Schrott, das Geld und die vielen Hürden

  • Die Hürden auf der Tartanbahn sind für Beate Schrott mit jenen auf dem Weg zu Sportfördergeld nicht zu vergleichen.
    foto: apa/roland schlager

    Die Hürden auf der Tartanbahn sind für Beate Schrott mit jenen auf dem Weg zu Sportfördergeld nicht zu vergleichen.

  • Schott beim Diamond League Meeting in Stockholm

Leichtathletin Beate Schrott will beim Meeting auf der Linzer Gugl für das österreichische Highlight sorgen. Kritik an "Olympiatouristen" lässt die Hürdensprinterin nicht gelten und fordert weniger Bürokratie und straffere Strukturen im Sport

Wien/Linz - Geplant war nach dem harten Training und der Aufregung in London ja ein Kurzurlaub mit der Familie in Tirol. Geworden ist es ein Ganz-kurz-Trip, aber selbst zwei entspannte Tage weiß Beate Schrott zu schätzen. Bei der 24-jährigen Hürdensprinterin aus Niederösterreich geht es ordentlich rund, seit sie das Olympia finale erreicht hat. Den Rückenwind dieser Aufmerksamkeit gilt es jetzt zu nützen.

Ihre Einladung zum Diamond League Meeting nach Stockholm rechtfertigte Schrott am Freitagabend mit einer starken Zeit (12,93 Sekunden) und dem sechsten Platz, ihr bestes Ranking in dieser Kategorie. Dafür gibt es - Fußballprofis in der Champions League dürfen lachen - 2000 Dollar Preisgeld. "Die bleiben mir nicht alleine", sagt Schrott dem Standard. "Meine Managerin kassiert mit." Abseits der Eliteliga ist um einiges weniger zu holen.

Heute, Montag, läuft die Olympia-Achte bei den "Gugl Games" in Linz. Mit Kirani James aus Grenada (400 m) und Felix Sanchez aus der Dominikanischen Republik (400 m Hürden) sind nach der Absage von Weitspringer Greg Rutherford zwei Olympiasieger aus London dabei, dazu kommen Prothesenläufer Oscar Pistorius und US-Sprinter Justin Gatlin. Der Höhepunkt des Meetings ist aber Schrotts Rennen über 100 m Hürden. Es ist um 21.25 Uhr die letzte Entscheidung des Tages.

"Ich bin ein bisschen müde vom vielen Reisen", sagt Schrott. "Eine Zeit unter 12,9 Sekunden ist aber möglich. Eine gute Stimmung in Linz hilft sicher." Ihr österreichischer Rekord steht seit Juli bei 12,82 Sekunden. Diese Bestmarke ist bedroht. "Ich bin überzeugt, dass ich in den kommenden Jahren eine Zeit um 12,70 Sekunden laufen kann. Ob es dann weitergeht, kann ich nicht beurteilen. Ich muss erst lernen, mir noch mehr zuzutrauen."

Über den offiziellen Empfang im Sportwissenschaftlichen Zentrum Weinburg nach Olympia hat sich Schrott sehr gefreut. Familie und Freunde waren am 13. August da, der St. Pöltener Bürgermeister Matthias Stadler (SP) stellte sich mit Blumen ein. Die Verabschiedung nach London lief weniger glamourös ab, aber da war Schrott auch noch nicht bekannt.

Die Stadt St. Pölten tischte Kaffee oder Wasser auf, eilig wurde Vizebürgermeister Franz Gunacker (SP) ins Bürgermeisterzimmer bestellt. "Das war trostlos", erzählt Schrott über die schräge 20-Minuten-Show. Ein Highlight ist ihr in Erinnerung. "Als er mich gefragt hat, welche Wassertemperatur für Sportler die optimale ist, musste ich passen."

Der Förderdschungel

Das Sportland Niederösterreich ist aber sonst ganz okay, sagt sie. Schließlich würden Sponsoren auch nach ihrem Erfolg in London nicht Schlange stehen, nach einem Autosponsor hat sie ein Jahr lang gesucht. Spaß machen die bürokratischen Förderansuchen nicht. "Bei vielen Stellen gibt es nur kleine Beträge zu holen. Vor allem als Nachwuchssportler hat man es extrem schwer."

Diesbezüglich tut sich das Team Rot-Weiß-Rot, die Initiative des Sportministeriums, hervor. "Mit denen abzurechnen, das ist das Schwierigste auf der ganzen Welt", sagt Schrott. Ihre Planung für die nächste Saison muss sie im September bekanntgeben, Änderungen im Nachhinein bedeuten Ärger. "Meinen Studienplan bekomme ich aber erst im Oktober", sagt die Medizinstudentin.

Die unübersichtlichen Strukturen im heimischen Sport zu straffen, diese Forderung erheben Schrott und Sportminister Norbert Darabos (SP) gemeinsam. Dara-bos hat einen Teil der österreichischen Athleten als "Olympiatouristen" bezeichnet. Schrott: "Als Sportler tut einem so eine Aussage eines Politikers wirklich weh." (David Krutzler, DER STANDARD, 20.8.2012)

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