Susanne Pumper neue LCC-Präsidentin

Des Dopings überführte Athletin soll den Wiener Laufverein modernisieren und die Jugendförderung ausbauen

In den Wiener Laufsport kommt Bewegung. Der Cricket-Verein öffnete anderen Vereinen seine Anlagen, sie wollen die Nachwuchsarbeit vorantreiben. Das will, unter Präsidentin Susanne Pumper, auch der LCC, obwohl ihn dutzende Mitglieder verlassen haben.

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Wien - Die gewöhnlich gut informierte Ausdauersport-Plattform maxfun.at brachte die Meldung zuerst und unter dem Titel: "Susanne Pumper wird Präsidentin des LCC-Wien, Dr. Peter Pfannl bleibt Ehrenmitglied." Der Führungswechsel sei vergangene Woche "bei der Vereinssitzung beschlossen" worden, "Pfannl wird die Präsidentschaft an Susanne Pumper abgeben". Weiters heißt es: "Mit Susanne Pumper als Präsidentin wird der Verein nun modernisiert, vor allem die Förderung der Kinder soll weiter ausgebaut werden."

Der letzte Satz ist speziell bemerkenswert. Schließlich haben dem LCC zuletzt allein etwa dreißig Kinder und ungefähr gleich viele Hobbyläufer den Rücken gekehrt. Sie bzw. ihre Eltern kamen mit Pumper als LCC-"Bevollmächtigter" nicht zurecht. Die 41-Jährige ist nach zweijähriger Dopingsperre zwar seit 2010 wieder startberechtigt, sieht sich aber mit einem neuen Verfahren konfrontiert, nachdem die Triathletin Lisa Hütthaler ausgesagt hatte, Dopingmittel an Pumper weitergegeben zu haben.

"Befremdend"

"Es gilt die Unschuldsvermutung", sagt Walter Ottmann, der Präsident des Wiener Leichtathletikverbands (WLV). Er findet es jedoch "befremdend", dass Pumper Vereinschefin wird. Rechtliche Handhabe habe der WLV vorerst keine. Und das Verfahren gegen Pumper kann sich nach der Neubesetzung der Anti Doping Agentur (Nada) jahrelang hinziehen. Weder Pumper noch Pfannl, der den LCC vom legendären Dolfi Gruber übernahm, waren gestern für den STANDARD erreichbar. Für Ralph Vallon, Präsident des österreichischen Verbands (ÖLV), ist "der LCC derzeit kein vorrangiges Thema. Ob Pumper dort Präsidentin ist oder nicht, wird die Leichtathletik nicht gravierend verändern".

Neue Heimat

Von den LCC-Entwicklungen jedenfalls profitiert hat der UAB (Union Aktiv Brigittenau), der eine ebenfalls im Prater ansässige, eigene Leichtathletiksparte gründete (UAB Athletics). Sie fing ehemalige LCC-Kinder und die ehemalige LCC-Trainerin Renata Sitek auf. Der Verein hat sich flott etabliert, von Sitek trainierte Athleten mischen bei Staats- und Landestitelkämpfen mit.

Auch darüber hinaus herrscht Bewegung auf und bei der Hauptallee, da der Cricket-Verein sich öffnete und nun auch anderen seine Anlagen zur Verfügung stellt. Etliche Vereine taten sich zusammen, um die einzige Wiener Möglichkeit zu nützen, alle Bedürfnisse (Laufen, Werfen, Springen) zu befriedigen, und vor allem Nachwuchsarbeit zu forcieren. Auch Trainer Wilhelm Lilge (team2012.at) baut auf die Cricket-Laufbahn, ihn freut, "dass Vereinsmeierei über Bord geworfen wird".

Die Zukunft des LCC könnte weniger rosig aussehen. Lilge sieht ihn als "reinen Veranstaltungsverein", der versuchen werde, sich mit Nenngeldern zu erhalten. Allerdings könnte der LCC auch bei der Durchführung seiner Läufe über kurz oder lang Probleme bekommen. Dem traditionellen "Susanne Pumper Geburtstagslauf" am 1. September macht die von Ottmann und Lilge aufgezogene österreichische Halbmarathon-Meisterschaft bereits heuer Konkurrenz. Auch auf den Silvesterlauf, jahrelang LCC-Visitenkarte, könnte der Verein sein Monopol verlieren. Wie man hört, stellen sich schon für den diesjährigen Termin mehrere Veranstalter bei der Stadt Wien an. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 21.8. 2012)

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