ReDigi verkauft "gebrauchte" Downloads, Musikbranche klagt

21. August 2012, 15:24
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Musikindustrie bezeichnet Unternehmen als "Clearinghouse für Urheberrechtsverletzungen" und klagt

Das heikle Feld des Copyrights im Internet wird von einem US-Start-up mit einer ungewöhnlichen Idee aufgemischt. ReDigi ist der Meinung, dass Nutzer "gebrauchte" Musik-Downloads wie alte CDs oder Schallplatten weiterverkaufen dürfen. In der Musikindustrie sieht man das anders und klagt das Unternehmen nun, wie die Technology Review berichtet.

Original-Datei wird gelöscht

ReDigi verlangt etwa für einen "gebrauchten" Download von Adeles "Someone like you" 0,59 US-Dollar, während das Lied in Apples iTunes Store 1,29 Dollar kostet. Die Anbieter würden bei jedem Upload durch einen Nutzer prüfen, ob es sich um eine legal erworbene Download-Datei handle und nicht einfach von einer CD kopiert wurde. Dazu würde forensische Software eingesetzt, um die Quelle der Datei zurückzuverfolgen. Ist das Musikfile in Ordnung, würde die Datei auf dem Rechner und damit synchronisierten Geräten der Nutzer gelöscht und die Originaldatei mit einer digitalen Signatur versehen.

Nicht an zwei Speicherorten

Eine eigentlich für Online-Banking entwickelte Software soll wie bei digitaler Während sicherstellen, dass eine Datei nicht gleichzeitig an zwei Orten abgelegt werden kann. Wird ein Musikstück bei ReDigi wieder verkauft, werde es von den Servern des Unternehmens gelöscht. Wie im Second-Hand-Geschäft kann es also sein, dass ein Musikstück dann nicht mehr verfügbar ist.

Künstler beteiligt

Derzeit bietet ReDigi nur "Second-Hand"-Musik aus dem iTunes Store an. Musiker erhalten laut Bericht einen Abschlag des Verkaufspreises, ReDigi behält sich eine Provision. Der Rest gehe an den Verkäufer. Bei traditionellen Plattengeschäften mit Second-Hand-Verkauf oder Second-Hand-Börsen werden die Künstler nicht mehr beteiligt.
Original-Werk weiterverkaufen

ReDigi argumentiert, dass es nach US-Recht möglich ist ein Original-Werk weiterzuverkaufen. Wer für einen Download gezahlt habe, sollte ihn auch weiterverkaufen dürfen. "Wenn Sie es hingegen gestohlen haben, sollten Sie es nicht weiterverkaufen können. So einfach ist das", erklärt ReDigi-CTO Larry Rudolph.

Musikindustrie klagt

Der Verband der US-Musikindustrie RIAA ebenso wie Capitol Records sehen den Sachverhalt jedoch anders gelagert. Das Konzept eines Second-Hand-Plattengeschäfts könne ihrer Meinung nach nicht auf Downloads umgelegt werden, da die Plattengeschäfte keine Kopien verkaufen würden. Beim Upload auf die Server werde aber eine solche Kopie angefertigt. Das zu EMI gehörende Label hat eine Klage eingebracht, die RIAA eine Unterlassungsaufforderung geschickt. Sie sehen in dem Unternehmen ein "Clearinghouse für Urheberrechtsverletzungen".

Prozess im Herbst

Der Prozess soll im Oktober beginnen sein. Dabei soll erörtert werden, ob der Kopiervorgang der Musikdateien vom Rechner der Nutzer auf die Server von ReDigi schon eine Urheberrechtsverletzung darstellen, selbst wenn die Datei am Computer nachher gelöscht wird.

Richtungsweisendes Urteil

Experten sehen für ReDigi dabei durchaus Erfolgschancen. Das Urteil dürfte zudem richtungsweisend für die Branche sein. Auch Google habe eine Stellungnahme abgeben wollen, was der zuständige Richter jedoch abgelehnt habe. Dabei dürfte es dem Konzern wohl weniger um das Geschäftsmodell von ReDigi gehen, sondern um eine endgültige Klärung der Eigentumsverhältnisse digitaler Dateien. (red, derStandard.at, 21.8.2012)

  • ReDigi will Musik-Downloads wie Second-Hand-Schallplatten verkaufen dürfen.
    foto: standard

    ReDigi will Musik-Downloads wie Second-Hand-Schallplatten verkaufen dürfen.

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