Trotz Fukushima ist Atomenergie am Vormarsch

21. August 2012, 13:42
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Bis 2030 könnte sich die Anzahl der Atomkraftwerke weltweit verdoppeln

Trotz der Atomkatastrophe in Fukushima vergangenes Jahr ist das Interesse an Atomenergie in vielen Ländern ungebrochen. Laut einer Studie der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), überlegen momentan 30 Länder, auf Atomenergie umzusteigen. 

Wachstum von bis zu 100 Prozent

Die Atomkatastrophe in Japan vergangenes Jahr hat die Entwicklungen zu mehr Atomenergie zwar verlangsamt, die Internationale Atomenergiebehörde geht aber trotzdem nicht davon aus, dass sich deswegen viele Länder ganz von der Atomkraft verabschieden. Ganz im Gegenteil: Die Behörde, die ihren Sitz in Wien hat, geht sogar von einem Wachstum von bis zu 100 Prozent in der Atomenergienutzung bis 2030 aus. Der größte Wachstum dürfte in Fernost stattfinden.

Atomkraft im Aufschwung

Momentan sind 435 Atomkraftwerke in Betrieb. Weltweit werden 62 neue Reaktoren gebaut. Die Atomenergiebehörde sieht zwar einen klaren Rückgang im Vergleich zum Spitzenjahr 1979, in dem 233 Atomkraftwerke gebaut wurden, trotzdem werden jetzt wieder mehr AKWs gebaut als zwischen 1995 und 2005.

Größtes Interesse in Asien und Afrika

Einige Länder in Europa, darunter Deutschland, haben sich letztes Jahr als Reaktion auf Fukushima dazu entschieden, statt auf nukleare Energie auf erneuerbare Energien zu setzen. Alleine in Deutschland wurden als direkte Reaktion auf Fukushima acht Reaktoren dauerhaft vom Netz genommen. Im Gegensatz dazu werden Länder wie China und Indien in Zukunft aber wahrscheinlich mehr auf Atomenergie zurückzugreifen, um dem wachsenden Energiebedarf entgegenzuwirken.

Auch Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, Weißrussland, Bangladesch und Vietnam haben nach Fukushima dank wachsendem Energiebedarf weiterhin Interesse an der Atomenergie. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die bisher ihre Energie aus Erdgas und Ölvorkommen sowie Kohlekraftwerken bezogen haben, wollen mit Atomenergie zunehmend zu einer "sauberen" Energieform wechseln. Länder wie Weißrussland und Vietnam wollen durch eigene Atomkraftwerke ihre Abhängigkeit vom Ausland verringern, von wo sie momentan Strom beziehen.

Die meisten der 29 Länder, die überlegen, auf Atomenergie umzusteigen oder dafür schon Pläne haben, liegen in Asien oder Afrika. Immerhin sieht die IAEO hier einen Rückgang: 2010 wollten das noch 34 Länder. (red, derStandard.at, 21.8.2012)

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    62 neue Reaktoren werden momentan weltweit gebaut.

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