Umstrittener Bluttest auf Down-Syndrom auf dem Markt

20. August 2012, 12:45

In Österreich, Deutschland, Liechtenstein und in der Schweiz verfügbar

Konstanz - Der umstrittene vorgeburtliche Bluttest auf das Down-Syndrom ist seit Montag auf dem Markt. Er sei in mehr als 70 Praxen und Kliniken in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz verfügbar, teilte der Hersteller LifeCodexx in Konstanz mit. In Österreich gibt es bisher zwei Anbieter.

Der Test sei "ausschließlich schwangeren Frauen zugänglich, die sich in der 12. Schwangerschaftswoche oder darüber befinden und die ein erhöhtes Risiko für Trisomie 21 beim ungeborenen Kind tragen". Der Chromosomen-Fehler Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten. (APA, 20.8.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 57
1 2
Was der Mensch tun kann ..

.. das tut er auch.

Ein Thema, wo linke und extrem Rechte zum selben Ergebnis kommen ...

Eugenische Selektion.

Eltern, die einfach Gewissheit wollen (besonders nach einem sehr schlechten Combined test), werden die Untersuchung sowieso machen. Entweder mit Angst und Sorge bei der Biopsie, oder eben mittels Bluttest.

Argumente wie "die Hemmschwelle zur Abtreibung sinkt mit einfacheren Tests" kann ich nicht nachvollziehen! Die Hemmschwelle, ein eventuelles Wunschkind abzutreiben ist die gleiche, egal wie "einfach" der Test ist!

Die Frage ist eher die allgemeine Akzeptanz von behinderten Menschen in der Gesellschaft (und der Unterstützung deren Eltern) als die Einfachheit der Tests!!!

Es ist natürlich in Österreich und Deutschland,

emotional verständlich, dass alles, was an Euthanasie erinnert von vornherein einmal abgelehnt wird. Aber ich finde, dass solche Tests insofern ein Vorteil sind, weil sie wesentlich früher die Entstehung eines Fötus mit Trisomie 21 zeigen und daher eine Abtreibung ethisch noch weniger problematisch ist.

Ich finde nicht, dass es so super ist, wenn eine Frau ein behindertes Kind hat. Diese Entscheidung kann ich also mehr als viele anderen vollinhaltlich nachvollziehen.

"eine Abtreibung ethisch noch weniger problematisch"

Was ist so problematisch an einem Leben mit Trisomie 21?

Haben Sie es?

Ihr Kind?

Nein, aber beruflich einiges an Erfahrung! Die medizinische Sichtweise von Behinderung, scheint leider – so wie hier in vielen Beiträgen offensichtlich – noch vorherrschend zu sein! Behinderung ist keine Krankheit... darauf wollte ich hinweisen!

Trisomie 21

ist ein Gendefekt, der so weitreichende Auswirkungen auf den Organismus hat, dass es eigentlich erstaunlich ist, dass sich das mit dem Leben überhaupt vereinbaren lässt.

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die beruflich mit Behinderten arbeiten. Für mich ist Behinderung jedenfalls ein Zustand den ich so gut es geht bei mir vermeide und den ich mir auch nicht für meine Kinder wünsche - und den ich auch keinem Elternteil wünsche.

Und es ist meine persönliche Meinung, dass Menschen "mit besonderen Bedürfnissen" ein unglaublicher Euphemismus ist, der den Eltern vielleicht hilft aber die Tatsachen verschleiert.

Das mag für Sie vermutlich nicht nachvollziehbar sein, aber auf dieser Basis, erübrigt sich - für mich - jeglicher weiterer Diskurs!

"Ich finde nicht, dass es so super ist, wenn eine Frau ein behindertes Kind hat."

... ich finde derartige Vereinfachungen auch nicht "so super"... :-(

Haben Sie ein behindertes Kind?

und Sie? Die Frage , eine Behinderung anzunehmen oder abzulehnen stellt sich uns ja nicht nur die paar Wochen während einer Schwangerschaft sondern ein ganzes Leben lang. Je eher man damit umgehen kann, das jedes Leben ein wunderbares unverdientes Geschenk, und trotzdem kein Wunschkonzert zu sein braucht, umso erfüllender lebt es sich.

Ihre persönliche Ansicht in Ehren

das berechtigt sie aber keinesfalls, Eltern ein behindertes Kind, das womöglich sein ganzes Leben intensive Betreuung braucht, aufzuzwingen.

Der Trend geht mE eher in die andere Richtung, nämlich im Falle einer Behinderung einen Abbruch aufzuzwingen.

Und warum wäre das so schlimm, wenn es keine Trisomie21 mehr gäbe?

abgesehen davon muss die Entscheidung immer bei den betreffenden Eltern liegen.

Leider stimmt das aber so nicht. Die Nackenfaltenanalyse (und ggf. die Fruchtwasseruntersuchung) finden in der 11. SSW statt, auch der Test kann erst ab dieser Zeit gemacht werden.

auch nackenfaltenanalysen sind fehlerhaft. es gibt genügend fälle in denen auffälligkeiten auftraten, die frauen die kinder aber trotzdem zur welt brachten... und das gesund.
und ein mensch mit trisomie 21 ist nicht automatisch zu bemitleiden! mitleid hilft nur demjenigen, der es hat - dem/derjenigen der/die es erhält hat gar nix davon.

Eine Nackenfaltenmessung...

...soll auch nicht nur Kinder mit Behinderung zeigen, sondern es ermöglicht eine STATISTISCHEN Aussage zum Risiko zB. einer Trisomie!

Eine verdickte Nackenfalte bedeutet NICHT, dass das Kind behindert ist, es zeigt nur ein erhöhtes Risiko auf!

Natürlich gibt es genügend Fälle, in denen die Kinder komplett gesund sind. Wenn ab einer Wahrscheindlichkeit von 1:250 eine Biopsie empfohlen wird, bedeutet das immer noch, dass 249 Kinder (statistisch gesehen) KEINE Behinderung haben.

Es wird gerne übersehen, dass eine Nackenfaltenmessung oder auch ein Bluttest KEINE Garantie gibt. Wie übrigens die Biopsie auch keine vollständige gibt...

Richtig. Aber bei Behinderung ist (mW) eine Abtreibung bis SSW 16 (!) möglich.

Kurze Einführung warum der Test umstritten ist.
http://www.dradio.de/dlf/sendu... k/1766874/

Danke für den interessanten Link!
Was dort jedoch vollkommen ausgespart wurde ist, dass bei ca. 30% der positiv getesteten Föten gar keine Trisomie vorliegt.

Wenn man alle Schwangeren testen würde (tut man bisher nicht), wäre die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer zufälligen positiv getesteten wirklich Trisomie 21 vorliegt, tatsächlich nur so ca. 30-70 %.

Aber dann würde man ja auch nicht sofort abtreiben, sondern erst noch andere Tests machen, um die Sache zu klären. Insofern sehe ich nicht, warum das unbedingt in den Artikel gemusst hätte.

Ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor. 30 % wäre mathematisch die Zahl 0,3. Bei einer Studie lag die Häufigkeit dieses Fehlers aber nicht bei 30 % sondern nur bei 0,3 %. (Also ein Drittel Prozent, nicht ein Drittel.) Das war ein fälschlich als Trisomie 21 erkannter Fall unter 449 studierten Fällen, darunter 409 Fälle ohne Trisomie 21.

Die Studie wurde übrigens an Schwangeren mit hohem Risiko durchgeführt. In der allgemeinen Bevölkerung wäre das Risiko eines falsch positiven Resultats sicher höher als 0,3 %, aber 30 % scheint mir vor diesem Hintergrund abwegig.

http://www.sciencedaily.com/releases/... 075724.htm

Zunächst ist einmal ist es bei solchen "Studien" immer schwer, an verlässliche Zahlen zu kommen. Auf folgender Seite wird von 472 Proben, davon 38/40 richtig positiv und 430/432 richtig negativ, ausgegangen (http://www.medien-doktor.de/2012/07/b... agnostik/)
Nimmt man die Prävalenz - also die durchschnittliche Häufigkeit einer Erkrankung - von 0,2% hinzu, so kann man sich über den "Satz von Bayes" ganz einfach die Wahrscheinlichkeit ausrechnen, dass einem positiven Test auch tatsächlich ein Kind mit Trisomie folgt. Das ergibt dann eben ca. 30%. Das heißt in nur 30% der positiven Test kann man davon ausgehen, dass das Kind tatsächlich DS hat.

Posting 1 bis 25 von 57
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.