"Esperanto ist so viel leichter als Latein!"

Interview | Klaus Taschwer
21. August 2012, 18:48
  • "Ich verstehe, warum um 1900 Esperanto als gemeinsame Wissenschaftssprache diskutiert wurde", sagt Michael Gordin. Er selbst beherrscht neben Esperanto  etliche Sprachen, die die Wissenschaften im Lauf der Geschichte dominiert  haben.
Michael Gordin (37) ist Professor für Wissenschaftsgeschichte in Princeton. Er promovierte in Harvard und publizierte seitdem mehrere Bücher vor allem zur Geschichte der Physik in Russland. Er war kürzlich auf Einladung des Doktoratskolleg-Programms "Naturwissenschaften im historischen, philosophischen und kulturellen Kontext" des Wissenschaftsfonds FWF in Wien.
    foto: christian fischer

    "Ich verstehe, warum um 1900 Esperanto als gemeinsame Wissenschaftssprache diskutiert wurde", sagt Michael Gordin. Er selbst beherrscht neben Esperanto etliche Sprachen, die die Wissenschaften im Lauf der Geschichte dominiert haben.

    Michael Gordin (37) ist Professor für Wissenschaftsgeschichte in Princeton. Er promovierte in Harvard und publizierte seitdem mehrere Bücher vor allem zur Geschichte der Physik in Russland. Er war kürzlich auf Einladung des Doktoratskolleg-Programms "Naturwissenschaften im historischen, philosophischen und kulturellen Kontext" des Wissenschaftsfonds FWF in Wien.

Wissenschaftshistoriker Michael Gordin erzählt, wie Englisch zur dominanten Forschungssprache wurde und warum er nun Latein lernt

STANDARD: Englisch ist heute die mit Abstand wichtigste Wissenschaftssprache der Welt. Das war aber nicht immer so?

Gordin: Ganz und gar nicht. Englisch setzte sich erst rund um den Zweiten Weltkrieg als dominante Sprache durch. Von 1850 bis dahin teilten sich Deutsch, Französisch und Englisch ziemlich genau je ein Drittel der Publikationen. Und auch davor gab es meist mehrere Sprachen, in denen sich die Gelehrten austauschten, und nicht nur die eine dominante, wie das heute der Fall ist.

STANDARD: Lässt sich die Rolle von Englisch heute nicht mit der von Latein früher vergleichen, das ja auch lange Zeit die lingua franca der Gelehrten war?

Gordin: Nein, und zwar aus zwei Gründen. Zum einen ist Englisch ist nicht so "gerecht" verteilt, wie das bei Latein war. Für sehr viele Forscher ist Englisch die Muttersprache, mit der sie aufwachsen. Die meisten anderen müssen es in der Schule erst lernen. Latein im Mittelalter war niemandes Muttersprache. Zum anderen war Latein nicht immer so dominant, wie man heute annimmt. Im Alten Rom etwa sprachen und schrieben viele Gelehrte meist auf Griechisch. Cicero beklagt sich zum Beispiel ständig darüber, dass es für bestimmte griechische Fachausdrücke keine lateinischen Entsprechungen gab.

STANDARD: Das ändert sich dann aber im Mittelalter.

Gordin: Aber auch nicht von Beginn an. Im Frühmittelalter wurde Wissenschaft vor allem auf Arabisch betrieben, in Europa war wissenschaftlich wenig los. Erst mit dem Spätmittelalter und der Renaissance kam es dann zur Wiederentdeckung von Latein, das ab etwa 1200 in weiten Teilen Europas zur Sprache der Philosophen und Forscher wird, die sich so über die Grenzen hinweg verständigen können. Das ändert sich dann aber wieder Mitte des 17. Jahrhunderts

STANDARD: Was war der Grund dafür?

Gordin: Eine wichtige Rolle kam Galileo Galilei zu. Seine ersten Texte schrieb er um 1610 noch auf Lateinisch, um 1630 verfasste er bereits alles auf Italienisch.

STANDARD: Warum tat er das?

Gordin: Darüber gibt es eine lange Debatte. Als ein Grund wird sein Widerstand gegen die Macht der Kirche genannt sowie sein Wunsch, in der Sprache des Volkes zu schreiben, wie das etwas Bert Brecht in seinem Drama nahelegt. Wahrscheinlich ist das aber nicht ganz richtig, denn die wenigsten Menschen konnten damals lesen. Wichtiger war wohl, dass sein Publikum - also reiche Kaufleute und Adelige - meist nur schlecht Latein konnten.

STANDARD: Wie reagierten die anderen Wissenschafter des 17. Jahrhunderts?

Gordin: Sie schlossen sich der Abkehr von Latein an, die über Kontinentaleuropa auch England erreichte. Descartes schrieb auf Latein und Französisch, Newton verfasste die Principia mathematica 1687 noch auf Latein, sein zweites Hauptwerk Opticks 1704 hingegen schon auf Englisch. Das hatte vor allem mit einer Veränderung des Publikums zu tun: Man wollte nicht mehr nur mit anderen Gelehrten in fernen Städten kommunizieren, sondern auch mit jenen in der eigenen Umgebung.

STANDARD: Welche Folgen hatte die Rückbesinnung auf die eigene Sprache?

Gordin: Am Beginn des 18. Jahrhundert schrieben Wissenschafter in Europa auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Schwedisch und Niederländisch, einige wenige auf Spanisch. Gegen 1850 sind die kleinen Sprachen inklusive Latein verschwunden, und es bleiben als Kompromiss Deutsch, Französisch und Englisch als die drei Sprachen der Wissenschaft in Europa übrig.

STANDARD: Was ist mit Russisch?

Gordin: Gute Frage. Russland war der größte Staat mit einer wachsenden Zahl von Wissenschaftern. Die schrieben zuerst auf Deutsch und Latein, ab etwa 1870 aber auf Russisch. Ihre Arbeiten waren so wichtig, dass man sie im Westen nicht ignorieren konnte, was ihre Kollegen dort etwas nervös machte. Denn was würde passieren, wenn auch die Forscher in Japan, in Ungarn oder in Portugal in ihrer jeweiligen Sprache zu publizieren begännen? Eine unmögliche Sprachenvielfalt wäre die logische Folge, und Wissenschafter wären vor allem mit dem Erlernen von Fremdsprachen beschäftigt. 

STANDARD: Wie wollte man dem entgehen?

Gordin: Es gab damals ernsthafte Überlegungen, sich gemeinsam auf eine einzige Wissenschaftssprache zu einigen. Aber es schien ausgeschlossen, dass das Deutsch, Französisch oder Englisch sein könnte - wegen der Widerstände der jeweils beiden anderen Sprachenvertreter. Eine andere Option war die Wiederbelebung von Latein oder Griechisch. Die galten aber als zu schwierig, und außerdem hätte man für all die neuen wissenschaftlichen Begriffe neue lateinische oder griechische Ausdrücke erfinden müssen. Es gab da aber noch eine dritte Alternative, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ernsthaft diskutiert wurde.

STANDARD: Was meinen sie damit?

Gordin: Kunstsprachen wie Volapük oder Esperanto, die damals neu erfunden wurden. Man dachte dass die erstens leichter wären und zweitens gerechter, weil sie alle Wissenschafter lernen mussten. Das scheiterte aus mehr oder weniger zufälligen Gründen: Zum einen, weil mit Ido, einer Weiterentwicklung von Esperanto, die Esperanto-Bewegung in zwei Lager zerfiel. Zum anderen kam der Erste Weltkrieg dazwischen - und in seinem Gefolge ein allmählicher Trend hin zum Englischen, der vielfältige Ursachen hatte.

STANDARD: Was waren die wichtigsten?

Gordin: Das hatte vor allem wirtschaftliche und politische Hintergründe. Die US-Industrie und auch die Forschung boomten in der Zwischenkriegszeit, während in Deutschland beides darniederlag. Deutschland war außerdem politisch benachteiligt: Deutsche Forscher wurden für einige Jahre von internationalen Tagungen ausgeschlossen, wo entsprechend Französisch oder Englisch gesprochen wurde. Durch den Aufstieg des Nationalsozialismus kommt es zu einer weiteren Verschiebung hin zum Englischen: Immer weniger Studenten aus den USA reisten nach Deutschland, zum anderen emigrierten viele jüdische Wissenschafter in die USA und publizieren danach natürlich auf Englisch.

STANDARD: Wie war dann die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg?

Gordin: Englisch und Russisch werden auf Kosten von Deutsch und Französisch zu den beiden wichtigsten Wissenschaftssprachen während des Kalten Kriegs. Das Verhältnis ist etwa zwei Drittel Englisch, 20 Prozent Russisch, der Rest ist Deutsch und Französisch. Das führt zu weiteren Selbstverstärkungsprozessen zugunsten von Englisch, zumal Wissenschafter in der USA viel weniger Sprachen lernen als vorher. Was aber auch zu Problemen führte.

STANDARD: Nämlich?

Gordin: 1950 wurde klar, dass 20 Prozent der Fachpublikationen in Chemie auf Russisch verfasst wurden, das aber nur einer von 1000 US-Forschern verstand. Man versuchte es zuerst mit Russischkursen, die aber nicht sehr erfolgreich waren. Dann investierte man in erste automatisierte Übersetzungsprogramme, woran auch IBM beteiligt war. 1954 machte man ein erstes Experiment mit einigen Sätzen aus einem chemischen Fachtext und hofft, dass man in fünf Jahren soweit ist. Wie wir alle wissen, funktioniert das heute mehr als ein halbes Jahrhundert später immer noch nicht.

STANDARD: Wie hat man das Problem gelöst?

Gordin: Eine Firma begann 1949, sämtliche Artikel der wichtigsten sowjetischen Chemie-Zeitschrift zu übersetzen und bot die Übersetzung zur Subskription an. Diese Übersetzungen waren ein internationaler kommerzieller Erfolg. Im Jahr 1960 wurden von dieser und anderen Firmen bereits 85 sowjetische Fachzeitschriften vollständig ins Englische übersetzt, insgesamt rund 35.000 Seiten pro Jahr. Das machte man 40 Jahre lang und war das größte und teuerste Übersetzungsunternehmen in der Geschichte der Wissenschaft. Es trug aber auch dazu bei, dass Englisch nur noch dominanter wurde.

STANDARD: Wir haben bisher vor allem über die Naturwissenschaften gesprochen. Auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es diesen Trend hin zum Englischen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Gordin: Ambivalent. Offensichtlich ist, dass man längst auch in diesen Fächern Publikationen auf Englisch braucht, um international sichtbar zu sein. In den skandinavischen Ländern oder den Niederlanden hat man sich daher viel früher als in Deutschland oder Österreich entschieden, auch in diesen Fächern auf Englisch zu publizieren. Darin liegt aber auch ein Spannungsverhältnis: Denn als Universitätslehrer wird man mit Steuergeld bezahlt und sollte daher auch in der jeweiligen Landessprache kommunizieren, zumal wenn es um Forschungsarbeiten über die eigene Geschichte oder soziale Fragen des eigenen Landes geht. Ich möchte mit meinem Projekt über die Sprachen der Wissenschaft jedenfalls zeigen, dass mit der Sprache auch ernste politische und ethische Fragen verbunden sind - auch wenn ich darauf nicht immer eindeutige Antworten habe.

STANDARD: Kann sich die Dominanz von Englisch wieder ändern, zumal China sich anschickt, die führende Wissenschaftsnation der Welt zu werden?

Gordin: Das ist schwer zu sagen. Geopolitische und forschungspolitische Veränderungen wie der Aufschwung Chinas können sich natürlich auch in Verschiebungen der Sprachhegemonie niederschlagen. Ich denke aber nicht, dass Englisch irgendwann einmal durch das Chinesische ersetzt werden wird. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Wissenschafter auch die bisher publizierten Texte lesen wollen. Und lange, nachdem nicht mehr auf Lateinisch geschrieben wurde, konnten die Gelehrten immer noch Latein, um die alten Texte lesen zu können.

STANDARD: Apropos Latein: Sie beherrschen etliche der Sprachen, über die wir bis jetzt geredet haben inklusive Esperanto. Im Moment lernen Sie Latein. Warum?

Gordin: Ich denke, dass es unverantwortlich wäre, an einem Projekt über Sprachen der Wissenschaft zu arbeiten, ohne Latein zu können. Man stelle sich vor: Bis 1850 mussten Dissertationen in Russland auf Lateinisch verfasst werden, auch der Mathematiker Carl Friedrich Gauß publizierte Anfang des 19. Jahrhunderts noch auf Latein. Dadurch eröffnet sich für einen Wissenschaftshistoriker eine ganz neue Welt. Außerdem wollte ich Lukrez im Original lesen. Und schließlich verstehe ich dadurch viel besser, warum um 1900 Esperanto als gemeinsame Wissenschaftssprache diskutiert wurde: Esperanto ist so viel leichter als Latein! (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 22.8.2012)


George Soros und der hoffende Doktor: Vor 125 Jahren wurde die Plansprache Esperanto erfunden

Der Milliardär George Soros gehört zu jenen rund eine Million Menschen, die Esperanto beherrschen. Doch damit nicht genug: Sogar sein Nachname ist ein Wort aus der Kunstsprache, die vor genau 125 Jahren erfunden wurde. "Soros" bedeutet so viel wie "Er wird emporsteigen". Der Nachname stammt von seinem Vater, der Ungarns bekanntester Esperanto-Aktivist war und Bücher auf Esperanto verfasste.

Der Erfinder der Kunstsprache war der polnische Augenarzt Ludwik Zamenhof, der im Sommer 1887 unter dem Pseudonym Doktoro Esperanto, zu Deutsch "Doktor Hoffender", ein erstes Lehrbuch der leicht erlernbaren Zweitsprache für alle veröffentlichte. Er wollte damit einen praktischen Beitrag zur grenzüberschreitenden Völkerverständigung leisten und fand dabei Resonanz: So setzten sich Bertha von Suttner und andere Pazifisten für die Verbreitung von Esperanto ein.

Die Plansprache ist ein Gemisch aus den gängigsten europäischen Sprachen, rund 60 Prozent basiert auf romanischen, rund 30 Prozent auf germanischen Sprachen. Seine beste Zeit hatte Esperanto in Österreich in der Zwischenkriegszeit: Radio Wien, die Post und auch die Bundesbahnen boten Kurse an. Auch der spätere Bundespräsident Franz Jonas lernte Esperanto, das von den Nazis wie auch von Stalin verboten wurde. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekam Esperanto Konkurrenz, wie Wissenschaftshistoriker Michael Gordin erzählt, der seine Facebook-Seite auf Esperanto betreibt: Der französische Mathematiker und Philosoph Louis Couturat entwickelte Esperanto weiter zu Ido.

1910 erschien ein Manifest, das Couturat mit Forschergrößen wie Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald und dem österreichischen Physiker Leopold Pfaundler verfasste und in dem Ido als internationale Sprache der Wissenschaft vorgeschlagen wurde. Die Idee scheiterte - nicht zuletzt deshalb, weil Pazifist Couturat eines der ersten zivilen Opfer des Ersten Weltkriegs wurde: Sein Auto kollidierte mit einem Armeefahrzeug.

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Im Internet ist wohl nicht Wissenschaft die Triebfeder...
Ob Sprachen überhaupt wichtig sind im Internet...
Man müsste Esperanto nur mit den richtigen Inhalten verknüpfen um eine Flächenbrandmässige Verbreitung sicher zu stellen.

Liebe Heavyweather,

ich schätze ihre Postings durchgehend!

Ich verbeiße mich und steigere mich leider viel zu oft in unwesentliche Details einer Realität, die eher mein Innenleben als die wichtigen Bedürfnisse und Prioritäten der gemeinsamen Realität widerspiegelt.

Gerade deswegen frage ich Sie:
Ist es im Moment ein allgemeines aktuelles gesellschaftliches wichtiges Ziel Esperanto mit den richtigen Inhalten zu verknüpfen?
Wenn ja, dann ist mir der Sinn und Zweck im Moment noch nicht so klar. Bitte erklären Sie mir, warum das für Sie jetzt wichtig ist!

P.S.: Als Vater bekomme ich mit, dass in den Kindersendungen im Moment das spielerische Erlernen von Englisch und Chinesisch gefördert wird.

Mich interessiert die Verbreitung eigentlich nicht. Nur ein Tip für Esperanto Sprecher.

Wissenschaft und Sprache

Was mir immer wieder auffällt bei diesen und ähnlichen Diskussionen:
der Großteil der Diskutanten meint, Wissenschaft solle entweder nur auf Englisch betrieben werden oder nur in der Muttersprache. Die Wenigsten kommen auf die Idee, dass es abhängig von der Art der Publikation – Fachpublikation, Publiktion für nationale Gesellschaften und Akademien ("Halbfachpublikationen"), Publikationen für die Öffentlichkeit, Disserationen und Habilitationen etc. – unterschiedliche Argumente pro und contra Englisch/Nichtenglisch gibt. Warum eigentlich?

Radiosendungen in Esperanto

Radio Muzaiko (täglich 24 Stunden)
http://esperanto-radio.com/?gclid=CK... zAodNA0A_A
oder http://muzaiko.info/
China Radio International (täglich 1 Stunde) http://esperanto.cri.cn/
Radio Vatikan
www.oecumene.radiovaticana.org/esp/on_demand.asp (wöchentlich 3 mal 10 Minuten)
(im Archiv) www.radio-vatikana esperanto.org/index.php
Polnisches Weltnetzradio (2mal in der Woche 30 Minuten) http://retradio.posterous.com/
Australisches Weltnetzradio (1 Stunde in der Woche)
www.3zzz.com.au oder im Archiv
http://melburno.org.au/3ZZZradio/
Radio Havanna Kuba (30 Minuten wöchentlich)
www.ameriko.org/radiokubo
Warschauer Wind (für Jungendliche)
www.podkasto.net/2009/10/1... a-elsendo/
u.a.

Man kann nicht leugnen,

dass Esperanto gemessen an den ursprünglich gesetzen Zielen sich nicht durchgesetzt hat. Das müssen auch die Esperantisten zugeben, alles andere wäre dumm.

Andererseits gibt es weltweit einige Millionen Menschen, die Esperanto trotz dieser Tatsache für attraktiv halten und es für internationale Kommunikation verwenden. Für diese Gruppe ist Esperanto eine lebende, voll funktionierende Sprache, die durch einige sehr positive Eigenschaften besticht. Was kann man dagegen haben?

In diesem Zusammenhang ist dann die Geschichte des Esperanto nicht so eindeutig als Misserfolg zu sehen. Diese Tatsache auszublenden, wäre genauso dumm.

Wie es in der Zukunft damit aussehen wird, wer kann das heute schon sagen?

Außerdem ist das Prinzip von Esparanto sehr eurozentrisch und etwa für Chinesen ist es trotz allem nicht sehr leicht zu erlernen.

Esperanto eine europäische Sprache.

Man kann sich informieren: im Internet.

http://tatoeba.org/eng/sente... ow/1469231

Mag sein. Aber auch für Chinesen ist Esperanto viel leichter zu lernen als Englisch.

In der Zeit, in der man die Formen von "to be" und die 20 wichtigsten unregelmäßigen Verben lernt, ist man bei Esperanto schon mit der gesamten Grammatik fertig.

Und wenn einem Chinesen das Vokabular europäischer Sprachen völlig unbekannt wäre, würde er bei Englisch 4mal mehr Zeit zum Vokabellernen brauchen: vermutl. 2-3mal mehr Vokabeln, und neben der Schreibung muss man auch die Aussprache auswendig lernen.

Ist doch gut ...

wenn sich Englisch pragmatisch für alle wissenschaftlichen Publikationen und zur internationalen Verständigung durchsetzt. Eigentlich ist es egal welche Sprache das ist, und jetzt ist es halt Englisch.
Wo ist das Problem?

Wenn jemand eine wissenschaftliche Publikation oder Dissertation in seiner Landessprache verfasst habe ich immer den Eindruck, die Publikation muss so schlecht sein, dass der Verfasser sich wünscht, dass sie nur ja von möglichst wenigen Leuten gelesen wird.

sehe ich anders

Es gibt viele gute Gründe, zusammenhängende und längere Arbeiten wie z.B. Dissertationen in seiner Landessprache zu schreiben, sogar in den naturwissenschaftlichen Disziplinen. Eine schlechte Dissertation wird nicht dadurch besser, dass sie in (meist sehr schlechtem) Englisch verfasst wird. Darüber hinaus gilt für eine gute Dissertation, dass viele ihrer Ergebnisse sowieso in Fachzeitschriften publiziert werden. Die eigentlichen Dissertatitionsschriften nach 1980 werden heutzutage selten gelesen (gilt für NaWi).
Kumulative Dissertationen sind ausgenommen, aber es spricht auch einiges gegen die derzeit moderne Praxis von diesen.
Für Fachpublikationen gelten wiederum ganz andere Maßstäbe, man muss da unterscheiden.

Sehe ich überhaupt nicht so ...

Von einem Akademiker der eine Dissertation verfasst sollte man eben erwarten können, dass er die gängige Publikationssprache beherrscht.
Und Dissertationen werden bei mir sehr wohl gelesen (wenn auch nicht cover-to-cover, da oft nur dort die wesentlichen Details zu finden sind und sie außerdem oft im Internet leichter zugänglich sind als die jeweiligen Kapitelpublikationen

Das mit den Details stimmt. Allerdings sollte auch eine Fachpublikation immer so geschrieben sein, dass sie reproduziert werden kann (was leider immer seltener der Fall ist). Was die Verfügbarkeit angeht, kenne ich das genau umgekehrt. Generell hätt ich mir bei vielen Dissertationen auf Englisch von einem Nichtmuttersprachler gewünscht, sie wären in seiner Muttersprache verfasst worden. Und "Sprache beherrschen" kann breit interpretiert werden. Grade in Fächern, in denen die Sprachkompetenz kein großes Thema ist, ist das oft ein Problem. Wobei ich, wie gesagt, nicht der Meinung bin, man soll sich sprachlich nicht anpassen. Aber ob ein stures Anpassen unabhängig von der Art der Publikation so sinnvoll ist, bleibt für mich fraglich

Esperanto

Ich habe 6 Jahre in der Schule Latein belernt, sprechen kann ich es nicht. Auch hat mir das Latein beim Studium (Agrarwissenschaften) nicht sehr geholfen. Esperanto habe ich später autodidaktisch gelernt. Eine neue, interessante Welt tat sich seit dem für mich auf. Auf Larein kann ich gut und gerne verzichten, auf Esperanto nicht.

'belernt'

... auch wenn mir klar ist, dass es sich hier um einen Tippfehler handelt, so plädiere ich doch für die Aufnahme dieses Wortes in das offizielle Vokabular - allerdings als Passiv-Konstruktion:
"ich wurde in der Schule mit Latein belernt"
(jedenfalls gilt das für eine ganz bestimmte Unterrichtsmethode)

und was fangen wir mit esperanto an?

nichts. weil es nur ein promille-anteil der weltbevölkerung spricht.

Nun, mir hat Esperanto schon eine gratis Stadtführung und eine Einladung zum Abendessen gebracht - und das am ersten Abend in einer mir völlig fremden Stadt durch jemanden, den ich zufällig getroffen habe und der sich sehr gefreut hat, einen Gleichgesinnten kennenzulernen.

Abgesehen von der in die zukunft gerichteten idee des esperanto haben esperantosprecher auch heute schon die möglichkeit mit menschen aus aller welt auf fairer basis zu kommunizieren. Die esperantosprecher scheinen eine sehr offene, herzliche gesellschaft zu sein. So gibt es schon seit sehr langem "pasporta servo" eine art couchsurfing register für esperantosprecher.

Esperanto

Nur Geduld, manchmal setzt sich auch das Vernünftige durch.

Mi parolas Esperanton, kaj multaj aliaj homoj ankau.

Versajne ili neniam komprenos ;)

Cu vi jam legis la artikolon de Claude Piron pri la psikologiaj reagoj al Esperanto?

Mein Problem mit Esperanto ist, dass es mich immer an Helmut Qualtinger in Der Name der Rose erinnert. Und das hat ja kein gutes Ende genommen ...

Das war Ron Perlman in der Rolle des Salvatore, nicht Qualtinger!

Sie haben natürlich Recht, das habe ich verwechselt.

alles änderbar

wenn der Wille da ist, wäre dieser Zustand recht schnell änderbar. Esperanto ist eine schnelle Sprache: jeder kann sie schnell lernen. Zudem ist sie neutral.

hätti, war i

ist aber nicht.

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