Streit um Verfassung und Wahlen

19. August 2012, 18:24
  • Simbabwes Präsident Mugabe bei einer Militärparade vor einer Woche. Die Krise im Land ist noch nicht gelöst.
    foto: reuters/bulawayo

    Simbabwes Präsident Mugabe bei einer Militärparade vor einer Woche. Die Krise im Land ist noch nicht gelöst.

Neuer Verfassungsentwurf begrenzt die Amtszeit des Präsidenten auf zehn Jahre

Harare/Johannesburg - Hoch ragt der Betonklotz des Rainbow-Towers-Hotels in Simbabwes Hauptstadt Harare in den Himmel. Das Foyer ist leer, die Läden sind verstaubt. Verblasst ist auch der Moment vor knapp vier Jahren, als hier hinter verschlossenen Türen die Machtteilung zwischen Präsident Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai ausgehandelt wurde und die verfeindeten Politiker nach den Wahlen und viel Gewalt eine Regierung der nationalen Einheit verkündeten.

Geht es nach dem Willen Mugabes, sollen noch heuer neue Präsidenten- und Parlamentswahlen stattfinden. Seine Gegner und Koalitionspartner um Tsvangirai, der seit dem Deal 2008 Premier ist, weigern sich. Sie verweisen darauf, dass vor vier Jahren eine neue demokratische Verfassung vereinbart wurde - als Vorbedingung für Wahlen 2013.

Die Verhandlungen aller beteiligten politischen Parteien um den Inhalt der neuen Verfassung waren langwierig. Aber nach dreijährigem Ringen ist Ende Juli ein neuer Verfassungsentwurf vorgelegt worden. Die Amtszeit des Präsidenten ist darin auf zehn Jahre begrenzt worden. Eine Altersgrenze gibt es nicht, also könnte der 88-jährige Mugabe wieder antreten.

Laut dem Entwurf verliert der Präsident zudem seine Immunität, wenn er das Amt verlässt. Auch das wäre ein Grund für Mugabe, im Amt zu bleiben: um sich vor strafrechtlicher Verfolgung zu schützen.

Dessen Partei Zanu-Pf hat weitere Einwände zur Verfassungsvorlage angemeldet. Die Einrichtung eines Verfassungsgerichts ist demnach ebenso umstritten wie die Forderungen nach mehr Pressefreiheit.

Für weiße Farmer, die von Mugabes Regime während der umstrittenen Landreform vertrieben wurden, sieht der Entwurf Entschädigungen vor. Gleichzeitig schützt er die Rechte der neuen Grundbesitzer.

"Wir werden sicherlich noch eine Änderung dieser Fassung sehen", meinte Dewa Mavhinga, Regionalkoordinator des simbabwischen Krisenkomitees in Johannesburg. "Dieser Entwurf ist ein politischer Kompromiss, der sehr verwässert ist im Vergleich zu ursprünglichen Forderungen der Opposition." Auch Lovemore Madhuku, Rechtsexperte an der Universität in Harare, sieht in der Verfassungsvorlage einen nicht zufriedenstellenden Kompromiss.

Fortschritt und Frust

Doch ein großer Teil der Zivilgesellschaft sieht ihn als einen Schritt in die richtige Richtung, Ende August soll der Entwurf im Parlament diskutiert werden.

Viele Vertreter der simbabwischen Zivilgesellschaft sind dennoch frustriert angesichts der mangelnden Fortschritte seit der Machtteilung. "Wir machen weiter, und das Volk soll in der zweiten Jahreshälfte in einem Referendum abstimmen", sagt McDonald Lewanika, Direktor des zivilen Netzwerks "Crisis in Zimbabwe Coalition" in Harare, mit Blick auf die Verfassung. Der junge Mann sitzt in einer Kneipe bei einem Glas Bier und raucht Kette. Er arbeitet Hand in Hand mit Dewa Mavingha in Johannesburg.

Lewanika hofft, dass sich die Länder der Region einschalten, um den politischen Stillstand in Simbabwe zu beenden. Allen voran die Regionalmacht Südafrika. Eine Wiederholung der manipulierten Wahlen 2008 könne sich das südliche Afrika nicht erlauben. Südafrikas Präsident Jacob Zuma solle stärker vermitteln.

Die Signale vonseiten der Europäischen Union sind dennoch positiv: Man hoffe, den Reformprozess zu unterstützen, indem man einen Großteil der Sanktionen gegen Simbabwe sowie eingefrorene Hilfen aufhebe, sobald ein Referendum für die Verfassung stattgefunden habe, heißt es in Brüssel. Sanktionen gegen die Mugabe-Familie und engste Vertrauen sollten bestehen bleiben. (Martina Schwikowski /DER STANDARD, 20.8.2012)

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Wunderbares Foto zum Artikel links oben.

Vorgeschlagener Titel für das Foto.

"this is Africa"

Pff...

Rekolonisation ist die letzte Chance für Afrika.
Ansonsten folgen Sie halt dem mit den schönsten Orden und dem größten Mercedes. Ist nich nböse gemeint. Aber mit dem vorwiegenden "Mindset" in der Gegend wird es halt sonst nicht viel spielen.

"Ist nich nböse gemeint.",

aber Sie haben doch keine blasse Ahnung von Geschichte und Gegenwart afrikanischer Staaten, oder? Und ebensowenig der europäischen - wo sich ja auch zuhauf Beispiele mehr als fragwürdiger Wählerpräferenzen finden lassen.

Besonders witzig aber, "Ansonsten folgen Sie halt dem mit den schönsten Orden und dem größten Mercedes." bei einem Artikel Zu Simababwe zu schreiben. Mal was von den letzten Wahlen dort gelesen? Den Artikel gelesen?

Ach ne, brauch man ja nicht... Ist nicht böse gemeint, aber mit Ihren und Ihrergleichen "Mindset" kann jede Gesellschaft auch nur verlieren...

Da sieht man dass es in erster linie die afrikaner sind, die im Fadenkreuz der europaeischen aggression stehen. In vielen anderen ehemaligen Kolonien, in Asien, Suedamerika etc. bestehen massive Krisenerscheinungen, bis hin zum Szenario des sogen. failed state, von afghanistan bis libyen.
Doch in den diesbezueglichen Foren zu Rekolonisation kein Wort. Ergo: Der Hass, die Verachtung, Beleidigung von Afrikanern ist am groessten. Nicht umsonst vermuten diese gegen sich eine Verschwoerung.

Völlig richtig, zu den Zeiten der Belgier, Franzosen, ... gab es wenigstens funktionierende Schulen, Krankenhäuser und Strassen.

Und man kann ja sehen, was daraus wurde.

Afrika muss endlich erwachsen werden und seine Probleme selbst in den Griff bekommen. Ich frage mich wirklich, warum jeder Revolutionär auf diesem Kontinent sofort korrupt wird, sobald er an der Macht ist?

Auch Mugabe war mal ein Kämpfer für eine gerechte Sache.....

Noch so einer.

Sie meinen belgisch Kongo unter Leopold II,

oder die französichen Atomwaffentests in Algerien, Spaniens völkerrechtswidrige Verwendung von Senfgas im Rifkrieg, der Genozid an den namibischen Hereros durch Deutschland, die britischen Gulags in Kenia ... uvm. Heute: Landgrabbing durch China und Indien in Uganda/Äthiopien/Sudan/Kenia/Mozambque/Tansania, Raubabbau an Metallen und Edelsteinen durch MNCs in Südafrika, Kindersklavenarbeit auf Kakaoplantagen der Elfenbeinküste, ...

und da gibt es auch noch viel mehr an zivilisatorischen Erziehungsmaßnahmen der Industrieländer. Afrika soll erwachsen werden, Afrika soll seine Probleme selbst in den Griff bekommen, doch dafür braucht es Zeit, Unabhängigkeit und keine neoliberalen Verträge durch IWF, Weltbank, EU, USA, ...

Das Wort Chance mit Rekolonisation zu verbinden ist gewagt.

Die Kolonisation war nie beendet, der Raubzug trägt auch Heute noch Anzug und Krawatte, und Autokraten tragen noch immer Uniform. Keine Thesen von mir, sondern in einschlägiger EZA-Literatur wird ausführlich von Post- und Neokolonialismen gesprochen. Viele der Vorgänge hinter zugezogenen Vorhängen sind uns nicht bekannt und werden uns wohl auch trotz Wikileaks verborgen bleiben. Deshalb finde ich es schwierig Ihrer Theorie eines bestimmten vorwiegenden Mindsets zuzustimmen (wenn dies auch nicht böse gemeint war), denn wir wissen nicht wer warum welche Entscheidungen trifft. Und was in zB Europa von "Afrika" gesehen und berichtet wird ist skandalös. Der Arabische Frühling war eine große Ausnahme.

Afrika interessiert die meisten Leute in Europa kaum, das ist einfach kein Thema.

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