikwissenschafter Fritz Plasser schätzt die Chancen für ein erfolgreiches Abschneiden des Industriellen Frank Stronach bei der Nationalratswahl als durchaus realistisch ein. Allein dessen Ansage, kandidieren zu wollen, habe bereits dazu geführt, dass Zehntausende Protestwähler ihre Richtung von FPÖ und BZÖ hin zu Stronach ändern würden, so Plasser am Rande einer Buchpräsentation am Mittwoch. Österreich befindet sich seiner Meinung nach schon seit einigen Wochen im Vorwahlkampf.

"Beachtliche" Konsequenzen

"Die in Vorbereitung befindliche Partei hat offensichtlich tatsächliche Chancen, die magische vier Prozent Hürde zu überspringen", und sogar einen höheren Wert zu erreichen, meinte der Politologe. "Er hat das Potenzial, durchaus erfolgreich zu sein." Schon die Ankündigung der Kandidatur habe zu "mehr oder weniger veritablen Erschütterungen" im Wettbewerbssystem geführt. Die Konsequenzen für andere Parteien und hier vor allem der Rechtsparteien seien zum Teil "beachtlich".

Schilling bringt Mobilisierung

Würde schon jetzt und nicht erst regulär im Herbst 2013 ein neuer Nationalrat gewählt, wäre laut Umfragen sogar mit einem Anteil von acht, neun Prozent für Stronachs Gruppierung zu rechnen, meinte Plasser. Was dessen "zentrale Message" betrifft, müsse man erst auf ein Programm warten. Bekannt sei bereits seine "ausgeprägte EU-Skepsis" sowie seine Skepsis dazu, dass die Krise überhaupt von den derzeitigen Akteuren zu lösen ist. Stronachs Lösungszugang - zurück zum Schilling - sei zwar "nicht der glücklichste Weg". Plasser weist jedoch darauf hin, dass es bei der angesprochenen Wählerschicht offenbar nicht um eine "argumentierte Abwägung", sondern um die Mobilisierung geht.

Mehr Euro-kritische Ansätze

Die Ansage des Milliardärs, zu kandidieren, reicht bereits, dass Zehntausende Protestwähler von den Rechtsparteien nun die Richtung ändern. "Das ist auch das Wählerpotenzial", so der Politikwissenschafter, der auf alle Fälle auch mit "Folgen für den Stil" der Auseinandersetzung rechnet. Die Themen-Besetzung der EU könnte auch SPÖ und ÖVP veranlassen, Euro-kritische Akzente zu setzen.

Hohes Wahlkampfbudget

Wenn der Austro-Kanadier realisiert, was den Medien zu entnehmen sei, nämlich 25 Millionen Euro zu investieren, könne dies "durchaus Folgen haben". Die Wahlkampfkostenbeschränkung auf sieben Millionen Euro gelte lediglich für den Intensivwahlkampf und schon davor könnte Stronach auch mit 18 Millionen Euro "doch einiges erreichen", so Plasser.

Potenzial ortet der Politologe auch bei den Piraten. Aus heutiger Sicht könnten auch noch weitere, zwei oder drei Gruppierungen antreten. "Aus dem Stand" in den Nationalrat einzuziehen, sei 2013 möglich, erklärte Plasser.

Seiner Ansicht nach ist Österreich bereits seit einigen Wochen im Vorwahlkampf. Noch offen sei, ob tatsächlich erst im Herbst 2013 gewählt wird oder ob die gegenseitige "Abneigung" der Koalitionspartner nicht doch dazu führt, dass die Wahl schon im Frühsommer stattfindet, so Plasser. (APA, 22.8.2012)

Share if you care