USA: Erster Vormarsch der "Apps auf Krankenschein"

  • Apps auf Krankenschein? Für Experten und Ärzte durchaus vorstellbar. Jetzt müssen nur noch Krankenkassen und Versicherungen mitspielen
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    Apps auf Krankenschein? Für Experten und Ärzte durchaus vorstellbar. Jetzt müssen nur noch Krankenkassen und Versicherungen mitspielen

Medizinische Apps sollen von Ärzten verschrieben werden können - Zwei Versicherungen zahlen bereits

Gesundheits-Apps wie "MySugr" versuchen sich momentan als Hilfsstellungen für Kranke zu etablieren. In manchen Ländern werden Gesundheits-Apps, die den Verlauf einer Krankheit dokumentieren oder an die Einnahme von Medikamenten erinnern, bereits von den Krankenkassen finanziert.

Umdenken notwendig

In der Gesundheitsbranche wird schon seit einiger Zeit über die "rezeptpflichtigen" Apps diskutiert, so die New York Times. Viele sehen sogar darin den Antrieb, der Entwickler erst zur Entwicklung solcher Apps ankurbeln könnte. Dazu bräuchte es aber ein Umdenken, was die Vorstellung eines Rezepts angeht, so Lee H. Perlman, Mitarbeiter der New Yorker Spitalsvereinigung. "Genauso wie Apps sind auch Tabletten eine Art von Information", so Perlman.

Wenn der Arzt automatisch Daten bekommt

Das Anwenden von Apps, die den Gesundheitszustand dokumentieren, könnte das Gesundheitssystem auf Dauer finanziell massiv entlasten. Die Apps müssen aber qualitativ hochwertig und sicher sein. Ein Unternehmen namens WellDoc hat den ersten Schritt in diese Richtung gemacht: Ein "DiabetesManager" als plattformübergreifende Anwendung, die Informationen über das Essverhalten, den Blutzuckerspiegel und Medikamente sammelt. Die App gibt dem Patienten Ratschläge für bessere Ernährungsalternativen und schickt Daten an den Arzt.

Apps als medizinisches Tool

Der Blutzuckerspiegel der Patienten ist in einer klinischen Studie dank dem "DiabetesManager" nachweislich gesunken. Dieses Resultat hat die US-amerikanische Ernährungs- und Arzneibehörde dazu veranlasst, das System als medizinisches Tool anzuerkennen. Bereits zwei Versicherungen haben zugesichert den Patienten das System zu bezahlen, sofern der Arzt dies empfiehlt. Auch die Entwickler von "DiabetesManager" haben früh erkannt, dass es nicht reicht, eine Gesundheits-App für ein paar Cent in den AppStore zu stellen. "Vielmehr muss man daraus ein hochwertiges System machen", so Anand Iyer von WellDoc in der New York Times.

Richtlinien für medizinische Apps

Die Regulierungsprozesse bezüglich medizinischer Apps sind noch nicht genau definiert. Guidelines sollen allerdings noch Ende des Jahres in den USA kommen. Darin wird vermutlich auch die Möglichkeit der Übertragung der Daten von einem System auf das andere kommen, sodass Patienten nicht nur auf ein Betriebssystem angewiesen sind. Zugelassen werden zu dem Programm sollen nur jene Apps, die als Gerät für den medizinisch-diagnostischen Entscheidungsprozess sinnvoll sind. Für die Mediziner des MIT Media Labs gibt es allerdings noch zu wenig Apps, die es wert wären, verschrieben zu werden. Auf jeden Fall sind sich alle Parteien sicher, dass man sich in den nächsten Monaten verstärkt damit auseinandersetzen muss. (red, derStandard.at, 21.8.2012)

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