Schlimme Mädchen, böse Jungs und Cannabis

Saskia Jungnikl, Rainer Schüller
21. August 2012, 18:32
  • Unbequemer Sitzplatz? Grünen-Chefin Eva Glawischnig ließ es beim Sommergespräch mit Armin Wolf ein wenig an Körperspannung missen.
    foto: apa/orf

    Unbequemer Sitzplatz? Grünen-Chefin Eva Glawischnig ließ es beim Sommergespräch mit Armin Wolf ein wenig an Körperspannung missen.

"Zu bemüht, zu brav, zu wenig Kampfgeist": Grünen-Politiker sehen Glawischnigs Auftritt im ORF-"Sommergespräch" kritisch

Wien - 660.000 Österreicher lockte Eva Glawischnig am Montagabend vor die Bildschirme - doppelt so viel wie bei ihrem ORF-"Sommergespräch" vergangenes Jahr. Darunter auch viele ihrer grünen Parteikollegen. Deren Resümee fällt unterschiedlich aus, zeigt ein Rundruf des STANDARD.

Besser härter

"Zu bemüht und zu brav", urteilt der Tiroler Landtagsabgeordnete Gebi Mair. Glawischnig sei inhaltlich sattelfest, habe aktiv aber zu wenig Themen gesetzt: "Sie hat versucht, ein braves Schulmädchen zu sein. Dabei dürfen wir Grüne ruhig schlimme Mädchen und böse Jungs sein." Michel Reimon, Landtagsabgeordneter im Burgenland, hätte sich mehr Kampfgeist und Aggressivität gewünscht. "Es gibt bei der grünen Basis eben den Wunsch, den Wettkampf mit guten Ideen zu gewinnen und nicht mit Kampfgeist. Mir wäre es härter lieber."

Einen "erschöpften" Eindruck hat Glawischnig auf Gebi Mair gemacht: "Sie ist sympathisch und direkt gestartet, dann mit den Schultern eingefallen und hat sich mit den Händen förmlich am Tisch festgehalten", sagt er.

Mair glaubt, "die erste Erkenntnis der Zuschauer war: Wow, die ist ja ein Mensch! Die zweite: Wow, und auskennen tut sie sich nicht wirklich! Nicht sehr gut, aber menschlich."

Vor allem bei dem Thema Vermögenssteuer hätte Glawischnig nicht vehement genug den Standpunkt der Grünen vertreten, sagt Julian Schmid, Bezirksrat in Wien. Das läge am Zeitdruck. Schmid findet schade, dass kaum über die politischen Grundwerte von Glawischnig geredet wurde - obwohl sie durch "lockere Reaktionen versucht hat, Tempo aus dem Gespräch zu nehmen".

"Viel zu hektisch"

Ein Kritikpunkt, den Armin Wolf selbst anbringt. Er twitterte: "Zu schnell, vor allem in der zweiten Hälfte stellenweise - und in Summe - viel zu hektisch." Wolf habe das Gespräch zu sehr als Verhör angelegt, sagt Reimon.

"Wenn er die anderen vier Parteichefs wegen ihrer Verwicklungen in Korruptionsfälle verhören muss, kann er bei Glawischnig nicht auslassen - auch wenn es dann darum geht, ob sie mit dem Bus oder der Bahn fährt."

Der Chef des Market-Instituts, Werner Beutelmeyer, hätte Glawischnig eine "gute Note gegeben. Sie war in der Körpersprache zappelig, sonst konnte sie auf jeden Fall punkten." Ähnlich sieht das Glawischnigs Sprecher. Die Grünen-Chefin habe seit dem Gespräch 600 Facebook-Freunde mehr. Der Eindruck der Müdigkeit sei ein falscher, im Gegenteil: Glawischnig habe bewusst versucht, Tempo aus dem Gespräch zu nehmen.

Überrascht zeigte sich Ex-EU-Abgeordneter Johannes Voggenhuber von Glawischnigs Antworten zum Europäischen Stabilitätsmechanismus. "Der österreichischen Öffentlichkeit wurde peinlich verschwiegen, welche Machtposition die Grünen gehabt hätten." Zur ebenfalls besprochenen Österreich-Tour sagt Voggenhuber: "Tanzen, grillen und chillen ist nicht die Aufgabe der Politik in Zeiten der Krise."

Eines möchte Julian Schmid dann noch festhalten: "Die Grünen sind trotzdem für die Legalisierung von Cannabis", sagt er als Reaktion darauf, dass Glawischnig betont hatte, das sei kein Anliegen der Grünen mehr. (Saskia Jungnikl/Rainer Schüller, DER STANDARD, 22.8.2012)

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"Wow, und auskennen tut sie sich nicht wirklich!"

..sagt der Herr grüne Abgeordnete im Interview über seine Parteichefin.

So sieht Parteidisziplin aus. Ein paar Wochen vor der Wahl frank und frei beim Telefonrundruf die Spitzenkandiatin runterputzen.

Was immer man von Glawischnig hält -- impulsive Egomanen wie Gebi Mair muss man zuerst demontieren, wenn die Partei keine 10-Prozent-Kultbewegung bleiben will.

Glawischnig will Canabis entkriminalisieren/legalisieren, & macht Kinder dumm

http://t.co/0qY77Io1

Sind das noch Gespräche oder schon Verhöre?

Wolf in Bestform

Nach diesem Interview kann doch nur mehr ein komplett ideologisch verbrämter Grünfundamentalist diese Partei wählen.

Die Zustimmung zum ESM kann doch niemand gut heißen, der sich grünen Wähler schimpft.

Ich habe und werde nie grün (eine kleine Minderheit grüner Positionen ist ok) wählen, hätte es aber nie zu träumen gewagt, aber mir die Eva trotzdem irgendwann 1000x sympathischer und lieber ist als diese manische Griechin in Wien.

Es interessiert hier glaub ich keinen, wen sie sympathisch finden.

Dass sie hier die griechische Staatsbürgerschaft zur ihrer Argumentation verwenden, macht ihr Posting auch nicht intelligenter.

eine Folge von zu viel Cannabis Konsum

kann man nicht wählen

Sie kann´s halt nicht,

macht eh alles richtig, aber es fehlt das Charisma eines VdB. Da kann man ihr keinen Vorwurf machen (eher denen die sie zur Chefin gemacht haben).
Auf Privatwirtschaft umgelegt: Sie wäre eine hervorragende Sachbearbeiterin, das Zeugs zum Chef hat sie nicht.

Ich bin grad nicht gut auf sie zu sprechen,

aber diesmal kann sie nicht viel dafür. Wolf hat sie kaum zu Wort kommen lassen, immer wieder unterbrochen. Das war kein professionelles Interview.

Außerdem ist die Sendung zu kurz, man kann die dringendsten Themen nicht wirklich behandeln.

Wie repräsentativ FB-Freunde sind, werden wir bei den Wahlen ja sehen...
Facebook - aufgrund der persönlichen Einstellung- Relevanz abzusprechen, ist aber genau eines der vielen typisch "Grünen" Krankheits-Symptome: Von einer Minderheit auf die Allgemeinheit schließen zu wollen.
Und wie uneins die Grünen leider untereinander sind, lässt sich an den Kommentaren der Partei-Mitglieder leider ausgezeichnet ablesen.

fragen's mal den Faymann zu dem Thema ;-)

Boa wie langweilig sind die Grünen geworden. Falls ich am Wahltag aufstehe werde ich sie wohl trotzdem wählen, warum weiß ich aber schon lange nicht mehr...

Solche verantwortungslosen Wähler stellen die Politik auf den Kopf...

Keine konsistente Linie

Die Grünen waren von Anbeginn nicht konsequent, was mittlerweile auch den unbedarftesten Leuten auffällt. Abgesehen davon, daß gesellschaftspolitische Randthemen, die dem Großteil der Bevölkerun kein Anliegen waren, gegenüber ökologischen Themen in den Vordergrund gerückt wurden, erwiesen sich auch ökologische Glaubenssätze als teilweise fragwürdig. Das Schwerwiegendste war aber (und das wird wieder virulent), daß die Grünen ursprünglich gegen den EU-Beitritt waren und kurzfristig umschwenkten, weil sie sich politische Vorteile davon erwarteten. In Zeiten wie diesen fällt ihnen das natürlich auf den Kopf. Auch die Absichtserklärung, nicht mit Rot und Schwarz koalieren zu wollen, war höchst unglaubwürdig.

äh, wie hätte man nach dem eu-beitritt

noch gegen den eu-beitritt sein können ? die linie war immer "wenn wir schon drin sind, dann machen wir halt das beste draus"... oder hätten die grünen für den sofortigen wiederaustieg kämpfen sollen ?

Eigentlich sollte klar sein, was gemeint war

Natürlich waren sie vor dem Beitritt zunächst dagegen, schwenkten aber, bitte sehr, noch v o r h e r um. Das kann ja niemandem entgangen sein, außer er war damals noch zu jung dafür, das zu registrieren.

um ein sinnvolles

Gespräch zu führen, brauchts halt auch einen Interviewer, der nicht anklagend und stets mit erhobenem Zeigefinger und Richterhammer in der Hand eine Frage nach der anderen rausschießt, andauernd unterbricht, nur daran interessiert ist, seinen Fragenkatalog abzuarbeiten und auch noch ernsthaft zum Thema macht, dass Glawischnig ihre Ö-Tour nicht mit den Öffis bestreitet. Letzteres ist echt lächerlich und peinlich!

Wolf gehts leider mehr um seine Imagepflege, als um ein ernsthaftes Gespräch mit Inhalten.

bloede Fragen

gibts grundsaetzlich keine, Antworten dagegen viele...

Solange diese pseudogrüne Schwarze an der Spitze der Grünen steht,

ist diese Partei für mich keineswegs wählbar.

na geh bitte

ich hab mir das angeschaut und das interview war megapeinlich.ich denke in letzter zeit haben viele grüne eine sehr rosarote brille auf.zuerst gibt's beim esm lächerliche erkläerungsversuche und jetzt gibt's "gute" note für die armseelige performance von der guten eva.

es gab bislang kein einziges sommergespräch wo es der wolf geschafft hat sein gegenüber derart aufs glatteis zu bringen-und zwar gleich mehrere male. auf die meisten wichtigen fragen hat die gute glawi keine einzige glaubwürdige antwort hingebracht.

ein echt peinlicher höhepunkt war die geschichte mit der hp vom ollen alex - da hat man deutlich gesehen,dass sie keinen funken improvisationstalent besitzt.

nachsatz:

aufgrund der reaktionen auf dieses schauspiele ist es den grünen anscheinend gelungen in den wiener innenstadtbezirken eine kernwählerschaft zu bekommen, die ihnen alles abnimmt, egal wie sehr sie von ihrer eigentlichen linien oder ihren wahlversprechen abgehen. das wird ihnen bei den nächsten wahlen viell. 10% und ein paar zerquetschte bringen - aber mehr nicht.

als person mag ich sie

wäre sie nur keine grüüüüüüüüüüüüne :-( !
und armin wolf find ich pers. in ordnung.
das gefecht am nächsten montag wird sicher interssant - und ein zuschauerrekord, auf die sommergespräche bezogen. aber das wird nicht an den fpö-wählern liegen.

Die ist eh keine Grüne!

bravo armin wolf!
starke fragen fair gestellt!

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