Chinesische Scheinfirmen zocken vermehrt ab

Immer mehr Scheinfirmen sind auch hierzulande aktiv. Die Betrüger stecken viel Detailarbeit in Korrespondenz

Wien - Immer mehr chinesische Scheinfirmen zocken mittelständische Unternehmen aus Deutschland und Österreich ab. Sie locken die KMU mit der Vergabe lukrativer Aufträge, lassen dann Geschäftsleute einfliegen und kassieren vor Ort ab, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" am Montag. Korrupte Beamte in den Provinzverwaltungen deckten die Betrüger. Die deutsche Außenhandelskammer in Shanghai warnt seit Jahren vor den Tricks. Auch die österreichische Wirtschaftskammer in Peking schlägt Alarm und hat bereits eine Liste von Scheinfirmen veröffentlicht.

In letzter Zeit würden vermehrt österreichische Unternehmen von Scheinfirmen aus China kontaktiert, "wobei es auch immer wieder zu konkreten Schadensfällen kommt", warnte die WKÖ erst vorige Woche auf ihrer Homepage. Meist bekunden die Scheinfirmen per E-Mail eine Bestellungs- oder Kooperationsabsicht; in die Korrespondenz stecken sie "sehr viel Zeit und auch Detailarbeit" - bis hin zu technischen Skizzen. Das Angebot der österreichischen Firma wird ohne größere Nachverhandlungen angenommen.

Zur angeblichen Vertragsunterzeichnung wird die ausländische Firma dann nach China eingeladen, wo die Österreicher allerdings Kosten für Notare, Vertragsvorarbeiten und dergleichen übernehmen sollen. Oft sollen ausländische Unternehmer sogar Geldgeschenke für einen misslaunigen Beamten in der Verwaltung bezahlen, schreibt die "SZ". Die Gelder sollen - unter einem Vorwand - jedoch auf ein privates Konto überwiesen werden. Von dort werden sie freilich sofort behoben, und die Chinesen haben plötzlich kein Interesse mehr an einer Geschäftspartnerschaft. (APA, 20.8.2012)

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