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Die kleine Kathi hatte Glück. Alle Finger sind drangeblieben.
Die Sonne ist bereits untergegangen, die Dämmerung kurz davor, in das Dunkel der Nacht hinüberzugleiten. Der Dienst ist bald aus, der Hubi schon im Hangar, geputzt, innen sauber gemacht, alles für den nächsten Tag fertig.
Das Stützpunkthandy läutet. Es ist die Leitstelle: "13 Monate altes Kind, eine Hand ist in den Pürierstab geraten. Geht das noch oder ist es schon zu dunkel?" Unser Pilot blickt kurz gegen den Himmel: "Mach ma noch." Wir schieben den Hubi gemeinsam aus dem Hangar, sind schnell in der Luft, ab Richtung Notfallort. Rendezvouz mit dem RTW. Der Landeplatz, ein großer Parkplatz, wird von der Feuerwehr ausgeleuchtet. Der Pilot kennt sich dort aus, weiß, dass dort keine gefährlichen Leitungen sind. Wir landen sicher. "Super, Stephan", und draußen bin ich.
Kindernotfälle sind etwas Besonderes, selten, deshalb keine Routine. Nicht emotional gefordert zu sein ist unmöglich. Deshalb sind Vorstellung und Vorbereitung auf das, was einen erwartet, ganz wichtig. Beim Hinflug gehe ich noch mal alles durch. Ich steige aus, gehe rüber zum RTW. Mein Sohn ist 15 Monate, denke ich mir.
Ich öffne die Tür. Drinnen sitzt die Mutter, ihr weißes T-Shirt ist voller Blutspritzer. Auf ihrem Schoß sitzt die kleine Kathi, weint, schluchzt und hält ihre linke, blutige Hand in die Höhe. Alle Finger noch dran, doch tiefe Wunden. Die Mutter schaut verzweifelt. "Es wird alles gut, das kriegen wir schon hin", sage ich. Ohne Schmerztherapie und Sedierung lässt sich Kathi aber sicher nichts machen. Ich schaue auf ihre Arme.
Rund, kernig, alle Venen tief unter der Babyhaut versteckt. Nichts zu sehen, nicht einmal ein Hauch von einem Gefäß. Ich probiere es gar nicht, will sie nicht quälen. Für eine Schmerztherapie in den Knochen zu bohren, einen intraossären Zugang zu schaffen wäre überzogen. So verabreiche ich ihr die Medikamente mittels eines speziellen Applikators über die Nase. Über die Nasenschleimhaut wird das gut aufgenommen.
Ich erkläre das der Mutter: "Sie müssen sie jetzt einen kurzen Moment halten." Kathi wehrt sich kurz, doch es funktioniert. Bald wird sie ruhig, hört auf zu weinen. Wir können die Hand verbinden. Müde und etwas benommen schaut sie auf den riesigen, dicken Verband. "Da, da, da." Es tut ihr nichts mehr weh. Wir bringen Mutter und Kind in den Hubi. Die Mutter ist entspannt, die Kleine auch, nimmt meine Hand und knetet meine Finger. Genau wie mein Sohn, denke ich mir. Im Dunkeln heben wir ab, fliegen über die Lichter Wiens hinweg ins AKH. Am nächsten Tag habe ich sie besucht. Alle Wunden versorgt, alle Finger erhalten. (Robert Mosser, derStandard.at, 23.8.2012)
Robert Mosser ist Facharzt für Anästhesie sowie Flugrettungsarzt. In seinem Blog gibt er komische, tragische und bewegende Einblicke in seine Tätigkeit.
Notarzt Robert Mosser gibt Einblicke in seinen Alltag als Anästhesist und Flugrettungsarzt
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Na, na, na ... ganz so schlimm wird's wohl auch wieder nicht sein;-)
"Die meisten" werden schon nicht völlig unwichtige Dinge tun, die gar niemandem helfen.
Man muss sich den Sinn seines Tuns nur mal in einer ruhigen Minute vor Augen führen – da wird man schon auch zu positiven Ergebnissen gelangen, wenn man nicht grad beeideter Blumenzertrampler ist.
Und wenn nicht: Tja, dann hilft nur umsatteln z.B. auf Kindergärtner/in oder Altenpfleger/in. Selbst die ehrenwerte Profession der Kanalräumer/in möchte ich persönlich keineswegs missen – die können ganz schön wertvolle Dienste leisten!
Ich mag Ihre Kolumne, Sie machen das sehr gut. Ich lese sie zwar nicht regelmäßig, sondern nur, wenn ich quasi zufällig hier drüberstolpere, aber ich bin immer wieder gepackt und froh und dankbar, dass es Menschen wie Sie gibt. Beruf, Berufung, Charakter – allein das schon mal eine wertvolle Kombination. Wer dann auch noch so gelungen Einblicke in seine Arbeit gewähren kann, hat echt was drauf, Hut ab!
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