Wie der Mais zu Treibstoff wird

Dank Enzymen und Hefepilzen wird aus einer Ackerfrucht jener "absolute Alkohol", den alle Parteien außer der ÖVP ablehnen

Wien - Wird in Österreich E10 - Benzin mit zehn Prozent Ethanol-Anteil, produziert aus Getreide, Mais und Zuckerrüben - eingeführt, dann kommt dem Agrana-Werk im niederösterreichischen Pischelsdorf eine zentrale Rolle zu. In der Ackerfrucht-Raffinerie wird das Ethanol produziert, dass dann in Schwechat zu E10 gemischt wird. Die Rohstoffe dafür kommen laut Agrana aus Österreich und den benachbarten Ländern. Neben Ethanol fällt bei der Produktion auch Eiweißfuttermittel an, das nach Agrana-Angaben rund ein Drittel der heutigen Sojaimporte aus Südamerika für die Tierfütterung ersetzt.

In Österreich stehen außer der ÖVP alle Parteien E10 skeptisch gegenüber. Als letzte hat sich am Mittwoch die Grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig dagegen ausgesprochen. Angesichts der Getreidepreise müsse Österreich aus dem Projekt aussteigen. Dass ein Fünftel der Getreideernte in die Energieproduktion fließe, während viele Menschen unter Hunger leiden, "geht nicht". Außerdem forderte Glawischnig ein europaweites Moratorium zu dem Thema.

Abfallprodukt "Schlempe" für Tiere

Ethanol wird durch alkoholische Gärung und anschließende Destillation und Absolutierung (zu 99 prozentigem Alkohol) aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Dafür kommen stärke-, zucker- und zellulosehaltige Pflanzen infrage. Ausgangsstoff sind die in den Pflanzen enthaltenen Kohlenhydrate (Zucker), aus denen mit Hilfe von Enzymen und Hefepilzen Alkohol entsteht. Der Gärprozess ist abgeschlossen, wenn der Zucker verbraucht oder eine maximale Alkoholkonzentration erreicht ist. Der entstehende Ethylalkohol (chemische Formel: CH3CH2OH) wird durch Destillation abgetrennt, so der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie.

Um den Alkohol als Treibstoff verwenden zu können, folgt anschließend die Absolutierung. Dabei wird dem Alkohol Wasser entzogen, so dass am Ende Bioethanol mit einem Reinheitsgrad von über 99 Prozent entsteht. Dabei fällt als Destillationsrückstand die "Schlempe" an. Sie findet hauptsächlich als eiweißhaltiges Futtermittel Verwendung, kann aber auch direkt als Substrat in Biogasanlagen eingesetzt werden.

Das Agrana-Werk in Pischelsdorf wird per Schiff, Bahn und Lkw beliefert und stellt das Ethanol nach Schwechat mittels Bahnkesselwaggons zu. Gearbeitet wird mit der Trockenvermahlungstechnologie. Bedarfsentsprechend werden die Rohstoffe in Hammermühlen gemahlen und kommen dann in die Einmaischung, wo Wasser, Enzyme und Nährstoffe zugesetzt werden.

Im ersten Schritt, der Verflüssigung, werden die Stärkemoleküle, bestehend aus langen Glukoseketten, in kurze Fragmente zerlegt. Anschließend wird die verflüssigte Maische abgekühlt und der Fermentation zugeführt.

Gekühlter Treibstoff

Im zweiten Schritt, der gleichzeitigen Verzuckerung und Fermentation, dienen die einzelnen Glukosemoleküle der zugesetzten Hefe als Nährboden, die unter Luftabschluss Bioethanol produziert. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen ist, wird mittels Destillation der Alkohol durch Erhitzung aus der vergorenen Maische abgetrennt. Das biogene CO2 aus der Fermentation wird gereinigt, verflüssigt und für industrielle Anwendungen verfügbar gemacht.

Da mittels Destillation nur ein Alkoholgehalt von maximal 96,4 Prozent erreicht werden kann, erfolgt noch eine Restwasserentfernung mit Hilfe von Molekularfiltern. Der so gewonnene "absolute" Alkohol wird abgekühlt und in Tanks gelagert. Von diesem Zwischenlager wird das Bioethanol mit Bahnkesselwaggons an die Mineralölindustrie geliefert, so die Agrana. (APA, 22.8.2012)

Share if you care