Spielvergnügen auf Kosten der EU

21. August 2012, 11:57
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Im Haus der EU werden von der Union geförderte Wien-Projekte vorgestellt - Bisher zeigen die Wiener daran wenig Interesse

Die Österreicher zahlen nicht nur für die EU, wie von manchen Politikern behauptet wird, sondern sie bekommen auch viel Geld wieder zurück. Im Haus der EU im ersten Wiener Gemeindebezirk werden in einer kleinen Wanderausstellung 30 von der EU geförderte Wiener Projekte vorgestellt. Von Parkanlagen bis Kultur-Kooperationen reicht die Palette der gemeinnützigen Investitionen.

Parkanlagen und Grünflächen

25 Millionen Euro stehen dem Land Wien zwischen 2007 und 2013 von der EU für Projektförderungen zur Verfügung. Damit wird zum Beispiel die Neugestaltung von öffentlichen Plätzen oder die Sanierung von Parkanlagen gefördert: Wer im Ottakringer "Leon-Askin-Park" auf einem der "Parkfunnies", den runden, bunten Sitz- und Spielelementen, entspannt, würde wohl nicht auf die Idee kommen, dass die EU hier die Finger im Spiel hat. Bei der Sanierung der Grünflächen im 16. Bezirk, wo jetzt Kinder von "Funny" zu "Funny" springen, wurde die Hälfte der Kosten, nämlich 115.000 Euro, von der EU übernommen.

Auch die Neugestaltung des Christian-Broda-Platzes, dem "Eingangstor" zur Mariahilferstraße, wurde mit rund 480.000 Euro subventioniert. Dieses "Mariahilfer Platzl" unweit des Westbahnhofs war lange Zeit von durcheilenden Passanten geprägt. Sitzplätze, Kinderspielgeräte und die markanten roten Stangen, die von Kletterpflanzen überwuchert werden, laden seit 2009 nun eher zum Verweilen ein.

Kooperationen mit den Nachbarländern

Auch Kooperationen mit Grenzregionen der Nachbarländer Tschechien, Ungarn und der Slowakei werden in der Ausstellung vorgestellt. Mit insgesamt 40 Millionen Euro werden Projekte aus den verschiedensten Bereichen, von Wirtschaft über Umwelt und Verkehr, gefördert. Ein Beispiel: Für RE:design[net]work, eine Kooperation mit der Slowakei, die bis Dezember 2011 lief, stellten Suchtkranke aus nicht mehr benötigten Gegenständen Objekte, wie zum Beispiel Tragtaschen aus alten Fahnen, unter der Anleitung von Designern her. Mittlerweile läuft als Nachfolgeprojekt eine ähnliche Kooperation mit Ungarn.

Imageaufbesserung

Die MA 27, das Büro für Europäische Angelegenheiten, ist für die Verwaltung und Umsetzung der EU-Fördergelder verantwortlich. In der Ausstellung "EU-Projekte für Wien" will das Magistrat die Vielfältigkeit dieser Projekte aufzeigen. Dass sie damit auch das durch die Finanzkrise angekratzte Image der EU aufpoliert, bezweifelt Eva Gsteu-Kirschbaum von der MA 27 nicht: Das Feedback der Besucher sei durchwegs positiv.

Wenig Interesse

Das Interesse für die Gratisausstellung hält sich aber bisher in Grenzen: Nur zehn bis 15 Besucher schauen pro Tag in der Wipplingerstraße vorbei. Leider ist diese im Foyer des EU-Hauses platzierte Ausstellung optisch nicht besonders aufregend gestaltet. Dass sich nicht mehr Wiener dafür interessieren, ist trotzdem schade. Immerhin gehen die meisten von ihnen wohl des Öfteren über einen neugestalteten Platz inmitten von Wien, ohne zu ahnen, dass sie dessen Sanierung der EU verdanken. (Franziska Zoidl, derStandard.at, 20.8.2012)

Wissen

In der Wanderausstellung "EU-Projekte für Wien" will die MA 27 die Vielseitigkeit der EU-Projekte präsentieren. Für die Ausstellung wurden die wichtigsten Projekte der aktuellen EU-Förderperiode (2007-2013) ausgewählt. Eine Hälfte der Ausstellung widmet sich rein städtischen Vorhaben, die andere Hälfte zeigt Kooperationen mit den Nachbarstaaten (Slowakei, Tschechien, Ungarn) der CENTROPE-Region. Bis 27. August ist die Wanderausstellung "EU-Projekte für Wien" noch im Haus der EU zu sehen. Danach zieht sie weiter und ist dann im Oktober in der Veterinäruniversität wieder öffentlich zugänglich.

Links

Haus der EU 

Informationen zur Wanderausstellung

  • Bis Ende August gastiert die Wanderausstellung noch im Haus der EU.
    foto: aucon/andreas liebl

    Bis Ende August gastiert die Wanderausstellung noch im Haus der EU.

  • Der Leon-Askin-Park in Ottakring, benannt nach dem österreichischen Regisseur, ist ein von der EU kofinanziertes Projekt.
    foto: stadt wien

    Der Leon-Askin-Park in Ottakring, benannt nach dem österreichischen Regisseur, ist ein von der EU kofinanziertes Projekt.

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