Spanien wirkt sinkenden Steuereinahmen entgegen

20. August 2012, 14:18

Pensionskürzungen und Steuererhöhungen sind derzeit im Gespräch

Madrid - Die spanische Regierung plant neue Sparmaßnahmen, um das mit der Europäischen Union für dieses Jahr ausgehandelte Staatsdefizit von 6,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) einhalten zu können. Bereits in den kommenden Wochen soll es zu verschiedenen Steueranhebungen sowie Einschnitten bei den Pensionen kommen, sollten die Steuereinnahmen weiterhin abnehmen. Das berichtet am Montag die spanische Zeitung "El País" nach Informationen aus Madrider Regierungskreisen.

Unterdessen mehren sich in den spanischen Medien Gerüchte, nach denen Spaniens konservativer Ministerpräsident Mariano Rajoy (PP) schon bald neue EU-Hilfen für sein krisengeschütteltes Land erbitten könnte. Vor wenigen Tagen erklärte erstmals auch ein hochrangiger Politiker, dass neue EU-Hilfen für Spanien "unausweichlich" seien. Madrids konservative Bürgermeisterin Ana Botella bestätigte der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press sogar, dass dies völlig außer Frage stehe.

Vor wenigen Wochen hat die EU Spanien für seinen angeschlagenen Bankensektor bereits Hilfen von rund 100 Mrd. Euro gewährt. Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos kündigte am Wochenende jedoch an, sein Land werde sehr wahrscheinlich erst Mitte September über einen Antrag auf weitere Finanzhilfen entscheiden. Zuvor wolle man die Details des Anleiheprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) näher kennen, die wahrscheinlich erst nach dem Treffen der Euro-Gruppe Mitte September veröffentlicht werden. Unterdessen forderte Wirtschaftsminister Guindos die EZB auf, seinem Land mit konsequenten Ankäufen von spanischen Staatsanleihen zu unterstützen. "Es darf keine Grenze gesetzt werden oder zumindest darf die EZB nicht sagen, wie viel sie einsetzen will oder für wie lange", wenn sie Bonds auf dem Sekundärmarkt aufkaufe, sagte Guindos bereits am Samstag der spanischen Nachrichtenagentur EFE. (APA, 20.8.2012)

Kommentar posten
11 Postings
Spanien wurde uns vor wenigen Jahren noch

als Boom- und Vorzeigeland präsentiert, mit akzeptablen Schulden und hohem Wirtschaftswachstum.

In Wirklichkeit haben sich da viele internationale Investoren verschätzt und wollen den Schaden ihrer Fehleinschätzung nicht selbst bezahlen. Das zahlt jetzt der spanische Staat.

Es ist schon ein Wahnsinn, wie einfach es in der EU ist, private Fehlspekulationen in Staatsschulden umzuwandeln.

Die spanische Regierung plant neue Sparmaßnahmen, um das mit der Europäischen Union ...

Vorbild Island!

Hat ja schon in Griechenland super geklappt.

oh du glückliches island

....Meanwhile the government has initiated an investigation to bring to justice those responsible for the crisis, and many high level executives and bankers are arrested. The Interpol dictates an order that make all the implicated parties leave the country....
http://www.knowledgeoftoday.org/2012/05/i... ution.html

Man möchte es schon mit einem Hammer

in die verbohrten Schädel der konservativen Politiker und Ökonomen hineinschlagen.
Sparmaßnahmen bewirken bei einem Staat, der in der Krise steckt, das genaue Gegenteil des Beabsichtigten.
Der Bürger spart auch und die Steuereinnahmen brechen weg - die Spirale setzt sich in Gang und schlussendlich sind die Schulden höher, als zu Beginn des Sparens - bei gleichzeitig stark reduzierter Wirtschaftsleistung.
DAS NENNT MAN REZESSION !!!
Zur Verschärfung trägt noch bei, dass Sparmaßnahmen von Jenen ausgearbeitet und umgesetzt werden, die größtes Augenmerk darauf legen, dass sie von diesen Sparmaßnahmen nicht betroffen sind.
Ein Beispiel: Höher Beamte bleiben erhalten, während das arbeitende Fußvolk reduziert und drangsaliert wird!

rezession ?

Sparmaßnahmen bewirken bei einem Staat, der in der Krise steckt -

die schrumpfung auf richtige preise ( im vwl sinne, damit sind löhne, preise und gewinne gemeint ) im internationalen wettbewerb - so einfach ist das !

dieser prozess ist schmerzhaft, aber wie zahnweh<: je länger man mit dem arzttermin wartet, umso ärger wird's nachher.

also : "wundermittel" wie ewiges schuldenmachen ist ähnlich dem ewigen weitersaufen - führt ins delirium !

Sparmaßnahmen bewirken zuerstmal einen Nachfragerückgang,

der dann von Wirtschaftssubjekt zu Wirtschaftssubjekt weiter gereicht wird, um letztendlich Löhne und Beschäftigung zu senken. Den Letzten beißen die Hunde, weil der kanns nicht mehr weiter geben.

Ich habe in diesem Zusammenhang IMMER von Lohnzurückhaltung, aber noch NIE von Gewinnzurückhaltung gehört. Obwohl - nach Ihrer VW-Lehre - beides gleichermaßen der Fall sein müsste.

Daraus muss man folgern, dass "die schrumpfung auf richtige preise" nicht so naturgegeben ist, wie Sie es naivlich darstellen.
Es ist Politik.

Wie viele Beweise wollen Sie noch,

ehe Sie akzeptieren, dass ich mit meiner Analyse richtig liege.
Eine Volkswirtschaft funktioniert umgekehrt zu Betriebswirtschaft bzw. Privathaushalten.
Eine VW muss sparen wenn`s gut läuft und Geld hineinpumpen, wenn`s schlecht läuft.
Da die Politiker dann natürlich die Wiederwahl "kaufen" wollen, wird dieser Grundsatz nicht angewendet.
Ist dann Feuer am Dach, beginnt man sich des Sparens zu entsinnen und bingo, man spart genau zum falschen Zeitpunkt.
Wenn das Lohnniveau der breiten Masse gesenkt wird, dann bricht die Inlandskonjuntur zusammen und damit die Wirtschaftsleistung der VW, da Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren ausschließlich im Dienstleistungssektor erfolgte.
DANN KOMMEN SOZIALE UNRUHEN!!!
Und so weiter und so...

Klingt alles gut, aber was bedeutet das jetzt für Spanien? Ein paar weitere Flughäfen bauen, die keiner braucht? Und das mit Geld, welches nur bescheidene 7% pro Jahr kostet?!
Ich fürchte, du musst die Situation ein ganz klein wenig differenziertet sehen ;)

Die Realität kann man nicht wegdiskutieren!

Ein Wasserlauf rinnt bergab und wird auch durch noch so viele Beweihräucherungen nicht bergauf rinnen.
Das was Sie ansprechen - diese Flughäfen und meinetwegen Autobahnen fürs Irgendwo, die im Nirgendwo enden - das war schlicht und einfach Korruption.
Aktuelle Beispiele haben wir ja selbst gerade in Kärnten im Überfluss (Stadion, Seebühne, Schloss am Wörthersee u.v.m.)
Natürlich gehört das Fördersystem (Geld hineinpumpen) ökonomischen Regeln unterworfen und auch kontrolliert.
Nicht umsonst wird Korruption als das "Gift der Welt" bezeichnet, da es VW aushöhlt und der "normalen" Wirtschaft die Grundlage entzieht.
Ich will schon fast meinen, Ihnen würde eine, ein bisschen differenziertere Sichtweise gut zu Gesicht stehen. :-)

Klar, ganz meine Rede! Bevor man auch nur einen weiteren Euro in diese Länder pumpt, sollte man dringend Strukturreformen angehen. Die kosten auch kein Geld.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.