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vergrößern 673x800"free pussy riot.org" (2012) von David Ter-Oganyan.
Wien - Es ist ein wenig so, als hätte man sich weit vor Mitternacht in einen Club verirrt: Zum Sehkonzert aus rasch wechselnden Visuals wummert treibender Dubstep aus den Boxen. Eine einsame Party im Untergrund des Mumok, die dem einzigen Gast das Kniewippen verleidet. Verweilen, betrachten und lauschen erscheinen in dieser Soundkulisse aber genauso befremdlich.
Nachvollziehbar wird die dynamische Installation aus Zeichnungen des 31-jährigen Moskauer Künstlers David Ter-Oganya vor dem Hintergrund seiner aktionistisch-aktivistischen Praxis, die in Russland immer auch eine politische ist. Im Vergleich zum älteren Kollegen des Moskauer Aktivismus, Anatoli Osmolowski (geb. 1969), der einen revolutionären Kampf mit Mitteln der Kunst predigt, vertritt David Ter-Oganyan eher das Prinzip einer autonomen Kunst. Er beruft sich auf die berühmte Formel Godards, man müsse nicht politische Kunst produzieren, sondern die Kunst politisch machen.
In der dem Gewinner des Henkel Art Award 2011 gewidmeten Ausstellung im Mumok sieht man Zeichnungen rotbeflaggter Panzer, barbusiger Revolutionärinnen, brennender Schiffe und von der Exekutive verknüppelter Demonstranten im wilden Wechsel mit Bildern des Urbanen, von herumstehendem Szenevolk und weiblichen Akten - beim Rauchen nach dem Akt.
Seine tagebuchartigen Sequenzen bestehen aus nicht viel mehr als Silhouetten: die aus wenigen charakteristischen Strichen skizzierten Figuren und Objekte, die in ihrem Minimalismus zu Zeichen werden. Ter-Oganyan fertigt sie am Computer mit kinderleichten Malprogrammen, die per Fingertipp am Touchscreen Strichstärke und Farbcode wechseln. Eine in ihrer Einfachheit subversive künstlerische Geste. Auch vor der abstrakten Sprache der russischen Avantgarde macht er nicht halt: Malewitschs schwarze Quadrate werden angeknabbert oder mithilfe suprematistischen Vokabulars Pläne terroristischer Aktionen nachcollagiert.
Ter-Oganyan glaubt an die Notwendigkeit kollektiven Agierens. Ein Ausdruck dieser Überzeugung ist das Katalogcover seiner Ausstellung, das seine Sympathie für die Moskauer Punkrock-Aktivistinnen ausdrückt. Aktivität täte auch seiner in musealer Würde erstickten Schau im Mumok gut. Die irritierende Inszenierung schreit nach (Finissage-)Party: Tanz den Widerstand! (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 22.8.2012)
Bis 2.9.
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