Umfrage: FPÖ auf tiefstem Stand seit mehr als zwei Jahren

  • Sonntagsfrage: Stronachs Ankündigung bei Nationalratswahlen antreten zu wollen, schadet der FPÖ
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    Sonntagsfrage: Stronachs Ankündigung bei Nationalratswahlen antreten zu wollen, schadet der FPÖ

Die Kärntner Skandale und die Ankündigung von Frank Stronach, mit einer eigenen Partei zur Nationalratswahl anzutreten, treffen die Freiheitlichen und das BZÖ schwer

Linz - Die ÖVP stabilisiert sich auf tiefem Niveau - und doch bieten die in der Grafik dokumentierten jüngsten Umfragewerte einen gewissen Trost für den kleinen Koalitionspartner:

  • Mehrheit für Rot-Schwarz Gemeinsam mit der starken SPÖ (30 Prozent) ergeben die 23 Prozent der Volkspartei eine komfortable Regierungsmehrheit. Noch besser: Nach derzeitiger Datenlage geht sich gar keine andere Zweierkoalition aus. Rot-Grün ist vier Prozentpunkte von einer Mehrheit entfernt - und die seit den Schüssel-Jahren immer wieder gehörten Warnungen vor einer Neuauflage von Schwarz-Blau haben keine rechnerische Grundlage. Niemand braucht eine ÖVP-FPÖ-Koalition zu fürchten - "und wer sie sich wünscht, sollte erst einmal nachrechnen, denn zusammen kommen die beiden Parteien nur auf 44 Prozent", sagt Market-Chef Werner Beutelmeyer, der in der Vorwoche 402 repräsentativ ausgesuchte Wahlberechtigte im Auftrag des Standard befragen ließ. Allenfalls könnte sich Rot-Blau ausgehen, was aber rechnerisch knapper ist und von führenden Sozialdemokraten immer wieder ausgeschlossen wurde.
  • ÖVP auf Platz 2 Zweiter Trost für Michael Spindelegger und die seinen: Erstmals seit dem Frühjahr des Vorjahres (als noch Josef Pröll Parteichef war) liegt die Volkspartei vor den Freiheitlichen. Und das nicht nur in der aktuellen Market-Umfrage, sondern auch in einer gleichzeitig durchgeführten Gallup-Umfrage für Österreich.
  • Spindelegger vor Strache Knapp, aber seit Jahresanfang verlässlich, liegt der Vizekanzler und ÖVP-Chef auch in der theoretischen Kanzlerfrage "Wenn Sie den österreichischen Bundeskanzler direkt wählen könnten, für wen würden Sie sich entscheiden?" (plus Nachfrage an Unentschlossene: "Und wer käme für Sie am ehesten infrage?") vor FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Die Kanzlerfrage sieht derzeit Amtsinhaber Werner Faymann mit 27 Prozent klar in Führung vor Spindelegger (16), Strache (15), Grünen-Chefin Eva Glawischnig (elf) und BZÖ-Chef Josef Bucher (fünf).

Die guten persönlichen Werte für Bucher deuten für Beutelmeyer darauf hin, dass das BZÖ noch nicht völlig aus dem Rennen ist. Hochgerechnet kommen die Orangen derzeit immer noch auf vier Prozent und in die Mandatsränge. Andere Parteien - das schließt Frank Stronachs geplante Gründung ein - kämen derzeit insgesamt nur auf sechs Prozent, rechnet Market, Gallup rechnet mit acht Prozent für Stronach und vier für die Piraten.

Beutelmeyer: "Das Potenzial für Stronach ist zweifelsohne höher als sechs Prozent, aber man darf das nicht mit der Prognose eines Wahlergebnisses gleichsetzen. Manche Persönlichkeiten bekommen starken Zuspruch, wenn sie neu und anders wirken - aber da sind sowohl Promis wie 1999 Richard Lugner als auch durchaus erfahrene Politiker wie 2008 Fritz Dinkhauser oder 1966 Franz Olah gescheitert, wenn der Wahltag gekommen ist."

Stronachs Ankündigung habe aber - kombiniert mit den Kärntner Politikskandalen - schon tiefe Verunsicherung in der Wählerschaft bewirkt: Das trifft, wie die Daten zeigen, zunächst einmal die FPÖ und das BZÖ - die SPÖ spüre das vorläufig noch kaum.

Während die FPÖ auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren rutscht, legen die Grünen auf 16 Prozent zu: Hier wirke sich aus, dass die Grünen den Freiheitlichen den Rang als Skandalaufdecker und Saubermänner abgelaufen haben, erläutert Beutelmeyer. Die Grafik zeigt, dass die Grünen immer dann gute Werte hatten, wenn es in den diversen Korruptionsfällen etwas aufzudecken gab - ihr Umfragewert ist derzeit eineinhalb mal so hoch wie das Wahlergebnis vom Herbst 2008.

Gut läuft es auch für die SPÖ: Mit 30 Prozent und guten Werten für den Kanzler könne sie sich derzeit als Stabilitätsfaktor positionieren, sagt Beutelmeyer.(Conrad Seidl, DER STANDARD, 20.8.2012)

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