"Damit der Werbenachwuchs gieriger wird"

24. August 2012, 11:45

Null Edelmetall bei den Olympischen Spielen, Flaute beim Werbefestival in Cannes. Das gibt Amir Kassaei, Weltkreativchef des Werberiesen DDB, und DDFG-Boss Marco de Felice zu denken, wie Österreich gewinnen kann

de Felice: Aber wer soll ihnen das beibringen? Die Ausbildungsstätten oder die Agenturen? Wem könnte man diese Aufgabe zutrauen?

Kassaei: Beiden. Aber einerseits sind die Schulen, die Universitäten zu weit weg von der Praxis, von dem was tatsächlich passiert. Du erlernst zwar Grundlagen, aber die bringen dir im täglichen Agenturleben nur bedingt etwas. 

de Felice: Von den Jungen wollen viele zum Beispiel zur Miami Ad School. Aber bei uns, im Sozialstaat Österreich, ist es ja so, dass Bildung nichts kosten darf. Auswirkung: Bei uns lehren - vorsichtig ausgedrückt - Menschen, die im Job keinen Platz mehr haben, aber dafür Zeit.

Anderswo unterstützt die Industrie und Wirtschaft die besten Universitäten und Ausbildungsstätten, damit sie die tollsten Professoren bekommen und damit die besten Absolventen. Das haben wir in Österreich definitiv nicht. Hier gibt es viele Fachhochschulen mit namenlosen Unterrichtenden.

Kassaei: Ja, das ist ein Problem. Aber bei der Miami Ad School würde ich auch ein dickes Fragezeichen machen. Da bezweifle ich, dass den jungen Leuten das Richtige gelehrt wird. Ich glaube, man bringt denen bei, Zombiekreationen sehr schnell zu produzieren. Wenn du dir diese Miami Ad School-Absolventen ansiehst, die sind zwar im ersten und zweiten Jahr, was Preise anbelangt, erfolgreich, aber dann versagen sie bei realen Briefings. 

Das Problem Nachwuchs muss man anders angehen. Das muss nach einem Leistungs- und Eliteprinzip angelegt sein. Da müssen wir von der Branche uns darum kümmern.

de Felice: Elite ist in Österreich ein gefährliches Wort. In unserem Sozialstaat wird das sofort als Klassengesellschaft und pfui angesehen.

Kassaei: Elite meine ich in dem Sinne: Die Besten der Branche unterrichten die besten Talente im Sinne der Gemeinschaft. Das ist auch sozial.

De Felice: Im jetzigen System jammern nach Cannes Agenturchefs, die dort in Jurys sitzen, und Kreative, die sich hinter ihren Trottelnamen in Postings verstecken, und hauen gemeinsam auf unsere Branche hin. Das ist das perverse österreichische Modell.

Kassaei: Das ist der eine Teil. Der andere, gravierendste Teil ist: Wir sitzen in entscheidenden Positionen von Agenturen und machen nicht genug und nicht das Richtige für die Jugend. Viele leben nicht das Beispiel vor, sind nicht das Vorbild, damit junge Leute Orientierung und Perspektive haben, was es bedeutet, ein Kreativer zu sein.

Denn in vielen Agenturen herrscht das Zweiersystem: Scheiß auf die Briefings der normalen Kunden, die werkeln wir ab, da sagen wir auch nie nein, das machen wir genau so. Und dann hast du noch deine Spielwiese für Zombiekreationen, die du dann einreichen kannst, damit du Preise gewinnst. Und das leben wir den Jungen vor. Das müssen wir auch ändern. 

Ich glaube aber auch, dass wir die bestehenden Nachwuchsinstitutionen in Österreich - und nicht nur in Österreich - überdenken müssen.

Die gesamte Branche muss sich fragen: Wollen wir ernst genommen werden, wollen wir das, was wir machen, ernst nehmen? Weil, wenn wir das nicht tun, dann haben wir auch keine Reputation mehr bei Kunden.

Denn wie behandeln Kunden ihre Agenturen mittlerweile? Wie ein Stück Dreck, wie einen Fußabstreifer. Wir sind ja mittlerweile Dienstleister. Wenige Agenturen - ihr gehört da dazu - werden als Partner wahrgenommen. Alle anderen sind Arschlöcher und gehen hinten durch den Lieferanteneingang hinein und wieder hinaus. 

Das haben wir uns auch selbst zuzuschreiben. Ein Herr Koblinger rühmt sich, seit 30, 40 Jahren in Österreich zu der führenden Riege der Werbemanager zu gehören. Er ist in einer Titan-Jury in Cannes gesessen, und gibt nicht weiter, was essenziell ist. Er sagt: Wir kriegen es nicht hin, weil die Kunden zu blöd sind. Das finde ich fahrlässig und kriminell.

de Felice: Koblinger lebt offensichtlich das klassische internationale Teufelswerk. Er kann ja anscheinend nicht frei entscheiden, zu Kunden nein zu sagen. In Österreich verschwinden immer mehr internationale Agenturen, andere verlieren ihre Bedeutung. Als ich angefangen habe, wurden die großen internationalen Networks bewundert.

Österreichische Kunden schauen zurecht nur auf ihren Markt. Eine Kampagne wie "Weg mit dem Speck" oder der "Hausverstand" würde bei einem japanischen Juroren nie ein Häferl reißen, weil er den Wortwitz nicht versteht. Und schon wird das abgefiltert. Unsere Jungen werden trainiert drauf, dass sie möglichst Kreation erzeugen ...

Kassaei: ... die jeder versteht. Nein, anders und noch viel schlimmer. Stell dir vor, VW wäre ein Unternehmen, das den Ruf hätte: 99 Prozent aller Produkte kommen nie aus dem Stadium des Prototypen heraus. Und die Serienfahrzeuge sind im Vergleich dazu beschissen.

Was glaubst du, wie lange es VW geben würde? Das ist das Perverse, was unsere Branche, unsere jungen Leute zur Zeit machen.

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"Advertising agencies are keen to demonstrate the returns they create for their customers. These estimates of additional sales generated allowed us to calculate the share of overconsumption attributable to advertising, and then the damage that causes. We found that for every £1 of value created by an advertising executive, £11.50 is destroyed."

Ein Auszug aus der sehr lesenswerten Untersuchung des wahren Wertes verschiedener Berufsgruppen:

http://www.neweconomics.org/publicati... s/bit-rich

mein gott

zwei werbekasperl im pyjama beim frühstück.
ein zerrbild des grauens.

Who´s´bad ?

man muss einfach einmal die publizistische produktion von werbern mit der von designern vergleichen. am besten die produktion der letzten 30 Jahre. Dann erkennt man sofort, wer hier mit einem bildungsgrad von voll unter 25° unterwegs ist. Entsprechend sehen die geistigen Ergüsse dann auch aus, die die testosterongeblähten herren national- oder superworldwidewerber für die "menschen" da draußen, bzw. die "fische", denen ihr Wurm schmecken soll, bzw. die Kunden, die ja per se null Bildung haben, fabrizieren. Allerdings: Wer das geld hat, hat die macht, und die macht werberischer bildungslosigkeit müssen wir in jedem der täglich auf ca. 4500 geschätzten werbekontakte spüren. früher hieß das "geistige Umweltverschmutzung". heute zappt man weg.

Einfach

ignorieren. Das geile an DDFG ist, dass sie weder einreichen, noch internationale Kreative einstellen. Ein wenig Flair von Amir:-) Heimischen Fisch essen und sich als weltgereisten Gourmet ausgeben...

Kreative - oder die Ladenschwengel als Verführer

Das alte Lied. Es wurde vor 30 Jahren schon gesungen. Und 2040 wird man es auch noch singen. Nur: So eitel wie heute war die Branche vor Zeiten nicht. Die Kreativen wußten, was sie waren: Ladenschwengel in der Rolle von Verführen; auf der Reputationsskala dümpelten sie ganz unten herum, nach ihnen kam nur noch der Gebrauchtwagenhändler. Damals war so ziemlich allen in der Branche klar, was Kreative eigentlich sind: Nutten, die für Geld so ziemlich jeden Wunsch erfüllen. Weshalb der Unterschied zwischen Top-Kreativen und dem Branchendurchschnitt ungefähr dem zwischen einer Edelhure und einer Strichmieze entspricht. Und der Kunde? Der war auch schon fantasievoller. Heute wollen sie alle einen Quicke - und den auch noch für ganz wenig Geld.

genau solche schaumschläger wie die beiden sind für das schlechte image der branche in der öffentlichkeit, die miesen gehälter für den nachwuchs und das niedrige niveau der heimischen kreation verantwortlich.

Interessant auch der Blick auf das Scrotum von Herrn de Felice.

die jungen...

die können es schon, wenn die alten zampanos die jungen auch mal lassen würden und die ego-probleme, die die branche dominieren endlich mal kollektiv verabschiedet würden. profiliert´s euch über ideen und nicht über grabenkämpfe und neidereien und öffnet euch neuen horizonten und nicht dem gären im eigenen saft. punkt.

Tja …

… habe mich das letzte mal vor zwei Jahren als Designer in einer Agentur vorgestellt. Als ich im Vorstellungsgespräch an den Punkt der Gehaltsvorstellung kam und dabei meine 20jährige Erfahrung ins Feld führte, sowie die sehr umfangreuiche Fachausbildung (Typografie, Retusche, Produktion und Drucktechnik), antwortete der Agenturchef mit den Worten:" Aber Herr XXX, ich bezahle sie doch nicht für ihr Alter! Danach stellte er mir das gleiche Salär in Aussicht wie den frischgefangenen 18 bis 20-Jährigen, die seine Agentur bevölkerten.

Ich habe die Konsequenzen daraus gezogen und einen neuen Beruf erlernt, den ich nun auch ausübe.

Es gibt ja ein Leben nach der Werbung......

und es ist so wunderbar!! :-)

Das interessanteste am Schluss.

"Wir haben auch die richtigen Schritte gemacht. Aber wir haben uns von dieser Marschroute weg bewegt. Es steht mir nicht zu, das operativ jetzt zu beurteilen. Ich finde aber, es ist nicht das, was wir eigentlich wollten in Österreich."

Mit vollen Hosen ist gut stinken!

Unsympathisch diese Selbstdarstellung.

...

es gibt einen guten grund, warum die jungen nicht mehr "gierig" sind:
das "in der werbung sein" hat seinen status als super-begehrlich längst verloren

vorbei sind die zeiten, da man sich als kreativer im kreise einiger weniger insider wähnen durfte, die schnell viel geld verdienen und dabei auch noch spass haben können.

jeder untalentierte apple-besitzer kann heute ein druck-pdf verschicken oder selbst gedrehte spots schneiden. alles muss für immer weniger geld, dafür aber mittels umso mehr unbezahlten überstunden möglich gemacht werden.

und wofür? dafür, dass sich ein paar wenige am geistigen eigentum ihrer immer öfter ausgebrannten mitarbeiter bereichern und in der finca auf mallorca weilen.

ihr seid "out of touch"
das ist das problem

ist es nicht komisch, dass diese Saurier unserer Arbeit Honorare drücken.

if you pay peanuts, you get monkeys

...sagte david. und bill meinte: it's not what you say. it's what they hear.

gieriger ...

... sind in 1ster linie die agentur chefs geworden. dass sich das jungvolk bei immer mieserer bezahlung nicht mehr (unbezahlt) die nächte in der agentur um die ohren schlägt - ist wohl verständlich ...

Die beiden regen sich über das "österreichische Wesen" auf

...und sind selbst doch ein Teil davon.
Raunzen, Schimpfen, andere schlecht machen...

Ich lese da kein Wort des Optimismus, kein positiver Gedanke - nur dunkelgraues Gesudere.

Liebe Werber, grad ihr müsst doch wissen, welche Botschaften ihr damit aussendet.

Ich bin kein Kenner der Werbebranche aber danke, dass ich jetzt auch weiß, dass alles scheiße läuft.

sie glauben doch nicht ernsthaft dass hierzulande die großen auch nur irgendwas von marketing verstehen?
die hatten einfach glück betäubende heiße luft auspusten zu können.

talent irgendwo im niergendwo

ja und dies obwohl zurzeit eh diese "mut statt wut"-kampagne rennt.

Die Instagram Bilder sind schrecklich!!!

wahrscheindlich gehört das zum personal branding dieser zwei. sind ja so hipp und cool... weiste

leider wahr!

also, ich finde die zwei haben recht. leistung und qualität sind zwei begriffe die in österreich kaum existieren. qualität misst man am selbstdefinierten standard und nicht im globalen vergleich und leistung wird definiert als: möglichst wenig aufwand für viel geld. und wenn es markiger sprüche bedarf, den punkt zu machen, dann seis drum. ganz ehrlich ich kenne leider nur ganz wenige österreicher die ich als profis in dieser branche bezeichnen würde und die international anerkannt auch arbeiten könnten/können. also liebe österreichische werbergemeinde: geht in euch, vergleicht offen und ehrlich und akzeptiert die traurige realität: qualität kommt von quälen! und das ist nicht eure stärke

"Damit der Werbenachwuchs gieriger wird"

Greed, for lack of a better word, is good. Greed is right. Greed works. Greed clarifies, cuts through, and captures, the essence of the evolutionary spirit.

Gordon Kekko

Die Eierschwammerl wären halt so gerne Magic Mushrooms .

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