Chinas privilegierte Prinzlinge

Der Sohn der verurteilten Gu Kailai studiert im Westen, so wie viele Kinder der politischen Elite - Die Öffentlichkeit fragt sich, wer das bezahlt

Macht wird im kommunistischen China zum Teil vererbt. "Prinzlinge" werden dort die Kinder und Enkelkinder berühmter Revolutionshelden genannt, die Familien entstammen, die schon seit Generationen den Kurs des Landes bestimmen. Die Familie der am Montag verurteilten Gu Kailai gehörte dazu. Sowohl sie selbst, als auch ihr Mann wurden in einflussreiche chinesische Familien hineingeboren.

Eine aufstrebende Familie

Noch vor wenigen Monaten war Gu Kailai eine erfolgreiche Anwältin, ihr Mann Bo Xilai war Parteichef der Stadt Chongqing und stand vor dem Sprung in den 9-köpfigen Ständigen Ausschusses des Politbüros, das mächtigste politische Gremium des Landes, das im Herbst neu besetzt werden soll. Der Sohn der beiden, Bo Guagua, studierte in Harvard. Der Tod des britischen Geschäftsmannes Neil Heywood war dann ein Wendepunkt in der Familiengeschichte.

Ein Polizeichef und der Parteichef

Der ehemalige Polizeichef von Chongqing, Wang Lijun, legte im US-Konsulat in der Stadt Chengdu angeblich Material für die Verstrickung von der Frau von Bo Xilai in den Tod von Heywood vor. Nur wenige Wochen später wurde Bo Xilai von seinem Amt als Parteichef entfernt. Es werden ihm Verstöße gegen die Parteiregeln zur Last gelegt. Was konkret ist nicht bekannt.

Brachiale Methoden

Bo wurde von vielen als Vertreter einer neo-maoistischen Parteilinie wahrgenommen. Er sagte Kriminalität und Korruption den Kampf an und wollte den marktwirtschaftlichen Kurs des Landes korrigieren. Bei der Umsetzung dieser Vorhaben ging er wenig zimperlich vor. Bo ignorierte in seinem Kampf gegen das Verbrechen Rechtsvorschriften, als er umfangreiche Überwachungsmaßnahmen anordnete. Die Überwachung machte nicht bei mutmaßlichen Kriminellen halt, sondern wurde von Bo auch auf Politiker ausgeweitet: Unter den Abgehörten wäre auch Präsident Hu Jintao gewesen, berichtet die New York Times. 

Sohn auf britischem Elite-Gymnasium

Bos augenscheinlich linker Kurs, die Aufwertung der maoistischen Traditionen, die angestrebte bessere Verteilung des Reichtums scheint aber nicht für unmittelbare Familienmitglieder gegolten zu haben. Seinen Sohn Bo Guagua schickte er zuerst auf ein britisches Elite-Gymnasium, anschließend nach Oxford zum Studium und zuletzt noch an die US-amerikanische Eliteuniversität Harvard, wo der 24-Jährige Ende Mai seinen Abschluss an der Kennedy School of Government machte. Eine Rückkehr nach China ist unter den derzeitigen Umständen nicht geplant. Bei der Aufnahme an die Schule in England soll der damalige Freund der Familie Heywood behilflich gewesen sein.

Funktionärskinder im Ausland

Bo Guagua ist ein Vertreter der kommenden Generation der Prinzlinge. Zumindest war er das bis zur Verurteilung seiner Mutter und der Amtsenthebung seines Vaters. Während die Söhne und Töchter der Revolutionshelden noch ihre Ausbildung im Inland an der "Beijing No.4 High School" absolvierten, begannen in den 1980er und 1990er Jahren die Kinder hoher Parteifunktionäre ihre Ausbildung mit einem Studium im Ausland abzuschließen. Mittlerweile sind ganze Ausbildungskarrieren im meist westlichen Ausland üblich. Den meisten Funktionärskindern gelingt es aber ihren Aufenthalt im Ausland nicht an die große Glocke zu hängen. Nicht so dem Sprössling von Bo Xilai.

Urlaub in Tibet und ein Ferrari

Bo Guagua urlaubte öffentlichkeitswirksam mit der Tochter eines anderen Parteigranden, Chen Xiaodan, unter Polizeischutz in China oder verbrachte einen Abend mit der Tochter des ehemaligen US-Botschafters in China, Jon Huntsman, in Peking. Den Weg zwischen Restaurant und Bar legten die beiden mit einem Ferrari zurück. Übers Internet erreichen Fotos von den kostspieligen Ausflügen der chinesischen Jeunesse Dorée immer schneller ein immer größeres Publikum. Stein des Anstoßes ist meist der Preis der Ausbildung: Ein Abschluss an einer US-amerikanischen oder britischen Eliteuniversität kostet meist mehrere hunderttausend US-Dollar.

Wer zahlt die Ausbildung

Chinesischen Spitzenpolitikern ist es offiziell nicht erlaubt Vermögen zu erben oder ein eigenes Unternehmen zu führen. Ihr Verdienst liegt angeblich bei umgerechnet 22.000 US-Dollar im Jahr. Ein Gehalt von dem die Ausbildungskosten der Kinder nicht zu bestreiten sind. Verwandten ist Geschäftstätigkeit aber erlaubt, solange sie nicht von den politischen Verbindungen der Familie profitieren. Defacto ist eine Trennung von politischen und ökonomischen Vorteilen und Netzwerken nicht umsetzbar. Laut chinesischen Medien habe Bo Guagua während der gesamten Zeit seiner Ausbildung ein volles Stipendium erhalten. Die jeweiligen Schulen wollen das weder bestätigen, noch dementieren. (mka, derStandard.at, 20.8.2012)

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