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Auf wie abseits der Bühne gibt Ben Becker gern einmal ein bisserl den bösen Klaus Kinski. Gut, Becker mag seine wilden Punk-Zeiten auch schon hinter sich haben, und der öffentlichen Skandalnudel Kinski kann man in puncto Unberechenbarkeit, Provokationspotenzial oder Klatschspaltenauftritten ohnehin nicht so leicht das Wasser reichen. Dafür aber gelingt es Becker, Kinskis Gedichtsammlung "Fieber - Tagebuch eines Aussätzigen" kongenial zu interpretieren. Auch das weitere Rezitations- bzw. Hörbuchrepertoire des Salzburger Jedermann-Tods ist Kinski-kompatibel: Rilke, Jack Londons "Der Seewolf", Alfred Döblins "Berlin - Alexanderplatz" und "Die Bibel".
Von der ist es via Abstecher in die Hölle nicht mehr weit bis zur mythologischen Unterwelt. Das Reich der Toten inspirierte schon immer die Fantasie der Lebenden. Über einen besonders streng bewachten Zugang gelangten die Verstorbenen an diesen Ort, Parteienverkehr war aber nur in einer Richtung möglich - nach dem Motto: immer hereinspaziert, Ausgang gibt es dann keinen mehr. In der griechischen Mythologie drangen allerdings immer wieder einmal Helden wie Odysseus, Herakles, Orpheus, Theseus oder Aeneas ins Reich der Schatten vor, um mit den Verblichenen ein Plauscherl zu halten oder sie doch wieder auf die Erde zurückzuholen. Selbst der Gott der Unterwelt, Hades, musste seiner Frau Persephone zeitweilig die Rückkehr gestatten. Diese Auffassung mündete in der Jenseits- und Höllenvorstellung des christlichen Abendlandes. Jonas, Christus in der Vorhölle oder das Jüngste Gericht sind - wie Dantes "Göttliche Komödie - Spiegelbilder antiker Traditionen".
Anlässlich der Schau "Einmal Unterwelt und zurück. Die Erfindung des Jenseits" in der Residenzgalerie (bis 4. 11.) liest heute Becker auf Einladung des Literaturhauses Prosa und Poesie der Schattenreiche und Abgründe aus verschiedenen Jahrhunderten. Wer weiß, vielleicht bringt der "Summer Of Rebels"-Präsentator ja auch Texte zur eher irdischen Unterwelt - Tod und Outlaw, das passt doch gut zusammen. (dog, DER STANDARD, 22.8.2012)
Residenzgalerie, Salzburg, 0662/84 04 51, 19.30
Ausstellung: 10.00-17.00
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