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Der drahtige Mann rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her, er will zur Sache kommen. Neben ihm sitzt Rupert Murdoch und schwadroniert, als habe er alle Zeit dieser Welt und die Bühne allein für sich. Als der greise Medienmogul endlich fertig ist, hält sich Michael Bloomberg nicht lange bei der Vorrede auf. "In den nächsten vier Jahren werden 48.000 Amerikaner durch Schusswaffen getötet werden", zitiert er traurige, aber realistische Prognosen, die Miene unbewegt, geschäftsmäßig im Ton. "Und keiner der Präsidentschaftskandidaten ist gewillt, zu dem Thema ein paar couragierte Worte zu sagen."
Ob Barack Obama oder Mitt Romney: Beide hätten sie eine Heidenangst vor der NRA, der National Rifle Association, kritisiert der Bürgermeister New Yorks. Dabei gebe es kein einziges Vernunftargument gegen strengere Waffengesetze, so Bloomberg.
Der Unternehmerverband New England Council in Boston, hat den vielleicht schnörkellosesten Redner der US-Politik eingeladen. Tags zuvor war er in Chicago, um kurz und prägnant eine Einwanderungsreform anzumahnen, die zwölf Millionen "Illegale" aus der rechtlichen Grauzone holen soll. Die USA bräuchten Zuzügler, so sei es immer gewesen, stellt Bloomberg klar, bis 9/11 alte Wahrheiten durch billige Angstparolen ersetzte.
Man merkt, wie den 70-Jährigen die Ungeduld packt angesichts immer tieferer Parteiengräben, die vernünftige Sachpolitik kaum noch möglich machen. "45 Prozent wählen von vornherein republikanisch, selbst wenn der Spitzenkandidat Trotzki hieße. Und die anderen 45 Prozent würden auch dann demokratisch stimmen, wenn anstelle Obamas Sarah Palin ins Rennen ginge."
Unabhängiger "Mayor Mike"
Bloomberg spricht zu schnell, verschluckt ganze Silben, schneidet anderen das Wort ab und reiht im Stile eines Statistikers Zahlen aneinander, statt hier und da Metaphern einzustreuen. Ein Volksredner ist nicht verlorengegangen an "Mayor Mike". Dennoch gehört seine Stimme zu den profiliertesten der aktuellen Debatte, die Stimme eines Unabhängigen, der sich weder dem demokratischen Blau noch dem republikanischen Rot zuordnen lässt. Seine Geschäftsidee, Finanzinformationen schneller und kompakter anzubieten als die Konkurrenz, hat ihn zum mehrfachen Milliardär werden lassen.
Seit fast elf Jahren residiert Bloomberg, der Nachfolger Rudy Giulianis, in der City Hall in Manhattan. Er hat Rauchverbote durchgesetzt und will im Kampf gegen die Kalorien in Kinos, Restaurants und Fast-Food-Ketten den Verkauf von Getränken in Bechern mit mehr als 16 Unzen (rund 0,5 Liter) verbieten.
Als im Sommer 2010 bekanntwurde, dass nicht weit vom Ground Zero, der Grube der eingestürzten Zwillingstürme, eine Moschee gebaut werden soll, sagte Bloomberg trotz einer Welle wütender Proteste ohne Wenn und Aber Ja dazu: "Wir würden alle unsere Werte verraten, würden wir Muslime anders behandeln als jeden anderen." Der Präsident hielt sich bedeckt, der Bürgermeister bekannte Farbe - damals feierte ihn das liberale, tolerante Amerika als seinen Helden.
Und nun: Bastelt er vielleicht doch an einer Kandidatur fürs Oval Office? Bereits 2008 hatten heftige Spekulationen die Runde gemacht, dann bewarb sich Bloomberg um eine dritte Amtszeit in der City Hall. Dort residiert er noch rund 500 Tage, danach ist endgültig Schluss.
Aber 2016? Mancher orakelt bereits von einem Gespann Hillary Clinton / Michael Bloomberg. Was keiner der beiden auch nur mit einem Wort kommentiert. (Frank Herrmann, DER STANDARD Printausgabe, 22.8.2012)
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