Migration ist Teil der Heimat

Das Festival "Der neue Heimatfilm" wird 25 Jahre alt

Freistadt - Schräge Heimat, Heimat als Kontrapunkt zu dumpfen Nationalismen, Heimat als Falle: im Rahmen des Festivals Der neue Heimatfilm im oberösterreichischen Freistadt werden seit 1988 etliche Spiel- und Lesarten des Begriffs Heimat auf die Leinwand gebracht und diskutiert. Hier bietet dem urbanen Massenphänomen Kino ein adäquates Gegenstück am Land Paroli, hier war und ist es auch eine der Zielsetzungen, die Definitionshoheit des Begriffs Heimat nicht den politisch Rechten zu überlassen. Auch wenn sich die filmischen Sichtweisen naturgemäß verändert haben.

1988 - das war schließlich auch ein Jahr vor 1989, in dem Grenzen ausradiert und neu gezogen wurden. Und so sind heute eigentlich die Migrationsthemen jene, die den Begriff Heimat auch in seiner filmischen Ausformung am stärksten prägen, bemerkt Festivaldirektor Wolfgang Steininger.

Fernsehjournalist Ed Moschitz etwa begleitet in "Mama Illegal" drei Frauen aus Moldawien, die als Putz- oder Pflegehilfen in Westeuropa arbeiten und sich dadurch ihren Familien zu Hause immer mehr entfremden. Generell liegt das Augenmerk seit Jahren auch auf osteuropäischen Inhalten und Filmen. Tschechien etwa ist mit "Poupata" von Zdenek Jirasky vertreten. Sein Sozialdrama ist einer der beiden Eröffnungsfilme heute, Mittwochabend. Der zweite stammt von Markus Imhoof. Mit "More than Honey" widmet sich der Schweizer dem Thema Bienensterben.

Der intensive, traditionelle Italien-Schwerpunkt beleuchtet heuer das Piemont, wo regionale Fördermaßnahmen auch gesellschaftskritische Filme ermöglichen. Die Werkschau ist den Zwillingsbrüdern Gianluca und Massimiliano De Serio aus Turin gewidmet. Zu sehen ist das gesamte Spektrum ihres Schaffens: Dokumentarfilme, Kurzfilme und mit dem Wettbewerbsbeitrag "Sette opere di misericordia" ein Spielfilm. Auch wenn europäische Filme die 40 Filmbeiträge dominieren, das Festival ist ein weltweites, außer Australien ist jeder Kontinent 2012 vertreten.

Soweit in die Zukunft hätte 1988 niemand zu blicken gewagt, meint Wolfgang Steininger. Und in der Tat ist es bemerkenswert, wie sich ein kleines Festival, das nichtkommerzielle Filme zeigt, so gut etablieren konnte. Die Frage nach dem Feiern allerdings - immerhin ist es Festival Nummer 25 - verneint Wolfgang Steininger. Gut möglich aber, dass im nächsten Jahr im Rahmen der Landesausstellung ein 25-jähriger Geburtstag begangen wird. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 22.8.2012)

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