Der eine oder andere "große, starke Schritt"

Mehr Geld für Doktoranden und Start-ups: Neue Initiativen des Wissenschafts- und des Infrastrukturministeriums

Kurz vor Beginn der Technologiegespräche in Alpbach hat das Wissenschaftsministerium noch frische Fördergelder aus dem Hut gezaubert, mit denen derzeit wohl niemand gerechnet hatte: Das Doktoratskolleg-Programm des Wissenschaftsfonds FWF wird um nicht weniger als 18 Millionen Euro aufgestockt. Damit sollen hundert neue Stellen für Doktoranden an österreichischen Universitäten geschaffen werden.

Seit Beginn des Programms im Jahr 2004 wurden insgesamt 90,7 Millionen Euro nach Juryentscheidungen in diese "Ausbildungszentren" investiert, derzeit sind es 32 mit einer Laufzeit von maximal zwölf Jahren. Alle vier Jahre wird evaluiert und über die Fortsetzung entschieden.

In jedem Doktoratskolleg arbeiten mehrere Wissenschafter gemeinsam mit fünf bis 20 Doktoranden nach angloamerikanischem Vorbild an einem klar definierten Forschungsprojekt. "Das kann der erste Schritt in eine wissenschaftliche Karriere sein", sagte FWF-Präsident Christoph Kratky, der die Initiative als einen "großen, starken Schritt" lobte. Immerhin handelt es sich bei den vom Ministerium zugesagten Fördermitteln um ein Zehntel des gesamten FWF-Budgets.

Das Geld für die Initiative kommt nicht vom Finanzministerium, sondern aus dem Rücklagentopf des Wissenschaftsministeriums, das die Mittel auch als Angebot an die Universitäten sieht, Dokoratsprogramme zu entwickeln, die den Uni-Schwerpunkten entsprechen. Beobachter sehen darin einen Schritt in Richtung des lange geforderten Exzellenzcluster-Programms, für dessen Start alleine allerdings zusätzlich weitere 55 Millionen Euro notwendig wären.

Der FWF, derzeit mit einem stagnierenden Budget ausgestattet, musste die Neubewilligungen des Doktoratsprogramms zuletzt reduzieren, um die steigende Zahl der Projektanträge bewältigen zu können. Nun könne man wieder mehr in diese Form der Talenteförderung investieren, sagte Kratky. Die Dokoratskollegs haben sich vor allem an der Uni Wien, an der Uni Graz, an der Med-Uni Wien und an der TU Wien etabliert.

Auch das Infrastrukturministerium hat noch schnell vor Alpbach eine neue Initiative präsentiert. "Markt.Start" soll Jungunternehmen, die aus der Forschung kommen, beim Eintritt in den Markt helfen. Dazu wird es ein Darlehen mit bis zu einer Million Euro geben. Verzinsung: ein Prozent. Eine Besicherung ist nicht notwendig. Abgewickelt wird das Programm über die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

Zu wenig Risikokapital

Aufgrund der strengen Basel-III-Kriterien erhalten Jungunternehmer derzeit wenig Bankkredite, Venture-Capital fließt offenbar auch erst, wenn die ersten Umsätze verzeichnet werden. Rund 50 Prozent aller Jungunternehmer scheitern daher bei der Markteinführung, berichtete Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Österreich sei nur an 21. Stelle im Ranking der risikokapitalfreudigen Länder, kritisierte der Ökonom. In einer Umfrage seines Instituts hätten 60 Prozent junger innovativer Firmen betont, keine ausreichenden Mittel zur Markteinführung von Innovationen zu haben. Hier zu fördern bedeute, mit relativ wenig öffentlichen Mitteln möglichst große Effekte zu erzielen, lobte Aiginger.

Das Darlehen in Höhe von maximal einer Million Euro ist nur Unternehmen zugänglich, die bereits durch das Infrastruktur ministerium und die FFG in ihrer Forschungsarbeit unterstützt wurden. Die Laufzeit beträgt maximal acht Jahre. Die Verzinsung bleibt während der gesamten Zeit bei einem Prozent. In der FFG sieht man ein Potenzial von rund 100 Unternehmen, die für die neue Förderung infrage kämen, es sei davon auszugehen, dass rund 20 bis 25 davon Gebrauch machen werden. (pi/DER STANDARD, 22. 8. 2012)

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