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Viel Energie widmen die deutschen Grünen der Spitzenkandidatur für 2013. Parteichefin Claudia Roth (li.) will ebenso antreten wie die Fraktionschef Jürgen Trittin und Renate Künast.
Cem Özdemir, Vorsitzender der deutschen Grünen, versucht dem Kandidatengedrängel etwas Gutes abzugewinnen. "Es ist kein schlechtes Zeichen für eine Partei, wenn sie über mehrere kluge Köpfe verfügt", sagt er. Und fügt auch gleich hinzu, dass er selbst nicht Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2013 sein will.
Dann wäre es ja noch einer mehr. Das Gedränge ist auch jetzt schon groß genug: An vorderster Front wollen vier Promis nach Stimmen jagen: Özdemirs Kochefin Claudia Roth und Fraktionschef Jürgen Trittin, die beide zum linken Parteiflügel zählen. Und als Vertreterinnen der Realos: die zweite Fraktionschefin Renate Künast sowie Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckhardt.
Zudem haben noch zwei Außenseiter ihren Hut in den Ring geworfen: Franz Spitzenberger aus Bayern und Werner Winkler aus Baden-Württemberg. Beide sind erst seit 2011 Mitglieder bei den Grünen und engagieren sich in ihren Ortsvereinen.
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe kriegt sich vor Häme über den Andrang gar nicht mehr ein. "Zur roten Troika gesellt sich nun auch noch eine grüne Quadriga. Bald kann die Opposition eine ganze Fußballmannschaft der Möchtegern-Spitzenkandidaten aufstellen", höhnt er. Bei der SPD sind, wie berichtet, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, Parteichef Sigmar Gabriel und Exfinanzminister Peer Steinbrück im Rennen. Aber dort will man nur einen Kanzlerkandidaten küren.
Dass es bei den Grünen so viele Anwärter sind, kam so: Als im Frühjahr an der Basis die Rufe nach Fraktionschef Trittin immer lauter wurden, brachte sich Parteichefin Roth sicherheitshalber in Stellung, um - wie sie erklärte - den Anspruch der Frauen zu unterstreichen. Ihre Begründung für die Kandidatur: "Nach acht Jahren als Parteivorsitzende kann meine Art, Politik zu machen, nicht ganz falsch sein."
Danach meldete Trittin seine Kandidatur an, und da wurde der Realo-Flügel unruhig. Also ging für diesen zunächst Göring-Eckhardt ins Rennen und dann auch noch Künast. Deren Kandidatur war für viele eine Überraschung. Im Herbst 2011 war es Künast trotz vollmundiger Ankündigungen nicht gelungen, den Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) abzulösen.
Seit dieser Niederlage bei der Berliner Landtagswahl gilt sie parteiintern als angeschlagen. Doch nach der Sommerpause zeigte sich Künast mit neuem Elan und erklärte: "Sie sehen mich um Jahre jünger. Ich habe in den letzten Monaten viel nachgedacht, auch über meine Fehler."
Sollte niemand seine Kandidatur zurückziehen (wovon auszugehen ist), dann muss ein kleiner Parteitag am 2. September entscheiden, wie die Kandidatenfindung aussehen soll. Wahrscheinlich ist, dass es zu einer Urwahl durch die grünen Parteimitglieder kommt. Ein derartiges Vorgehen hat es in Deutschland bisher noch bei keiner Partei gegeben.
In diesem Fall käme auf die grüne Parteizentrale eine logistische Herausforderung zu: Binnen weniger Wochen müssten die 60.000 Mitglieder angeschrieben werden. Und möglicherweise hätte Trittin das Nachsehen. Denn die Grünen-Satzung erlaubt auch zwei Frauen an der Spitze der Wahlliste.
Die größten Chancen, für die Grünen als Spitzenkandidat Stimmen zu holen, hätte laut einer Emnid-Umfrage übrigens einer, der gar nicht als Frontmann kandidieren will: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 21.8.2012)
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Trittin und Roth als Vertreter eines vermeintlich linken Parteiflügels zeugt davon, dass auch die letzten Spuren eines etwaigen Links-Seins bei den deutschen Grünen vergangen sind.
Ist aber wie hier. Der Weg in die prinzipielle Ununterscheidbarkeit, wo inhaltliche Differenzen nur noch unwesentliche Details betreffen, ansonsten bloß noch die Protokollierung wirtschaftlicher Verhältnisse vorgenommen wird, wurde genommen. Jetzt unterscheidet bloß noch die bessere Show, das hübschere Gesicht, die symphatischere Farbe. Auch die Piraten werden dort landen, und wie links die Linke bei Regierungsbeteiligung ist, hat man in Berlin beobachten können.
als das hierzulande (und fast überall sonst, v.a. in konservativen Parteien) übliche Hinterzimmer-Machtpolitik, wo sich eine Handvoll Eliten die Posten aufteilen.
In SPÖ und ÖVP ist es sogar noch schlimmer, da bestimmen de facto Michael Häupl und Erwin Pröll, wer unter ihnen Parteichef und Spitzenkandidat ist. Auch die Gewerkschaft ist viel zu hierarchisch und autoritär strukturiert.
Die Ankündigung einer Abstimmung durch die Basis ist wahrscheinlich die sympathischste Meldung, die ich über die deutschen Grünen in den letzten Jahren gehört hab.
Dachte da vorhin bloß an die Bundeswahlen. Aber ja, 2009 ist mir leider noch all zu gut in Erinnerung. Da gab es zwar einen Mutigen, der sich zur Wahl stellte, von der Parteiführung wurde aber alles unternommen um ihn zu verhindern, als den Wählern mehr Auswahl zu überlassen. Leider Haben es die Grünen auch 3 Jahre später nicht geschafft, die richtigen Schlüsse aus der Geschichte zu ziehen :(
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