Fahrplanmäßig in den Tod

Gerhard Dorfi
20. August 2012, 17:25
  • Vierzig Tafeln erinnern in Freilassing an die Opfer, die während der Nazi-Herrschaft per Bahn in die Konzentrationslager verschleppt wurden.
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    foto: db ag

    Vierzig Tafeln erinnern in Freilassing an die Opfer, die während der Nazi-Herrschaft per Bahn in die Konzentrationslager verschleppt wurden.

Die Ausstellung "Sonderzüge in den Tod" erinnert im Grenzort Freilassing an die Beteiligung der Deutschen Bahn am Holocaust

Die ÖBB dokumentieren ihre Geschichte in einer Schau am Praterstern.

Salzburg/Freilassing - Während der NS-Diktatur wurden etwa drei Millionen Menschen aus fast ganz Europa mit Zügen in die Vernichtungslager transportiert. Erst spät rückte die Mitverantwortung der Staatsbahnen am Holocaust in den Fokus. Eine deutsche Bürgerinitiative setzte sich dafür ein, auch auf deutschen Bahnhöfen an die Deportationen zu erinnern. Dies stieß beim ehemaligen Chef der Deutschen Bahn (DB), Hartmut Mehdorn, zuerst auf wenig Gegenliebe. Schließlich gab die DB dem öffentlichen Druck nach, im Jänner 2008 eröffnete die Wanderausstellung "Sonderzüge in den Tod - Die Deportation mit der Deutschen Reichsbahn" im Bahnhof Berlin Potsdamer Platz. Einen wesentlichen Anteil an dem Konzept, Menschen außerhalb von Museen an einem alltäglichen Ort anzusprechen, haben die bekannten französisch-deutschen Antinaziaktivisten Beate und Serge Klarsfeld.

Mehr als 300.000 Besucher zählt die Schau inzwischen, derzeit macht sie unmittelbar an der Salzburger Grenze, im Nachbarort Freilassing, Station. Vierzig Tafeln sowie eine Medienstation zeigen Dokumente und Grafiken, in Zeitzeugeninterviews schildern Überlebende die verheerenden Zustände beim Transport, Menschen werden porträtiert. Zum 175-jährigen Bestehen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) erinnern diese in Wien derzeit mit einer ähnlichen Ausstellung an die eigene Geschichte: "Verdrängte Jahre - Bahn im Nationalsozialismus in Österreich 1938-45".

Die Österreichischen Bundesbahnen (damals BBÖ) wurden nach Hitlers Einmarsch von der Reichsbahn übernommen, dazu etwa 20 Prozent der Bediensteten entlassen - viele Eisenbahner leisteten als überzeugte Sozialisten und Kommunisten aktiven oder passiven Widerstand. Organisiert wurden die Transporte in die Vernichtungslager von SS-Bürokrat Adolf Eichmann und seinem "Fahrdienstleiter in den Tod", Franz Novak. Zynisch-perfides Detail: Die Verschleppten mussten ab 1941 für ihre Zwangsreise auch noch zahlen. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 21.8.2012)


Ausstellung Freilassing
"Sonderzüge in den Tod"
Di-So 10-17, bis 28.8.

Ausstellung Wien
"Verdrängte Jahre"
Mo-Fr 8-17, bis 31.10.

Links

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Vermisst habe ich an der Wiener Ausstellung der ÖBB

den Hinweis, dass trotz größter Schwierigkeiten bei Bahnkapazitäten für das Militär der Logistikschwerpunkt auf Transportkapazitäten in Richtung Vernichtungslager gelegt wurde. Das Wahnsinns Denken der NSDAP Machthaber: der Krieg ist zwar verloren, aber wenn wir schon untergehen, erlösen die Menschheit vom Übel des Judentums. (frei nach Michael Ley: Apokalypse und Moderne)

"Die Ausstellung "Sonderzüge in den Tod" erinnert im Grenzort Freilassing an die Beteiligung der Deutschen Bahn am Holocaust"

der "Reichsbahn", nicht der "Deutschen Bahn", oder? Oder "deutsche Bahn", wenn schon.

"Die Finanziers Hitlers"

wäre mal eine interessante Ausstellung.

Er alleine war es sicher nicht......

http://diepresse.com/home/mein... ern.portal

Die Rolle der Revanchisten im Deutschen Militär, unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg

Und im Buch´: Lobbying oder wer regiert uns wirklich zeigt der Autor König auf, welche Clans in Deutschland sowohl am 1. wie auch am 2. Weltkrieg verdient haben. Klingende Namen - auch heute noch!

jaja....z.B. aber auch die Koop mit der US amerikanischen Schwerindustrie...

Trotzdem ist diese Bahn-Geschichtsaufarbeitung zu unterstützen.

LG,

Ri

Eine sehr aufschlußreiche Doku:

"Hi.tlers Mystiker"

Handelt vom Mißbrauch diverser Okulte, Mythologien und kulturellem Brauchtum.

Wo kommt dort Väterchen Stalin hin, der sich Ostpolen und das Baltikum ja auch was kosten ließ?

Holocaust hin oder her. Wen interessieren diese alten Karamellen?

Die Penetranz mit der man das Dritte Reich wieder und wieder über die Gehirne der Menschen plakatiert, lässt den Schluß zu, dass bestimmte Interessensgruppen ihre politische Unangreifbarkeit einzementieren wollen. Aber das bewirkt genau das Gegenteil. Ich bekomme mittlerweile einen Hass auf diesen historischen Kleister. Er ist so entbehrlich wie der Hinweis auf die Strafbarkeit von Raubkopien als Einleitung beim Abspielen einer neu gekauften DVD.
Das ganze Thema langweilt mich umso mehr, als dass man überall "Beteiligungen" ausmacht. No na ned. Nur die Gegenwart im Nahen Osten, dazu gibts keine Ausstellung. Die wär dringend nötig. Vor allem könnte sie etwas verbessern.

genau wegen so ignoranten deppen wie dir ist es extrem wichtig, immer wieder über diese zeit zu informieren.
denn dieses system darf sich nie wiederholen. das kann man nur durch aufklärung erreichen. vielen junge menschhen haben heute keinen ahung davon, was sich damals abgespielt hat und wie es dazu kommen konnte.

auch du solltest etwas daraus lernen und froh sein, dass immer wieder darüber informiert und diese zeit aufgearbeitet wird.

Wenn du schon solchen Unsinn posten mußt

dann schreib wenigstens richtig Kamellen und nicht Karamellen.

Hier ein Link zu deiner Weiterbildung: http://de.wikipedia.org/wiki/Kamelle

Mehr als 300 000 BesucherInnen interessiert es.

Steht im Artikel. Und das ist eine gewaltige Zahl, von der andere Ausstellungen nur träumen können.

Wenn etwas überflüssig ist, dann sind es die üblichen Kommentare.

Und wieviele der "BesucherInnen" sind einfach ganze Schulklassen, die man dort zwangsweise durchschleift?

gut so

genau deswegen sind ja solche austellungen wichtig, damit auch schulklassen darüber informiert werden.

Auch bei uns...

Die Transporte gingen auch von meinem Heimatbahnhof ab. Wir thematisierten kürzlich diese Transporte in der Stadt-Zeitung "Der FürstenFelder" und wie damals, schauten am liebsten Alle wieder weg. Schließlich kam ja Alois Brunner, der Ober-Scherge Eichmanns, aus der NSDAP-Fürstenfeld...

warum

verkauft man diese ÖBB nicht endlich an einen "ausländischen konzern" , damit wär doch des problem gelöst , oder nicht?

geistig verwirrt?

Wer hat eigentlich die Kohle für die Dampfloks geliefert obwohl er doch hätte wissen müssen, und warum wird das nicht aufgearbeitet

Der war auch sicher viel böser, als die Nazis... schließlich hat er das alles damit ermöglicht!

Oder worauf wollen Sie hinaus?

in der einschlägigen forschung wird selbstverständlich thematisiert, wer die verbrennungsöfen, zyklon b etc. lieferte, bezieht diese forschung doch einen teil ihrer legitimität davon, verantwortlichkeiten aufzuzeigen.

ALLE Großkonzerne von überall waren dabei.
Wenn immer irgendwo Krieg ist - dann haben die Konzerne und ihre geldgeilen Hintermänner/Mehrheitseigentümer ihre Finger im Spiel.

trotzdem sind diese Zusammenhänge dich bemerkenswert, oder?

Natürlich. Nur, wie bereits an anderer Stelle bemerkt, eine Aufarbeitung wird es nicht sooo schnell geben - zuviele Interessen, den Deckel drauf zu halten.
Und unabhängige Medien gibt es schon lange nicht mehr :-)
Alle in der Hand von Banken und (den) Großkonzernen!

Sagte ich doch immer und wurde deswegen immer angefeindet : die Beamten haben den Holocaust ermöglicht und ausgeführt.

Die paar Schergen in den Lagern waren nur die Vollstrecken beamteter Zuarbeiter.
Und das angefangen vom Meldeamtsbeamten, über den Polizisten, Finanzbeamten bis hin zu den Bahnbeamten die die Züge in die KZ´s verbrachten.
Und ? Wir haben ihnen das Ausgedinge auch noch gut bezahlt !

es war ein - übrigens gar nicht so reibungsloses - bürokratischen zusammenwirken von beamt/inn/en, KZ-schergen etc., in dem jede/r sich als nicht letztverantwortlich fühlen konnte. jede/r hat nur pflichtgemäß gehandelt.

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