Putins (un)chinesische Karte

Kommentar | 19. August 2012, 17:59

Die Unterdrückung von Dissens führt zu wirtschaftlicher Stagnation

Um zu verstehen, warum Wladimir Putin mit solcher Härte gegen Pussy Riot und die aufmüpfige Intelligenzija vorgeht, muss man nur nach China schauen. Dort hat die kommunistische Führung seit mehr als zwei Jahrzehnten jede noch so leise Kritik der Bürgergesellschaft unterdrückt - und hat es damit zu politischer Stabilität, wirtschaftlichem Erfolg und internationalem Ansehen gebracht. Warum soll das nicht auch in Russland gelingen?

Was Putin dabei übersieht: Russland ist anders als China. Seinem Land fehlen die fleißigen Arbeiter und tüchtigen Manager, die in der Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard das chinesische Wirtschaftswunder erschaffen und dafür fehlende politische Mitsprache und eine schmerzhaft hohe Korruption in Kauf nehmen.

Russland hingegen hat keinen Mittelstand, der daran glaubt, dass die Zukunft seinem Land gehört, und sich deshalb - wie einst im wilhelminischen Deutschland - den Entscheidungen seiner Eliten recht willig unterwirft. Und die Korruption in Russland ist den meisten Schätzungen zufolge noch viel ärger als die in China.

Den Unterschied zwischen den beiden Schwellenländern macht vor allem Russlands Rohstoffreichtum aus. Wo der Wohlstand nur aus der Erde kommt, ist kein Platz für eine Leistungsgesellschaft. Chinas Erfolg beruht hingegen auf tausenden Fabriken, die sich Tag für Tag im internationalen Wettbewerb bewähren müssen. Das zwingt die Führung dazu, ihren Bürgern auch zuzuhören.

Das Abgleiten Russlands in den Autoritarismus ist daher ein böses Omen nicht nur für die Politik, sondern auch für die Wirtschaft. Denn es verschärft die riskante Abhängigkeit von Rohstoffen und bremst das Entstehen einer Industriegesellschaft, die einen nachhaltigen Mehrwert schaffen kann. Auf die hat Kurzzeit-Präsident Dimitri Medwedew gesetzt.

Dass Putin der Politik seines Freundes ein so abruptes Ende setzt, zeigt, dass ihn nur noch die eigene Macht und das eigene Bankkonto interessieren. Aber die Legitimität seiner Herrschaft hat bisher darauf beruht, dass es den meisten Russen etwas besser ging als zuvor. Ohne diesen Hoffnungsschimmer muss er entweder zu noch mehr Repression greifen, oder es entgleiten ihm nach und nach die Zügel.

Aber auch China steht in diesen Tagen an einem Scheideweg. Das autoritäre Herrschaftsmodell lässt sich offensichtlich mit Wirtschaftswachstum verbinden - aber nur bis zu einem mittleren Einkommensniveau, das in China schon recht bald erreicht werden könnte. Soll die Wirtschaft trotz steigender Lohnkosten noch weiter wachsen, dann geht das nur mithilfe der Kreativität und des Unternehmergeistes seiner Mittelschicht. Doch diese wird sich hüten, viel zu investieren und viel zu riskieren, wenn sie stets um ihr Eigentum und ihre Freiheit zittern muss - und sieht, dass vor allem korrupte Parteikader, wie etwa der entmachtete Bo Xilai, und deren Kinder die Früchte ihrer Arbeit ernten.

Die neue Führungsgeneration, die in diesem Herbst die Macht übernimmt, steht daher vor einem ähnlichen Dilemma wie Putin. Das Wachstum lässt bereits nach, und die sozialen Spannungen steigen. Niemand erwartet vom Regime eine völlige Demokratisierung. Aber es muss dem neuen Bürgertum das Gefühl geben, dass es gehört wird, und aufhören, jeden kritischen Ton im Keime zu ersticken. Sonst droht eine Stagnation wie in Russland - nur ohne Öl und Gas. (DER STANDARD, 20.8.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2
Lass den Patriarch aus dem Spiel du hirnloser Hund!!!!!!!!

Dieses Winseln und Jammern, was ist eine Demokratie ???

Dieses Winseln und Jammern, die Mädels haben es übertrieben und sollten froh sein, dass sie nicht gesteinigt oder erschossen werden, was eher in einem anderen nahostasiatischem Land möglich wäre. Selbst hier zulande hätten die mehr kriegen können, bis zu drei Jahre Haft sind für so ein perverses Auftretten in einer Kirche vorgesehen. Aber nein, ist doch in Russland, also heißt es: unmenschlich, diktatorisch, Putin hat Angst und bla bla bla.... Es ist zum Kotzen, als ob wir unter Amys liegend, besser sind.Schaut doch nach London, was gerade in Equadorischen Konsulat abgeht, der Assange wird öffentlich gejagt und hier heißt es, gut so, weiter machen, Leute entschuldigt, aber dass alles ist zum Kotzen !!! Was ist denn eine Demokratie wirklich?

ja, der Wodka ist schon ein Hund. Ob der Patriarch einer ist, wissen wir nicht.

"Die Unterdrückung DES Dissens", muss es heißen.

Weil Rapper sind ein nicht zu unterschätzender Faktor für das Wirtschaftswachstum.

Rides, bitxxes, bling bling und das ganze Drum Herum; da können schon ein paar so arme Russen davon leben!

Wahrlich, guter Herr Frey...wenn man schon einen Kommentar zu Wirtschaftsentwicklung im Kontext mit dem System der jeweiligen Gesellschaft schreiben, sollte man zumindest ein wenig Ahnung von Wirtschaftssoziologie haben. Aber dieser Artikel wirft lediglich mit Stammtisch-Weisheiten um sich und entbehrt leider jeglicher Kenntnisse der Wirtschaftssoziologie der letzten 30 Jahre...

Hier eine fundierte Analyse des chinesischen (Staats) Kapitalismus, die mehr enthält als lose Floskeln: http://www.mpifg.de/pu/mpifg_... dp10-1.pdf

"Seinem Land fehlen die fleißigen Arbeiter ..."

die russen sind also faul.

verstehe, herr frey.

es gibt sehr wohl staaten in denen die menschen tendenziell

fleißiger sind als in anderen, auch wenn das nicht politisch korrekt ist.

Sie sollten nicht einzelne Halbsaetze aus einem Ganzen herausnehmen und dann haemisch kommentieren.
Weiter heisst es dann: "Wo der Wohlstand nur aus der Erde kommt ist kein Platz fuer eine Leistungsgesellschaft. Chinas Erfolg beruht hingegen auf tausenden / ich sage Millionen !/ Fabriken .. usw."
Ausserdem beruht der Erfolg in China auf Millionen fleissige Wanderarbeiter, die Sie in Russland vergeblich suchen.
Ein klarer Beweis ist auch die Sparquote, diese liegt in Russland bei mickrigen 0.4 %, in China aber bei ueber 50 %.

statt den leeren p.c.-Kilometern solltest dir vielleicht ansehen, wie Putin und die Seinigen tatsächlich ihre "Untertanen" sehen
http://derstandard.at/132650316... ne-Buerger

ach wo. die afrikaner sind ja auch faul, nicht?
und die griechen sind faul, so wie alle südländer.

ist schon lustig, was man im liberalen gottseibeiunsmedium so zu lesen bekommt.

anscheinend ist es dort, wo du lebst, heut auch recht heiß

ja genau: damit die wirtschaft floriert und nicht stagniert, hole man sich am besten den rat der neoliberalen. die haben ja in europa bereits bewiesen, wie man die wirtschaft zum wachsen bringt. deshalb sind in der euro zone auch alle so zufrieden und optimistisch :)

"Das Wachstum lässt bereits nach, und die sozialen Spannungen steigen"

Russia’s GDP Grows 4.4% in First Half – Rosstat
http://en.ria.ru/business/... 24013.html

Russland gehört zu Top10 Investitionslocker
http://german.ruvr.ru/2012_07_1... /81715288/

Russische Industrieproduktion seit Jahresbeginn um 3,2 Prozent gestiegen
http://de.ria.ru/business/... 96224.html

dann wird sich zeigen ob Friedmann irgendwo recht hatte

wenn schon mit dem trickle down nichts ist.....

Frey nur gegen Unterdrückung, weil unrentabel.

Seh nichts Verwerfliches darin, die p.c. mit dem gesunden Menschenverstand in Einklang zu bringen. Natwiss hat in den letzten 100 Jahren vor allem deswegen so große Fortschritte gemacht, weil die freie Diskussion so in Mode kam, wie nie zuvor. Deswegen kommt auch niemand auf die Idee zu sagen: freie Diskussion nur zu dem Zweck, den wiss. Fortschritt anzukurbeln, sondern man freut sich dass sich beide gegenseitig unterstützen.

Das westliche System hat auch stark an Strahlkraft verloren und taugt nicht mehr als Vorbild für andere Länder.

Keine Frage, dass in Russland mit mehr Demokratie und Strukturreformen den Bürgern und der Wirtschaft sicher gedient wäre. Andererseits weißt das Jahr 2011 ein reales Wirtschaftswachstum von 4.3% auf (EU 1.5%), was zumindest die Massenkaufkraft im Gegensatz zur EU noch steigen läßt. Stagnation schaut anders aus. Das Wort paßt wohl besser auf die EU und die USA, wo die Massenkaufkraft stagniert oder am sinken ist.

Systemvergleiche sind unangebracht. In der US-Plutokratie sind die Mainstreammedien von den Systemgewinnern dominiert, während die NSA einen Überwachungsstaat orwellschen Ausmaßes installiert.

Man hat ja gesehen. Schulden- und Zinsrückzahlung sind im Westen das Wichtigste. Dafür darf dann die Demokratie ruhig hintanstehen.

Brillianter Kommentar!

wie politisch korrekte gutmenschenvorurteile ausschaun und warum ich da lieber faschist bin ...

selten so einen so einen kindergartenquatsch gelesen.
die chinesische mittelschicht wird sich irgendwann hueten zu investieren? in china gehen seit 30 jahren 40% des BSP in investitionen, doppelt soviel wie irgendwo sonst auf der welt. sollen die noch mehr investieren?
in russland geht es den leuten etwas besser als zuvor?
russland hat 8%, china 10% wirtschaftswachstum die letzten 12 jahre. konstant. oesterreich unter 2%. etwas besser ...
und und und, ein abschlusssatz:
es gibt die moeglichkeit, dass von kasparow ueber pussy riot bis zur manipulation westlicher zeitungen irgendwelche oligarchen, die russland als erbe der freien jelzin jahre hat, ziemlich viel geld springen lassen.

"Um zu verstehen, warum Wladimir Putin mit solcher Härte gegen Pussy Riot und die aufmüpfige Intelligenzija vorgeht.."

Der Ordnung halber und um dumpfe Vorurteile hintanzuhalten sei festgestellt das nicht WWP gegen Pussy Riot vorgegangen ist (eher ist das Gegenteil der Fall), sondern ein Gericht eine Straftat auf Grundlage eines längst existierenden Gesetzes bestraft hat.

Gegen welche Intelligenzija geht "er" denn noch vor?

Soweit einmal zu Dekonstruktion des - unrichtigen - Begründungszusammenhanges.

Dass Russland eine zu wenig diversifizierte Wirtschaft hat ist richtig, das wurde auch erkannt und man versucht dagegen anzugehen.

Übrigens: Russland ist der zweitgrößte Waffenexporteur weltweit (es handelt sich durchwegs High-Tech Produkte) und China (die "Produktionsmacht") kauft dort ein. Das nur so nebenbei. Von wegen Öl und Gas.

Seltsame Thesen

Der Kommentar lässt den geneigten Leser etwas ratlos zurück.

was soll denn da noch stagnieren?

15 jahre putin und sie habens nicht geschafft auch nur ein einziges weltmarkrtfähiges produkt herzustellen (abgesehen von erdöl, erdgas und waffen die ohne skrupel an diktaturen verkauft werden).

Die Unterdrückung von Dissens führt zu wirtschaftlicher Stagnation?
Höchstens dann, wenn Wirtschaftsbosse genügend Macht haben.
Wenn aber der Satz gelten soll, daß es Zweck der Wirtschaft ist, dem Menschen zu dienen, dann ist Putin eher auf dem richtigen Weg als wir. Das nur einmal als Denkansatz für diejenigen, die zwar brav von den pöhsen Bankstern reden, es aber thunlichst vermeiden, je in die Lage zu kommen, daran was ändern zu können....

So ist es!!

Mit ihren Beitrag haben sie vollkommen Recht! Und wer
bei 4% Wachstum im letzten Quartal von Stagnation spricht, der sollte sich wohl besser informieren!
Und das Russland mit nur rund 12% von seinen BIP
verschuldet ist und mit rund 520Mrd. USD die dritthoechsten Devisenreserven in der Welt hat,wird auch mal gerne uebersehen! Und dazu hat es noch einen Wohlstandsfond in dem soviel Geld ist um eine Weltwirtschaftskrise 14 Monate unbeschadet zu ueberstehen!!

Ach Holger Eichel, Sie leben warscheinlich in Deutschland und wissen nicht wie man die Verschuldung versteckt!

Oesterreicher wissen genau, man lagert sie in Staatsbetriebe aus, oder gruendet neue Betriebe.
Es haben die mehrheitlich staatlichen Betriebe Russlands ca 550 Mrd USD Auslandsschulden. Davon allein Gazprom ca 70 Mrd USD.
Wen man diese Schulden zu den Devisenruecklagen/Sie ziehen auch die Goldbestaende mit ein/ von 510 Mrd USD sieht, ergibt es eine Ueberschuldung von 40 Mrd plus die Ausl. netto Investitionen von 150 Mrd ist eine Ueberschuldung von 200 Mrd USD.
Dabei sind die lfden Preisreduktionen bei Erdgas u der Marktanteilverlust im Export/ der Gasexport ging um ca 25 % zurueck, er wird weiter sinken/ noch nicht beruecksichtigt. Von der schlechten Ernte 2012 wollen wir nicht erst sprechen.
Der Outlook ist wichtig, nicht d Vergangenheit.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.