Die ÖVP als Trachtenpartei und Musikantenstadl

Kolumne | Gerfried Sperl, 19. August 2012, 17:57

Der Steireranzug steht für die gepflegte regionale Identität zwischen Graz und Linz. Er ist legitimer Ausdruck des Heimatbewusstseins. Überregional aber wirkt er provinziell

Als Michael Spindelegger vergangene Woche am Mondsee die ÖVP-Spitze zu einem Trachten-Event versammelte, prägte er einen unwiderstehlichen Slogan. Die Herbstarbeit werde unter dem Motto "Zukunft aus Tradition" stehen.

Diese Überschrift ist so zwingend attraktiv, dass sich viele selbst in der ÖVP nicht mehr an einen vierzig Jahre alten steirischen Wahlkampf-Slogan des damaligen Landeshauptmanns Friedrich Niederl erinnern werden. "Die Zukunft hat eine Vergangenheit" hieß der. Er verhalf den steirischen Grün-Schwarzen zur absoluten Mehrheit. Ob so was auch heutzutage funktioniert, ist zu bezweifeln.

Möglicherweise hat man auch nicht gewusst, dass der CSU-Spitzenmann Edmund Stoiber in den Jahren nach 2000 mit dem gedanklich gleichen, aber ungleich medienwirksameren Slogan "Laptop und Lederhose" ins Land gezogen ist. Denn sonst hätte man den Auftritt am Mondsee anders inszeniert und den ÖVP-Regierern einen Laptop oder - noch besser - ein iPad in die Hand gedrückt. Tatsächlich wird medial die Tradition unterstrichen. Gegenwart und Zukunft werden weggelassen.

Die Tradition trägt Spindelegger in Form des "Steireranzugs", den der "steirische Prinz", nämlich Erzherzog Johann, als "grauen Rock" propagiert hat. Der trug ihn aber nie mit Anzughose, sondern fast immer zu Lederhosen.

Weil der Erzherzog den "Alpenbund" gegründet hatte, eine oppositionelle "Partei" mit teils demokratischem Programm, verbot Johanns Bruder, der Kaiser Franz, im Jahre 1823 am Hof das Tragen des auch in Wien zunehmend populären Kammgarn-Rocks. Erst um die Jahrhundertmitte wurde der Anzug modisch - als Uniform des gehobenen Mittelstands, der Landesbeamten und der ab 1848 selbstständigen Bauern.

Diese Gruppen wird der ehemalige ÖVP-Minister und EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler kaum im Blick gehabt haben, als er der ÖVP kürzlich riet, sich "breiter aufzustellen". Der Steireranzug steht seit langer Zeit für die besonders von der Volkspartei gepflegte regionale Identität zwischen Graz und Linz. Er ist legitimer Ausdruck des Heimatbewusstseins. Überregional aber wirkt er provinziell.

Setzt man den ÖVP-Auftritt am Mondsee außerdem in eine Beziehung zu Spindeleggers Auslassungen über die Eurozone, gerät das schwarze Trachten-Getue in ein seltsames Licht - nämlich in jenes der Scheinwerfer auf das Volkslied-Genre. Dort wiederholt sich vor bierseligem Publikum Woche für Woche der immer gleiche Refrain von der schönen Hoamat und der Liebe, die nie vergeht.

Der nächste Auftritt der "Spindeleggers" und ihrer europapolitisch erfrischend anlassigen Sängerin Maria Fekter im Mieder-Dirndl ist gewiss. Und vielleicht wird nach dem Kurier-Interview über den Hinauswurf defizitärer Länder im Boulevard nachgefeuert. "Spindelegger droht mit Veto zu Geld für Schuldenstaaten", könnte eine der Schlagzeilen lauten.

Damit das Ganze aber nicht so unelegant wirkt, sollte man die ÖVP-Granden von Trachtendesignern beraten lassen. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 20.8.2012)

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Hetzjagd gegen Schwarz Blau!!!!

Ich bin es leid solche Berichte zu lesen ...wenn jeder mal genauer hinschauen würde dann würden alle begreifen das die Roten schon längst die macht über die großen Volksblätter inne haben..vom ORF fange ich erst gar nicht an !!!!

Auf Parteifreie Medien!!!!!!

Diese beiden sind das "hübscheste" Trachtenpärchen, finde ich.
http://derstandard.at/133963893... ufklaerung

Fekter als "anlassig" zu bezeichnen, ist tiefstes frauenfeindliches Niveau, gegen den politischen Gegner schainbar zulässig? Sonst bemüht sich der St.. ar.t immer darum, korrekt zu sein.

Sogar der Busek

hatte da vor gefühlten 3 Jahrzehnten einen flotteren Sager: Auf die Frage, warum er denn beim Heurigen oä keine Tracht trage, lautete die Antwort: "Wenn ich nach Amerika fahre, verkleide ich mich auch nicht als Indianer."

Ich finde, daß auch der Herr Dr. Androrsch

recht fesch und appetitlich in seinem Trachtengwandl mit der halbkurzen Ledernen und den (weißen??) Stutzen aussieht als Eigentümer der ehemals verstaatlichten SALINEN, wenn er so in BAD ISCHL posiert. Ein echter EDEL-SOZIALIST halt.

Man soll die armen ÖVP-Trachten-Narren nicht über Gebühr pflanzen - sie können halt nicht anders...

Der Dr. Androsch aber hätte in seiner Trachtenfeschheit sehr gut zum Dr. Haider gepaßt, der sich ja auch gerne im Jopperl präsentierte, wenn diese Sonne Kärntens nicht schon untergegangen
wäre...

Wie sie alle zsamm politisch zusammengepaßt hätten ? Na lassen wir das. In den 70ern war der Androsch "unser Mann" (ein ranghoher ÖVPler...)

Dagegen das tatsächliche Motto der ÖVP:

Niedertracht statt Landestracht..

Ja, ja, so leben die Schwarzen ihre christlich-sozialen Werte aus...

Himmeltragen und gleichzeitig für über 80 % der österr. Korruptionsfälle verantwortlich zu sein....und die Leute a bisserl für angrennt anzusehen..

...typisch ÖVPee

Zukunft aus Tradition

na danke, da sieht die zukunft aber alt aus! klingt nach gefährlicher drohung.

Wann

Wann endlich wird Sperl, der gescheiterte "Südost Tagespost ÖVP Steiermark" Redakteur seinen Anti ÖVP Komplex ablegen und ein normaler Zeitungsschreiberling werden? Denkbar wäre auch die Einschaltung eines Psychologen oder Gurus

Fragt sich, was besser ist.

Die schwarze Trachten- oder die rot-grüne Kopftuchfolklore (siehe etwa http://derstandard.at/128816027... iche-Sache ). Über erstere darf man sich hier offensichtlich lustig machen, über zweitere aber nicht? Seh ich das richtig?

Trachtendesigner

Mehr Hirschhornimitat, seidene Westen auch bei 30 Grad und darüber, dezent sichtbares Preiszetterl, Alpinkasperln - Marke ÖVP.

Mir hat schon am Kirchtag in Villach diese geballte Ansammlung von Kärntnern in ihren erdigen, braunen Anzügen Angst gemacht, jetzt gesellen sich vielleicht auch noch die Schwarzen dazu - Albträume sind da vorprogrammiert.

Frage

Wo kommt eigentlich der Ausdruck "Eine Tracht Prügel bekommen" her ?

oder, "jemandem nach dem leben trachten"?

Ob "Zukunft aus Tradition" wohl besser klingt als "Atheistische Religionsgesellschaft"? ;-)

leider sind trachten aber wieder in mode. kann es zwar selber nicht nachvollziehen, aber vielleicht will die övp da auf einen modezug aufspringen.

ich glaube sie wollen eher die Stimmen der Heimatpartei für sich gewinnen.

Das Tragen von Trachtenkleidung ist sichtbarer Aus-
druck einer patriotischen Gesinnung. Sie bietet Ab-
wechslung von dem globalen Einerlei Jeans-T-Shirt
mit oft komischen Aufschriften.

da österreich auch aus städten besteht, seh ich im tragen ländlicher kleidung sicher keinen österreichübergreifenden patriotismus.

Warum soll ein Städter keinen "Ö.-Anzug" tragen? Im
übrigen ist das eine Geschmacksfrage. Jeder soll das
tragen, was ihm behagt.

Aber mir gefällt meine Frau am besten in ihrem Dirndlkleid.

natürlich soll jeder mensch tragen, was ihm behagt, keine frage. meinen geschmack treffen trachten und dirndln halt überhaupt nicht.
aber nochmals: das sind keine "ö-anzüge", das sind anzüge des LÄNDLICHEN österreich.

Wenn sie unbedingt einen Keil zwischen urbanen und
rustikalen Ö. treiben wollen. Bitt' schön!

Sei's darum!

Ja, ja das Dirndlg'wand, der Trachtenanzug

Trivial-Kolumne, trivialer geht's nicht, Herr Sperl!

Die Dirn im Drindlgwandl

Aber am besten gefällt mir das Dirndlgwandl: da wird die weibliche Scham mit ganz vielen Falten zugedeckt und dann noch mit einer mächtigen Schürz´n zugebunden. So haben es die Katholen und die ÖVPler eben gern!

Aber ein tiefer Ausschnitt muss schon sein.

Man geilt sich ja gern auf.....

Also ich verbinde mit der OeVP vor allem zwei Worte:

Schamlose Korruption

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