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"Klar, man könnte auch Dateien rumschicken", sagte Rainald Goetz, als er Pressevertretern Anfang August das Leseexemplar seines neuen Romans "Johann Holtrop. Abriss der Gesellschaft" vorstellte (darin geht es um eine "Charakterstudie" eines Medienmanagers). Das Video zum Auftritt hat der Suhrkamp Verlag nun auf einer Sonderseite zum Publikationsereignis eingestellt. Man kann das mit skeptischem Unterton "virales Marketing" nennen oder auf den Selbstwiderspruch hinweisen, der darin besteht, dass Goetz sich einerseits nach mehr Debatten über Literatur sehnt, andererseits aber allein schon durch den schieren Unterhaltungswert seiner öffentlichen Lesungen nicht ganz unbeteiligt ist, wenn sich die Figur des Autors vor jeden anderen Diskurs schiebt.
Gleichwohl: Die Sichtung lohnt sich, weil Goetz auch bei solcher Gelegenheit erstens grundsätzlich und zweitens performativ energisch wird. Wo andere sich in Smalltalk oder Jovialitäten verlieren, nutzt Goetz die Bühne, um den Begriff des Werkcharakters auseinander zu schrauben und ein emphatisches Loblied auf die Haptizität des Buches anzustimmen, die es eben auch gegen die Praxis der Presserezensionsdatei zu verteidigen gelte. Zum Gesamtauftritt zählt auch eine Präsentation, die Goetz vor Buchhandelsvertretern bereits letztes Jahr im September gegeben hat. Man kann jetzt also Vergleiche anstellen, welche Vermittlergruppe wie adressiert wird: "1. Der Inhalt 2. Die Machart 3. Die Aussage". Ab 8. September kann das Versprechen dieser Hinterbühnenauftritte per Lektüre eingeholt werden.
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