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vergrößern 800x800Amir Kassaei, weltweiter Kreativchef des Werbenetworks DDB, und DDFG-Boss Marco de Felice beim Sommergespräch auf Ibiza.
"Es is ja ewig schod um mi!"
Donnerstag, 9.August, Santa Eulalia del Rio. Zwei Österreicher auf Ibiza, der eine hat sich hier eine schöne alte Finca zugelegt, der andere ist sein Gast. Der eine heißt Kassei Amir (in Österreich sagt man den Familiennamen gern zuerst) und lebt sonst eher in New York und Shanghai, der andere de Felice Marco und lebt sonst eher in Wien.
Heute geht's um Österreich und um die Werbung ebendort. Passt grad gut. Olympia ist fast vorbei und unsere Medaillienbilanz ist der von Cannes 2012 nicht unähnlich. Dort heißen sie zwar Löwen, aber kriegen tun sie auch die anderen.
(Marco de Felices Prolog zum Sommergespräch)
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O-Töne

"Wir schaufeln unser eigenes Grab": Amir Kassaei über Parallelwelt und Zombiekreationen für Juryräume.

Agentur und Kunde: "Keine Werbeagentur wird dazu gezwungen, Scheiße zu ihren Kunden zu tragen".

Die Besten der Branche unterrichten die besten Talente: Kassaei und de Felice über das Leistungs- und Eliteprinzip für den Nachwuchs, Vorbilder, Perspektiven und was es bedeutet, ein Kreativer zu sein.

Wie gewinnt Österreich eine Medaille bei Olympia und einen Löwen in Cannes? Kassaei und de Felice über Wehmut, Jammer und die österreichische Mentalität.
Langfassung
De Felice und Kassaei über Werbepreise, Zombiewelt und Glaubwürdigkeit: "Es geht immer weniger darum, dass man substanzielle echte Arbeit auszeichnet, sondern Agenturen dazu übergehen, Sachen zu produzieren, die nur für Wettbewerbe und Juryräume gemacht sind. Gedoptes Zeug sozusagen, um Medaillen zu gewinnen": De Felice und Kassaei über Werbepreise, Zombiewelt und Glaubwürdigkeit - Seite 2
"Das Kreativranking ist Gift, ich glaube, diese Bühne müsste man abschaffen": Agenturindex statt Kreativranking, Goldideen und Scheißwerbung - Seite 3
"Niemand zwingt eine Werbeagentur dazu, Scheiße zu einem Kunden zu tragen": Kundenbeziehung und Verantwortung für die nächste Generation - Seite 4
"Die Einführungskampagne für den neuen Golf VII wird nie national oder international einen Preis gewinnen. Nie": Kampagne für den neuen Golf, Luft, Wasser und kreatives Handwerk- Seite 5
"Elite ist in Österreich ein gefährliches Wort": Sozialstaat Österreich, Nachwuchssituation und Agenturen als Dreck und Fußabstreifer - Seite 6
"Der Österreicher kompensiert seine Minderwertigkeit durch extrem ausgeprägten Zynismus": Selbstironie der Engländer, Karenz und Erschöpfungszustände - Seite 7
Kann man einen Cannes-Löwen nicht einfach produzieren? Löwe als nationale Angelegenheit, damit nicht die große Wehmut, das große Jammern übrig bleiben - Seite 8
"Wie ein Pups im Wald": Gesellschaftspolitische Relevanz und das Thema Werbung in der "ZiB 2" - Seite 9
"Wenn wir das hinkriegen würden, dann wäre Österreich obenauf": Die erste Welt der Werbung, Fuck You Brasilien und Marschroute von DDB in Wien - Seite 10
de Felice: Aber wer soll ihnen das beibringen? Die Ausbildungsstätten oder die Agenturen? Wem könnte man diese Aufgabe zutrauen?
Kassaei: Beiden. Aber einerseits sind die Schulen, die Universitäten zu weit weg von der Praxis, von dem was tatsächlich passiert. Du erlernst zwar Grundlagen, aber die bringen dir im täglichen Agenturleben nur bedingt etwas.
de Felice: Von den Jungen wollen viele zum Beispiel zur Miami Ad School. Aber bei uns, im Sozialstaat Österreich, ist es ja so, dass Bildung nichts kosten darf. Auswirkung: Bei uns lehren - vorsichtig ausgedrückt - Menschen, die im Job keinen Platz mehr haben, aber dafür Zeit.
Anderswo unterstützt die Industrie und Wirtschaft die besten Universitäten und Ausbildungsstätten, damit sie die tollsten Professoren bekommen und damit die besten Absolventen. Das haben wir in Österreich definitiv nicht. Hier gibt es viele Fachhochschulen mit namenlosen Unterrichtenden.
Kassaei: Ja, das ist ein Problem. Aber bei der Miami Ad School würde ich auch ein dickes Fragezeichen machen. Da bezweifle ich, dass den jungen Leuten das Richtige gelehrt wird. Ich glaube, man bringt denen bei, Zombiekreationen sehr schnell zu produzieren. Wenn du dir diese Miami Ad School-Absolventen ansiehst, die sind zwar im ersten und zweiten Jahr, was Preise anbelangt, erfolgreich, aber dann versagen sie bei realen Briefings.
Das Problem Nachwuchs muss man anders angehen. Das muss nach einem Leistungs- und Eliteprinzip angelegt sein. Da müssen wir von der Branche uns darum kümmern.
de Felice: Elite ist in Österreich ein gefährliches Wort. In unserem Sozialstaat wird das sofort als Klassengesellschaft und pfui angesehen.
Kassaei: Elite meine ich in dem Sinne: Die Besten der Branche unterrichten die besten Talente im Sinne der Gemeinschaft. Das ist auch sozial.
De Felice: Im jetzigen System jammern nach Cannes Agenturchefs, die dort in Jurys sitzen, und Kreative, die sich hinter ihren Trottelnamen in Postings verstecken, und hauen gemeinsam auf unsere Branche hin. Das ist das perverse österreichische Modell.
Kassaei: Das ist der eine Teil. Der andere, gravierendste Teil ist: Wir sitzen in entscheidenden Positionen von Agenturen und machen nicht genug und nicht das Richtige für die Jugend. Viele leben nicht das Beispiel vor, sind nicht das Vorbild, damit junge Leute Orientierung und Perspektive haben, was es bedeutet, ein Kreativer zu sein.
Denn in vielen Agenturen herrscht das Zweiersystem: Scheiß auf die Briefings der normalen Kunden, die werkeln wir ab, da sagen wir auch nie nein, das machen wir genau so. Und dann hast du noch deine Spielwiese für Zombiekreationen, die du dann einreichen kannst, damit du Preise gewinnst. Und das leben wir den Jungen vor. Das müssen wir auch ändern.
Ich glaube aber auch, dass wir die bestehenden Nachwuchsinstitutionen in Österreich - und nicht nur in Österreich - überdenken müssen.
Die gesamte Branche muss sich fragen: Wollen wir ernst genommen werden, wollen wir das, was wir machen, ernst nehmen? Weil, wenn wir das nicht tun, dann haben wir auch keine Reputation mehr bei Kunden.
Denn wie behandeln Kunden ihre Agenturen mittlerweile? Wie ein Stück Dreck, wie einen Fußabstreifer. Wir sind ja mittlerweile Dienstleister. Wenige Agenturen - ihr gehört da dazu - werden als Partner wahrgenommen. Alle anderen sind Arschlöcher und gehen hinten durch den Lieferanteneingang hinein und wieder hinaus.
Das haben wir uns auch selbst zuzuschreiben. Ein Herr Koblinger rühmt sich, seit 30, 40 Jahren in Österreich zu der führenden Riege der Werbemanager zu gehören. Er ist in einer Titan-Jury in Cannes gesessen, und gibt nicht weiter, was essenziell ist. Er sagt: Wir kriegen es nicht hin, weil die Kunden zu blöd sind. Das finde ich fahrlässig und kriminell.
de Felice: Koblinger lebt offensichtlich das klassische internationale Teufelswerk. Er kann ja anscheinend nicht frei entscheiden, zu Kunden nein zu sagen. In Österreich verschwinden immer mehr internationale Agenturen, andere verlieren ihre Bedeutung. Als ich angefangen habe, wurden die großen internationalen Networks bewundert.
Österreichische Kunden schauen zurecht nur auf ihren Markt. Eine Kampagne wie "Weg mit dem Speck" oder der "Hausverstand" würde bei einem japanischen Juroren nie ein Häferl reißen, weil er den Wortwitz nicht versteht. Und schon wird das abgefiltert. Unsere Jungen werden trainiert drauf, dass sie möglichst Kreation erzeugen ...
Kassaei: ... die jeder versteht. Nein, anders und noch viel schlimmer. Stell dir vor, VW wäre ein Unternehmen, das den Ruf hätte: 99 Prozent aller Produkte kommen nie aus dem Stadium des Prototypen heraus. Und die Serienfahrzeuge sind im Vergleich dazu beschissen.
Was glaubst du, wie lange es VW geben würde? Das ist das Perverse, was unsere Branche, unsere jungen Leute zur Zeit machen.
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Er ist seit 2009 Chief Executive Officer bei YouTube und leitet seitdem die Entwicklung von YouTube zu einer globalen Broadcasting-Plattform
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"Advertising agencies are keen to demonstrate the returns they create for their customers. These estimates of additional sales generated allowed us to calculate the share of overconsumption attributable to advertising, and then the damage that causes. We found that for every £1 of value created by an advertising executive, £11.50 is destroyed."
Ein Auszug aus der sehr lesenswerten Untersuchung des wahren Wertes verschiedener Berufsgruppen:
http://www.neweconomics.org/publicati... s/bit-rich
man muss einfach einmal die publizistische produktion von werbern mit der von designern vergleichen. am besten die produktion der letzten 30 Jahre. Dann erkennt man sofort, wer hier mit einem bildungsgrad von voll unter 25° unterwegs ist. Entsprechend sehen die geistigen Ergüsse dann auch aus, die die testosterongeblähten herren national- oder superworldwidewerber für die "menschen" da draußen, bzw. die "fische", denen ihr Wurm schmecken soll, bzw. die Kunden, die ja per se null Bildung haben, fabrizieren. Allerdings: Wer das geld hat, hat die macht, und die macht werberischer bildungslosigkeit müssen wir in jedem der täglich auf ca. 4500 geschätzten werbekontakte spüren. früher hieß das "geistige Umweltverschmutzung". heute zappt man weg.
Das alte Lied. Es wurde vor 30 Jahren schon gesungen. Und 2040 wird man es auch noch singen. Nur: So eitel wie heute war die Branche vor Zeiten nicht. Die Kreativen wußten, was sie waren: Ladenschwengel in der Rolle von Verführen; auf der Reputationsskala dümpelten sie ganz unten herum, nach ihnen kam nur noch der Gebrauchtwagenhändler. Damals war so ziemlich allen in der Branche klar, was Kreative eigentlich sind: Nutten, die für Geld so ziemlich jeden Wunsch erfüllen. Weshalb der Unterschied zwischen Top-Kreativen und dem Branchendurchschnitt ungefähr dem zwischen einer Edelhure und einer Strichmieze entspricht. Und der Kunde? Der war auch schon fantasievoller. Heute wollen sie alle einen Quicke - und den auch noch für ganz wenig Geld.
die können es schon, wenn die alten zampanos die jungen auch mal lassen würden und die ego-probleme, die die branche dominieren endlich mal kollektiv verabschiedet würden. profiliert´s euch über ideen und nicht über grabenkämpfe und neidereien und öffnet euch neuen horizonten und nicht dem gären im eigenen saft. punkt.
… habe mich das letzte mal vor zwei Jahren als Designer in einer Agentur vorgestellt. Als ich im Vorstellungsgespräch an den Punkt der Gehaltsvorstellung kam und dabei meine 20jährige Erfahrung ins Feld führte, sowie die sehr umfangreuiche Fachausbildung (Typografie, Retusche, Produktion und Drucktechnik), antwortete der Agenturchef mit den Worten:" Aber Herr XXX, ich bezahle sie doch nicht für ihr Alter! Danach stellte er mir das gleiche Salär in Aussicht wie den frischgefangenen 18 bis 20-Jährigen, die seine Agentur bevölkerten.
Ich habe die Konsequenzen daraus gezogen und einen neuen Beruf erlernt, den ich nun auch ausübe.
"Wir haben auch die richtigen Schritte gemacht. Aber wir haben uns von dieser Marschroute weg bewegt. Es steht mir nicht zu, das operativ jetzt zu beurteilen. Ich finde aber, es ist nicht das, was wir eigentlich wollten in Österreich."
es gibt einen guten grund, warum die jungen nicht mehr "gierig" sind:
das "in der werbung sein" hat seinen status als super-begehrlich längst verloren
vorbei sind die zeiten, da man sich als kreativer im kreise einiger weniger insider wähnen durfte, die schnell viel geld verdienen und dabei auch noch spass haben können.
jeder untalentierte apple-besitzer kann heute ein druck-pdf verschicken oder selbst gedrehte spots schneiden. alles muss für immer weniger geld, dafür aber mittels umso mehr unbezahlten überstunden möglich gemacht werden.
und wofür? dafür, dass sich ein paar wenige am geistigen eigentum ihrer immer öfter ausgebrannten mitarbeiter bereichern und in der finca auf mallorca weilen.
ihr seid "out of touch"
das ist das problem
...und sind selbst doch ein Teil davon.
Raunzen, Schimpfen, andere schlecht machen...
Ich lese da kein Wort des Optimismus, kein positiver Gedanke - nur dunkelgraues Gesudere.
Liebe Werber, grad ihr müsst doch wissen, welche Botschaften ihr damit aussendet.
Ich bin kein Kenner der Werbebranche aber danke, dass ich jetzt auch weiß, dass alles scheiße läuft.
also, ich finde die zwei haben recht. leistung und qualität sind zwei begriffe die in österreich kaum existieren. qualität misst man am selbstdefinierten standard und nicht im globalen vergleich und leistung wird definiert als: möglichst wenig aufwand für viel geld. und wenn es markiger sprüche bedarf, den punkt zu machen, dann seis drum. ganz ehrlich ich kenne leider nur ganz wenige österreicher die ich als profis in dieser branche bezeichnen würde und die international anerkannt auch arbeiten könnten/können. also liebe österreichische werbergemeinde: geht in euch, vergleicht offen und ehrlich und akzeptiert die traurige realität: qualität kommt von quälen! und das ist nicht eure stärke
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