Prozess vertagt: Das Paradies, der Goldesel und ein Raub zu wenig

Michael Möseneder, 21. August 2012, 17:47

Mordprozess gegen 27-Jährigen nach einem Formfehler vertagt

Wien - Dass ein Mordprozess gleich nach den Eröffnungsplädoyers vertagt wird, ist am Wiener Landesgericht nicht alltäglich. Am Dienstag ist das im Verfahren gegen Dridi L. aber passiert. Der Grund: Der 27-jährige Angeklagte war im Vorjahr von Frankreich nach Österreich ausgeliefert worden. Doch im Auslieferungsantrag war nur von Mord die Rede, Staatsanwalt Leopold Bien hat L. aber auch wegen Raubes vor das Geschworenengericht unter Vorsitz von Bettina Körber gebracht.

Auslieferung wegen Raubes

Die entschied, dass es ein sogenanntes Übergabeverfahren geben muss. Die Franzosen müssen quasi ex post entscheiden, ob sie J. auch wegen Raubes ausliefern.

Für Bien ist der aber immens wichtig - schließlich argumentiert er in seinem Eröffnungsvortrag, dass die Gier der Grund war, warum J. in der Nacht vom 14. auf den 15. September Elisabeth W. in ihrer Wohnung misshandelt und erdrosselt haben soll.

"Jetzt hat er die Chance gehabt, wirklich ins Paradies zu kommen", meint Bien in Anspielung auf eine Aussage des Angeklagten gegenüber einer Zeugin, wie sich das Verhältnis zwischen J. und W. gestaltet hat. Der Mann, der sich eine falsche Identität zugelegt hatte, hatte die getrennt lebende, wohlhabende Frau in ihrem Stammlokal kennengelernt. Er habe aktiv um sie gebuhlt, sagt Bien, sie habe ihn angesprochen, sagt Verteidiger Farid Rifaat.

Fix ist, dass sich das Paar rasch näherkam, sich am 14. September bei ihr getroffen hat und dort Sex hatte. Zwei Tage später fand W.s Pro-forma-Ehemann die 48-Jährige gefesselt, geknebelt und erdrosselt auf dem Bett liegen.

Nicht zuordenbare DNA-Spuren

Aufgrund der Spurenlage und Handydaten ist für die Anklage klar, dass J. der Täter ist, der danach zu einem Bekannten fuhr, ihm dort Raubbeute wie Schmuck und Laptop zeigte, ehe er sich mit dem Pass seines Mitbewohners nach Nizza absetzte.

Rifaat versucht, den Verdacht in eine andere Richtung zu lenken. Sein, nicht geständiger, Mandant wäre ja dumm gewesen, "den Goldesel zu schlachten", schließlich sei die Frau großzügig gewesen. Nicht nur ihm, sondern auch der Belegschaft ihres Stammlokals gegenüber. Was die ja wohl als Gefährdung ihrer Pfründe sehen musste - und, da sich einige nicht zuordenbare DNA-Spuren in der Wohnung fanden, es somit andere Täter geben müsse. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 22.8.2012)

"Dridi L."

Ich fürchte, Dridi ist der Nachnahme.

Und wer ist eigentlich der J. ab dem zweiten Absatz?

Der "Pro-forma-Ehemann" ist auch nicht schlecht.

"Rifaat versucht, den Verdacht in eine andere Richtung zu lenken. Sein, nicht geständiger, Mandant wäre ja dumm gewesen, "den Goldesel zu schlachten", schließlich sei die Frau großzügig gewesen."

Anwalt war schon immer mein Traumberuf.

Ja, das ist ein besonders unappetitliches Argument.

Anwälte sind ja sehr erfindungsreich...

.....aber hoffentlich nicht erfolgreich...

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