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Salzburg - Wenn die Nürnberger Puppenspieltruppe Thalias Kompagnons Kafkas letzten großen Roman Das Schloss auf die Bühne bringt, dann hat die Welt der Hauptfigur K. enge Grenzen - jene der Tischplatte. Kafkas Parabel auf den Kampf des Menschen gegen ein absurdes, bürokratisches System ist keine schlechte Wahl für ein Puppentheater. Sind die Protagonisten doch nichts anderes als Spielfiguren: gelenkt vom zwar kaum je sichtbaren, doch allgegenwärtigen Schloss, von dessen Vorschriften und Regeln ebenso wie von ihrer unbezwingbaren Sehnsucht, ihm anzugehören.
Im Gastspiel von Thalias Kompagnons im Salzburger Schauspielhaus, das Sonntag bei den Festspielen Premiere hatte, ist von diesem Schloss nichts zu sehen. Auf dem kleinen, durch Scheinwerferlicht aus der Dunkelheit gehobenen Tisch (Licht: Sasa Batnozic) nur ein paar Häuschen, das Dorf. Wie die Häuser sind auch die von Regisseur Joachim Torbahn gestalteten Holzfiguren kaum größer als die Hand des Puppenspielers Tristan Vogt. Sie sind bunt bemalt, in unterschiedlichsten Ausformungen. K.'s Gehilfen haben klobige Füße und eckige Bäuche, die sie ab und an zusammenstoßen. Frieda trägt Pferdeschwanz, die zahlreichen Beamten sehen aus wie Don Camillo: schwarze Umhänge, schwarzer Hut. Nur K. ist anders, unbemalt und seltsam formlos.
Sein Anrennen gegen die bürokratischen Grenzen erzählen Thalias Kompagnons mit Einfallsreichtum und Augenzwinkern: Muss ein Anruf getätigt werden, dienen die Figuren als Telefonhörer. Der Herrenhof, Privatklub der Beamten, ist eine üble Spelunke. Die Bar besteht aus einer zusammengeschweißten Packung Schnapsfläschchen, es läuft Hardrock, die grölende Horde Bauern wird gemeinsam mit Olga kurzerhand in einen Sektkühler geworfen, mit Bier übergossen und ein paar Mal durchgeschüttelt.
Die Hierarchien zeigen sich glasklar im Raum: Der allgegenwärtige Aktenschrank, die Büroordner haben als einzige Elemente der Erzählung reale Größe - ergo Überlebensgröße für die kleinen Holzfiguren. Um sich zu behaupten, stellt sich K. bisweilen buchstäblich auf den Kopf. Jedoch zwecklos. Oft steht er, der Fremde, allein auf dem Tisch, weitab von den anderen. Was Thalias Kompagnons hier berührend und mit viel Gespür für den Text zeigen, ist weit mehr als nur das Verzweifeln an bürokratischem Irrsinn: Es ist das tieftraurige Abbild eines Menschen, der in eine Welt geworfen wurde, in der er keinen Platz hat. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 21.8.2012)
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