"Sie haben mit dem Haider-Erbe gewonnen, jetzt holt es sie ein"

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  • "Parteigründer gehören zu einer besonderen Spezies an Querulanten"
    foto: apa/schlager

    "Parteigründer gehören zu einer besonderen Spezies an Querulanten"

Der Historiker Lothar Höbelt glaubt, dass es in Kärnten nach den Neuwahlen Rot-Blau gibt. Einen Einzug von Frank Stronach in den Nationalrat sieht er nicht. Dazu fehle ihm die nötige Galionsfigur

STANDARD: Wie viele Stimmen wird Stronach FPÖ und BZÖ kosten?

Höbelt: Vor allem kostet er Nichtwähler. Aber klar: Unzufriedene bürgerliche Wähler sind aufseiten von FPÖ und BZÖ.

STANDARD: Was wird er den beiden abnehmen?

Höbelt: Gar nichts. Er wird ein Lugner-Schicksal erleiden.

STANDARD: Sie trauen ihm also den Einzug ins Parlament nicht zu?

Höbelt: Nein, weil ich die Kombination nicht sehe. Wäre Österreich Deutschland, und es würde von uns abhängen, ob es diese Euroschirme gibt, könnte man von Parteien absehen. Eine Volksbewegung, angeführt von Stronach und der Kronen Zeitung, hätte vielleicht Erfolg. Aber die Leute wissen: Solche Entscheidungen hängen nicht von Österreich ab.

STANDARD: Die EU-Kritik ist ein Asset der FPÖ. Das zieht Wähler an.

Höbelt: Natürlich. Aber es betrifft das wohlsituierte Bürgertum und nicht die Stammwähler. Es ist kein Thema, aus dem man eine neue Bewegung macht. Außerdem hängt es von den Personen ab. Stronach ist, bei aller Liebe, in dieser unnachahmlichen Mischung, in der er halb steirisch, halb kanadisch daherknödelt, nicht der Frontmann. Die Galionsfigur für seine Bewegung ist offenkundig, aber nicht einsetzbar.

STANDARD: Wer wäre das?

Höbelt: Der Grasser!

STANDARD: Karl-Heinz Grasser? Klingt undenkbar.

Höbelt: Natürlich! Wenn man eine rechtsliberale Partei in diesem Land machen will, mit Unterstützung von Industriellen wäre er der Richtige. Aber er ist anderweitig beschäftigt.

STANDARD: Sie haben Jörg Haider als "neben Bruno Kreisky das größte politische Talent der Zweiten Republik" bezeichnet: Sind Sie enttäuscht von ihm?

Höbelt: Gar nicht. Das gehört zu so einer Figur dazu. Mit Mädchenpensionats-Allüren kommt man da nicht weit. Das Peinliche an der Kärntner Sache ist ja nicht nur, dass da nicht ganz legale Sachen gemacht, sondern auch dass sie ungeschickt gemacht wurden. Die Leute sagen eher: Na ja, haben sie sich halt etwas Geld verschafft. Aber dass sie sich auch so deppert angestellt haben, das verärgert.

STANDARD: Die FPK zieht jede Woche aus dem Landtag aus, um die Abstimmung über den Neuwahl antrag zu verhindern. Inwieweit schaden diese Bilder den Parteien?

Höbelt: Es kann schaden, jedoch weniger beim Wähler, den das Sommerwetter mehr interessiert. Es schadet vielmehr, wenn es in politische Isolation führt. Aber wenn meine Annahme zutrifft, dass die ÖVP jeden Tag betet, dass die Blauen wieder ausziehen, wird es eine solche Isolation nicht geben. Für die ÖVP kann es nicht von Interesse sein, dass es eine rot-grüne Mehrheit gibt.

STANDARD: Die Kärntner ÖVP spricht sich für Neuwahlen aus.

Höbelt: Die Schwarzen vertrauen darauf, dass die Blauen die Blockade aufrechterhalten können.

STANDARD: Wird die FPK bei Neuwahlen 2013 abgewählt?

Höbelt: Es wird spannend, denn den Wählern dürfte die Entscheidung schwerfallen. Das hilft zunächst den Grünen, die in Kärnten nie präsent waren. Andererseits ist Kärnten nicht das Land für grüne Erdrutschsiege. Ich bezweifle, dass sie auf über zehn Prozent kommen. Frank Stronach und das BZÖ haben in Kärnten eine gewisse Bodenhaftung, niemand kann sagen, ob sie es in den Landtag schaffen oder nicht. Die FPK (damals BZÖ) hat mit dem Haider-Erbe groß gewonnen, jetzt holt es sie ein. Ich könnte mir vorstellen, dass es Rot-Blau gibt.

STANDARD: Kaiser wirkt nicht, als würde er mit den Blauen koalieren.

Höbelt: Er wird keinen Blauen wählen. Aber wenn er gewählt werden will, wird er die stabilere Variante nehmen. Bei Rot-Grün ist er beim nächsten Mal wieder weg. Und die Entscheidung hat Symbolkraft für den Bund: Die Nationalratswahl folgt relativ knapp.

STANDARD: Führen solche Skandale wie in Kärnten dazu, dass die Wahlbeteiligung sinkt?

Höbelt: Die sinkt bei allen Demokratien. Unsere ehemals hohe Wahlbeteiligung war nicht die Norm, sondern Ausfluss eines ansatzweise totalitären Systems. Die Leute sind nicht zur Wahl gegangen, weil sie interessiert waren, sondern weil sie in die Parteien eingebunden waren.

STANDARD: Je unabhängiger und frei denkender die Menschen sind ...

Höbelt: ... desto weniger gehen sie zur Wahl, natürlich!

STANDARD: Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz, oder?

Höbelt: Viele würden sagen: Sie mögen Rot-Schwarz nicht, Blau auch nicht. Was Drittes ist zu mühsam, da bleiben sie zu Hause.

STANDARD: Der Schritt, eine eigene Partei zu gründen, bleibt aus?

Höbelt: Parteigründer gehören zu einer besonderen Spezies an Querulanten. Viele sagen: Warum soll ich Zeit und Geld investieren, um eine kleine Partei in einem kleinen Land zu gründen, das ohnehin kaum mitbestimmen kann? (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, 21.8.2012)

LOTHAR HÖBELT (56) lehrt Geschichte der Neuzeit an der Uni Wien. Er war in den 1990er-Jahren Berater der FP, 2002 brach er nach Knittelfeld mit Haider. Politisch sieht er sich "an der Schnittstelle von FPÖ, BZÖ und ÖVP".

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Nicht zum ersten Mal

STANDARD: Kaiser wirkt nicht, als würde er mit den Blauen koalieren.

HÖBELT: Er wird keinen Blauen wählen. Aber wenn er gewählt werden will, wird er die stabilere Variante nehmen (Rot-Blau).
Bei Rot-Grün ist er beim nächsten Mal wieder weg. Und die Entscheidung hat Symbolkraft für den Bund

"Die Leute sagen eher: Na ja, haben sie sich halt etwas Geld verschafft. Aber dass sie sich auch so deppert angestellt haben, das verärgert."

so sieht es der höbelt und so sehen es wohl die meisten der fpö. den leuten ist es nicht so wichtig das gestohlen wird, aber jemand der sich erwischen lässt ist untragbar. mehr als peinlich diese aussage. fehlt nur noch, dass höbelt eine professur bekommt, aber österreich ist zur zeit alles zuzutrauen.

Höbbelt ist ja kein unwitziges Bürschchen

aber sein bürgerlicher Standesdünkel, da aber absolut nichts mit Bürgerlichkeit im Sinne der Aufklärung zu tun hat, ist wirklich peinlich bzw. weit weg von der Wartburg. Seine Anbiederung an die Katholen kann man eigentlich nur als degoutant bezeichnen. Bekanntlich gab er damals nach Knittelfeld ne Wahlempfehlung für Schüssel ab. Im Prinzip ist er das Pendant zu Khol, diese Nachkommen vom Wegwerfadel, der im Prinzip nirgends hingehörte.

"Schnittstelle von FPÖ, BZÖ, ÖVP"

Da hebt's einem schon den Magen ein wenig.

Ich finde es immer wieder köstlich ...

... wenn für Höbelt alles, was irgendwie nicht links oder liberal ist, gleich bürgerlich ist.

Auch ein Herr Hitlerr trug manchmal hübsche Anzüge, der Herr Göring versuchte sich ebenfalls als Buchautor - auch Bürgerliche?

Aber bevor ich jetzt irgendwelche unpassenden Vergleiche auspacke: Das mit dem Grasser war echt zum Wiehern. Oder wie er den Seelenzustand der Kärntner kennen will.

Der Höbelt - und das meine ich nicht böse - lebt schon in einer eigenen Welt.

Wie wäre es wenn sie einmal die Meinung eines nicht "Linken" akzeptieren würden? Es gibt Menschen die nicht "Links" sind und auch nicht "Links" sein wollen! Wer nicht Links ist, ist nicht gleich Rechts!

MFG

In seiner Welt lacht (fast) der ganze Hörsaal, gut gefüllt mit seiner Klientel, über seine tiefen Witze. Wer das noch nie erlebt hat, sollte sich das ersparen.

Ein - eher kleiner - Hörsaal ist erfreulicherweise auch nur eine Scheinwelt.

Obwohl eine Frühpensionierung sicherlich kein Schaden wäre.

Ich kann mir nicht helfen -

irgendwie erinnert er mich an Julius V. Vielleicht haben beide den gleichen Frisör ;-)

Die Frisur scheint das wertvollste Asset des Höbelt zu sein.

Während er als Wissenschaftler ja ein ziemlich lächerliches Bild abgibt, könnte er - aufgrund des zweifellos signifikanten Luftwiderstands seiner supercoolen Haartolle - sicher eine gute Figur als Schiffschaukelbremser machen.

Habe mich lange gesträubt, aber gegen derartige Argumente muß ich meinen Bruder an dieser Stelle verteidigen:

Also, zum Einen wer Wissenschaftler nach Ihrer Haartracht beurteilt, zeigt wohl eindeutig, daß ihm ein Urteil über selbige in keiner Weise zusteht ( huch was hat Steven Hawking bloß für eine Frisur der muss ja ein Depp sein ??? ).

Zum aderen hat der Kritisierte , zumindest was seine Publikationen betrifft, einen absolut einwandfreien Ruf, oder glauben Sie die ganze "linke" Konkurrenz an der Wiener Uni hätte da auch nur einen Tippfehler durchgehen lassen, ohne sich wie ein Wolfsrudel auf Ihn zu stürzen.

Und wieviele historische Fachpublikationen können Sie aufweisen ???

Ja, eine besonders beeindruckende "Fachpublikation" ist sein Beitrag in:

"Als wir ‚befreit‘ wurden …
Ausgebombt, gefangen, vertrieben, vergewaltigt – Zeitzeugen berichten über Krieg und Nachkriegszeit"

In diesem wissenschaftlich äußerst wertvollen Werk publiziert er gemeinsam mit dem rechtskräftig verurteilten Holocaustleugner Walter Lüftl. Jeder echte "Bürgerliche" würde niemals in einem revisionistischen Buch gemeinsam mit einem Holocaustleugner publizieren. Dass so jemand an der Universität Wien lehren darf ist ein einziger Skandal.

Haben sie den Beitrag gelesen ???

und, was viel wichtiger ist, können sie darin irgendeinen wissenschaftlichen Fehler aufzeigen, dann tun Sie dies bitte, aber sonst...
Im übrigen hat zu gelten, daß die Universität und Ihre Lehre frei ist.
Wenn sie lieber eine gleichgeschaltete Universität haben wollen, sollten sie in PjöngJang oder Riad inskribieren.
Die Wiener Universität wählt Ihr Lehrpersonal ( übrigens zum Zeitpunkt von L.H.s Habilitation noch in drittelparität ) nach wissenschaftlichen Kriterien aus, wo also liegt dabei der Skandal ?
Außerdem gibt es gerade im Fach Geschichte genügend Auswahl, Sie müssen also nicht Höbelt hören.
Ihnen scheint aber eine GEDAPO lieber zu sein ?

So ein selbstgefälliger Pfropf!

the name of the band is "die Unschuldsvermuteten"

Ja, da bin ich auch dafür, nehmt´s Euch das Karl-Heinzi als frontman, dann noch den Uwe und den Julius und den Ernstl und noch ein paar von diesen Kreaturen, dann habt´s wenigstens gleich einen Parteibnamen der auf der Hand liegt und genug Währlerpotential an Unbelehrbaren, die Euch zu den angesagten 30% führen. Und vielleicht schweigt Euch auch das Wolferl noch was dazu ...

So was also gilt hier bei den sogenannten 'Bürgerlichen' als Intellektueller? Na servas.

Bei den "Bürgerlichen" wohl eher nicht.

Lediglich bei den gesichtszersäbelten Vorvorgestrigen gehen solche Einfaltspinsel als intellektuell durch.

Im Bierrausch lässt man sich halt leicht beeindrucken.

'Bürgerlich' ist der hiesige Euphemismus für eh schon wissen. Leute wie Busek oder Leitl nennt man hierzulande 'Liberal'. Leute wie Höbelt, Mölzer, Stadler eben 'Bürgerlich'.

Leute wie Busek oder Leitl nennt man hierzulande 'Liberal'

hab ich noch nie gehört, speziell leitl ist als präsident einer zwangsmitgliedschaftskammer das genaue gegenteil von liberal.

Ja, da werden Sie wohl recht haben.

Wer demokratische Standards mit "Mädchenpensionats-Allüren" verwechselt ist zwar in Ö. nicht allein, aber trotzdem niemand, dessen Ratschläge und Analysen viel Gehör finden sollten.

Alles klar. Solange ich mich nicht erwischen lasse, ist es ok, wenn ich eine Linke drehe. Und wenn ich erwischt werde ist das allerhöchstens "ärgerlich".

Das nenn ich ein Statement. Vielleicht sollte das FA mal den Professor besuchen...

vielleicht

sollte man ab jetzt sagen "eine rechte drehen"
;-)

Perverse Personifizierung einer Rechtsaußen-Position

und man fragt sich, warum ein Koffer mit gefährlichem Inhalt unbeaufsichtigt in Medien wie den Standard abgestellt werden darf. Wo bleibt der Verfassungsschutz?

Politisch sieht er sich "an der Schnittstelle von FPÖ, BZÖ und ÖVP"

Das erklärt sein Ticken (und seine Frisur)

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