Vorwurf: Oracle schließt MySQL-Entwicklung nach und nach ab

  • Wie offen ist die Tür zur Entwicklung von MySQL eigentlich wirklich noch - fragen sich externe EntwicklerInnen zunehmend.
    grafik: mysql

    Wie offen ist die Tür zur Entwicklung von MySQL eigentlich wirklich noch - fragen sich externe EntwicklerInnen zunehmend.

Neue Tests landen in internem Codeverzeichnis - Öffentliche Versionsgeschichte nicht mehr aktuell gehalten

Die Datenbank MySQL ist wohl eines der traditionsreichsten und bekanntesten Open-Source-Unterfangen überhaupt. Doch seit der Übernahme durch Oracle im Zuge des Kaufs der Softwareherstellers Sun mehren sich auch die unzufriedenen Stimmen. Der Neo-Besitzer wird immer wieder scharf für seine mangelnde Offenheit im Umgang mit der Community kritisiert, dies zum Teil auch von ehemaligen Sun-Angestellten, die konsequenterweise bereits eigene MySQL-Abspaltungen wie MariaDB vorgenommen haben.

Taten

Oracle sagt zu all dem meist gar nichts, oder versucht zu beschwichtigen, nun setzt man aber nun einmal mehr Taten, die geeignet sind, genau das Gegenteil von Ruhe auszulösen. Wie ein Entwickler von MariaDB im Blog des Projekts berichtet, zeigt ein genauer Blick auf die aktuelle stabile Version der Software - MySQL 5.5.27 - dass keine einzige der darin vorgenommenen Fehlerbereinigungen mit den sonst immer zugehörigen Tests ausgeliefert wurde. Diese Tests dienen üblicherweise dazu, um zu verhindern, dass neue Versionen unabsichtlich eigentlich bereits beseitigte Bugs wieder einschleppen. Sie sind darüber hinaus aber auch eine wichtige Grundlage für all jene DrittentwicklerInnen, die MySQL für die eigenen Zwecke erweitern wollen.

Ausgeschlossen

Wie sich zeigt hat Oracle allerdings keineswegs das interne Testsystem aufgegeben, sondern eine bemerkenswerte Verschiebung vorgenommen: Wie das zugehörige Commit-Mail belegt, gibt es die Tests zur neuesten Version nämlich sehr wohl, sie landen nun aber in einem internen Verzeichnis von Oracle, das nicht Teil der Source-Code-Veröffentlichungen ist - und damit für externe EntwicklerInnen nicht zur Verfügung steht.

Versionsgeschichte

Über die Beweggründe für Oracles Entscheidung lässt sich mangels Firmenkommunikation nur spekulieren, klar ist allerdings, dass dies nicht die einzige aktuelle Einschränkung der Open-Source-Verfügbarkeit von MySQL ist: So hinken die öffentlich zugänglichen Code-Repositorys auf Launchpad derzeit bereits einige Versionen den offiziellen Releases von Oracle hinterher. Dies ist deswegen relevant, da nur über diese Repositorys die vollständige Versionsgeschichte bis zu jedem einzelnen Code-Commit nachvollzogen werden kann - was für jegliche externe Entwicklung ebenfalls essentiell ist. (apo, derStandard.at, 19.08.12)

 

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