Waldheim: Eine österreichische Affäre

18. August 2012, 15:01
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Der Journalist Ari Rath, 1938 vertrieben, später lange Chefredakteur der "Jerusalem Post", hat seine Memoiren verfasst. Im folgenden Auszug schildert er, wie er 1986 die Causa Waldheim erlebte

Am 8. Mai 1985 hielt der deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Zusammenbruchs des Hitler-Regimes seine berühmte Rede im Bundestag: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft." Die Rede beeindruckte mich in ihrer Aufrichtigkeit, zu Recht gilt sie heute als ein Meilenstein in der Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit. Ich entschied mich, den vollständigen Wortlaut in englischer Übersetzung am folgenden Tag in der Jerusalem Post zu veröffentlichen.

An das Format Weizsäckers musste ich 1986 häufiger denken; in diesem Jahr lernte ich den österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim kennen. Sein Name war damals wegen der sogenannten Waldheim-Affäre in aller Munde, bis heute ist sie eines der wichtigsten international beachteten politischen Ereignisse in Österreich. Letztlich hat sie das Land wesentlich verändert.

Es begann mit dem Wahlkampf des ehemaligen Wehrmachtsoffiziers und späteren UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim um das Amt des Bundespräsidenten. In seiner Biografie hatte der konservative Politiker keinerlei Angaben zu seinen Tätigkeiten in der Wehrmacht gemacht, woraufhin das Nachrichtenmagazin "Profil", die "New York Times" und der World Jewish Congress eigene Recherchen anstellten. Demnach hatte er Wehrmachtseinheiten angehört, die schwere Kriegsverbrechen, unter anderem Judendeportationen, begangen hatten. Waldheim bestritt, davon Kenntnis gehabt zu haben. Bereits im März 1986 beantragte der World Jewish Congress, Waldheim auf die "Watchlist" für mutmaßliche Kriegsverbrecher zu setzen, worauf große Teile der österreichischen Öffentlichkeit empört reagierten.

In den folgenden Monaten inszenierte die ihn unterstützende ÖVP Waldheim erfolgreich als Opfer einer Hetzkampagne. Am 8. Juni 1986 wurde er in einer Stichwahl zum Präsidenten gewählt. Umgehend berief die israelische Regierung unseren Botschafter Michael Elitzur aus Wien ab; bis 1992 wurde die Botschaft nur von einem Chargé d'Affaires geführt.

Drei Monate nach der umstrittenen Wahl lud mich die Stadt Wien zu einem einwöchigen Aufenthalt ein. "Wien ist anders" hieß die Kampagne, mit der die Initiatoren versuchten, das Image Österreichs im Ausland zu verbessern. Am ersten Abend ging ich ins Akademietheater, zur Premiere der Neuaufführung des Stücks "Herr Karl" von Helmut Qualtinger, der wenige Tage zuvor plötzlich gestorben war. Ich begleitete Leon Zelman, mit dem ich seit Ende der 1960er befreundet war. Zelman, 1928 in Polen geboren, hatte das Ghetto Lodz und das Vernichtungslager Auschwitz überlebt und war schließlich halbverhungert in einem Nebenlager von Mauthausen von den US-Truppen befreit worden. 1946 kam er nach Wien, wo er unter die Fittiche der Jungsozialisten geriet.

Er studierte Publizistik, gründete die Jahresschrift "Jüdisches Echo" und arbeitete nach seiner Promotion im Jahr 1954 beim Österreichischen Verkehrsbüro, dem größten Reisebüro Österreichs, wo er vor allem Israel-Reisen organisierte. Dabei spürte er auch ein großes Interesse ehemaliger Wiener an ihrer Geburtsstadt. Da für viele die Reise zu teuer war, bemühte sich Zelman um eine finanzielle Unterstützung und gründete 1980 den Jewish Welcome Service. Bis zu seinem Tod 2007 prägte er das kulturelle Leben Wiens. Er hat wesentlich dazu beigetragen, in der Stadt ein Klima zu erzeugen, das es mir heute möglich macht, hier - zumindest zeitweise - zu leben.

Nach dem Theaterabend stellte mir Zelman Gerold Christian vor, den Pressesprecher Waldheims. Die Wahl Waldheims hatte auch in den israelischen Medien zu erheblichem Aufruhr geführt, sodass Christian die Gelegenheit nutzen wollte, mit dem Vertreter einer israelischen Zeitung ins Gespräch zu kommen. Er bot an, mich im Hotel zu treffen, aber ich hatte nichts dagegen, ihn in der Kanzlei in der alten Hofburg zu besuchen. Unser einstündiges Gespräch kreiste um die Frage, wie man Waldheims internationale Isolation aufbrechen könne.

Ich führte das Beispiel des ehemaligen deutschen Bundestags- und Bundespräsidenten Carstens an, in dessen offizieller Biografie klar stand, dass er zwischen 1934 und 1938 Mitglied der Partei gewesen war, und der doch 1978 von Menachem Begin und Yitzhak Shamir mit allen Ehren in Jerusalem empfangen worden war. Carstens hatte seine Vergangenheit im Unterschied zu Waldheim nicht zu verbergen versucht. Christian stimmte mir zu, dass Waldheim so bald wie möglich zu den Vorwürfen in einer offenen Rede Stellung nehmen müsse. Am Ende des Gesprächs versicherte er mir erneut, "der Chef" sei nicht im Haus, und führte mich durch den Prunkraum der Präsidentenkanzlei, die einst Maria Theresias Arbeitszimmer gewesen war.

Während ich mit Christian vor dem kleinen Aufzug wartete, der mich zum Ausgang bringen sollte, öffnete sich die Tür des Fahrstuhls, und heraus trat - Waldheim. Als Christian meinen Namen und "Jerusalem Post" erwähnte, erinnerte sich Waldheim an unsere Begegnung in Jerusalem bei seinem Besuch als UNO-Generalsekretär einige Jahre zuvor. "Ich habe noch ein wenig Zeit bis zu meinem Termin am Mittag und würde gerne ein wenig mit Ihnen plaudern", sagte Waldheim. Unmöglich konnte ich diesen Vorschlag ablehnen, also ging ich mit ihm zurück in sein Arbeitszimmer. Ich bat, dass auch Christian am Gespräch teilnehmen solle, da wir ja bereits über Waldheims isolierte Lage gesprochen hatten. Als neuestes Beispiel dafür erzählte ich dem Bundespräsidenten, dass Leonard Bernstein, der am nächsten Tag ein Benefizkonzert im Musikvereinssaal geben wollte, öffentlich gedroht hatte, er werde offene Worte sprechen, sollte Waldheim erscheinen.

"Wir haben ohnehin Terminschwierigkeiten", entgegnete Waldheim und begann dann zornig gegen den Jüdischen Weltkongress und dessen Präsidenten Edgar Bronfman zu wettern. In einer kurzen Atempause fragte ich ihn: "Aber wie soll es denn nun weitergehen, Herr Bundespräsident?" Zu meiner Überraschung wechselte er die Tonlage und wurde persönlich: "Sie ahnen nicht, wie mich diese Situation quält." Dann sprach er darüber, dass er in New York viele jüdische Bekannte habe. Ich wiederholte meinen Vorschlag, er solle offen Stellung zu den Vorwürfen beziehen. "In dieser Rede müssen Sie sich auch einmal klar zur Mitschuld Österreichs am Nazismus bekennen; mit einer solchen Rede können Sie Geschichte schreiben", sagte ich zu ihm. "Ja, so etwas wie die Weizsäcker-Rede", erwiderte er. Dann erzählte er mir, er plane als Geste der Versöhnung, am kommenden Jom-Kippur-Tag in den Stadttempel in der Seitenstettengasse zu gehen. "Herr Bundespräsident, davon würde ich Ihnen derzeit abraten", entgegnete ich.

Während des Gesprächs fühlte ich mich merkwürdig. Ich, der Judenbub, der 48 Jahre zuvor aus Wien vertrieben worden war, saß mit dem Präsidenten der Republik Österreich in der Hofburg am Ballhausplatz und nahm die Rolle des Mahners und Ratgebers ein. Da fiel mir ein, dass Waldheim am 26. Oktober aus Anlass des österreichischen Nationalfeiertags eine Fernsehansprache halten würde: "Das ist doch eine hervorragende Gelegenheit, eine öffentliche Erklärung abzugeben", schlug ich ihm vor. Zu dritt überlegten wir, welche Punkte Waldheim in der Rede erwähnen sollte. Christian schrieb mit, und beide versicherten sich, dass sie mit mir vor der Rede jederzeit in Kontakt treten könnten. Damit der Text auch ein breites internationales Publikum erreichen würde, sollte er vorab ins Englische und Französische übersetzt werden.

Am Ende unseres Gesprächs - was aus Waldheims Mittagstermin geworden war, blieb im Unklaren - begleitete er mich zum Korridor und bedankte sich. Auf dem Weg zum Aufzug wiederholte auch Christian diesen Dank und betonte, dass seit seiner Wahl noch niemand so freimütig mit Waldheim über die Probleme gesprochen habe. "Sie müssen verstehen: Als Mitarbeiter kann ich diese Dinge eben nicht so deutlich ansprechen", meinte er.

Einige Tage später reiste ich nach Budapest und Bonn weiter und kehrte genau zwei Wochen nach unserer Begegnung nach Wien zurück. Zufällig traf ich Christian Freitagmittag am Burgtheater. "Na, wie geht es voran mit der großen Rede?", fragte ich ihn ziemlich direkt, worauf er verlegen antwortete, viel werde man da nicht ausrichten können, denn man habe dem Bundespräsidenten nur fünf Minuten Redezeit eingeräumt.

Ich schüttelte ungläubig den Kopf: "Es ist zwar nicht meine Angelegenheit, aber ich nehme an, der Bundespräsident als Souverän würde doch sicher dreißig Minuten Redezeit zugebilligt bekommen, wenn Sie die vom ORF verlangen." Daraufhin meinte Christian, dass es auch um die Glaubwürdigkeit Waldheims gehe. "Eben", sagte ich, "je länger er eine Stellungnahme hinauszögert, desto mehr verspielt er sie." Christian bestand darauf, mich tags darauf, dem Tag vor meiner Abreise, noch einmal zu treffen. An jenem 18. Oktober überbrachte er mir herzliche Grüße und den erneuten Dank des Bundespräsidenten. Christian hatte ihm von unserer Begegnung berichtet; angeblich habe Waldheim daraufhin seine Pläne geändert und plane nun, die Rede wie verabredet zu halten. Sein Pressesprecher und ich gingen noch einmal die verschiedenen Punkte durch, die erwähnt werden sollten, und verabschiedeten uns.

Am 26. Oktober sprach Waldheim dann aber doch nur über allgemeine Themen und forderte Österreichs Bürger auf, bei den Wahlen ihre demokratische Pflicht zu erfüllen. Angeblich hatte die Führung der ÖVP davor gewarnt, so kurz vor den Wahlen eine Mitschuld-Erklärung abzugeben.

International geriet Waldheim indes immer weiter in Isolation. Die USA erließen gegen den "mutmaßlichen Kriegsverbrecher" im April 1987 sogar ein Einreiseverbot. Einige Monate später, am 8. Februar 1988, veröffentlichte die von der österreichischen Regierung eingesetzte Historikerkommission ihre Ergebnisse: Beweise für persönlich von Waldheim begangene Kriegsverbrechen hatte sie nicht gefunden, aber es hieß: "Auch wenn er als Subalternoffizier in Stabsstellungen keine Exekutionsbefugnisse hatte, war er dank seiner Bildung und seinem Wissen sowie infolge der Einblicke, die er als Dolmetscher in die entscheidenden Führungsvorgänge erhielt, besonders aber aus seiner Tätigkeit im zentralen Nachrichtendienst der Heeresgruppe und seiner örtlichen Nähe zu den Geschehnissen, hervorragend über das Kriegsgeschehen orientiert." Ganz klar hieß es: "Er hat (...) wiederholt im Zusammenhang rechtswidriger Vorgänge mitgewirkt und damit ihren Vollzug erleichtert."

Erst siebzehn Monate nach meiner Begegnung mit Waldheim, am Abend des 10. März 1988, hielt er aus Anlass des fünfzigsten Jahrestages des "Anschlusses" eine wichtige Fernsehansprache im ORF. Sie enthielt zahlreiche Formulierungen, die mir noch aus unseren Gesprächen geläufig waren. Waldheim sagte, der Holocaust sei eine der größten Tragödien der Weltgeschichte, und erinnerte daran, dass "viele Österreicher unter den schlimmsten Nazischergen waren". Er betonte, dass es keine Kollektivschuld gebe: "Trotzdem möchte ich mich als Staatsoberhaupt der Republik Österreich für jene Verbrechen entschuldigen, die von Österreichern im Zeichen des Nationalsozialismus begangen wurden." Weil Waldheim untersagt worden war, am offiziellen Staatsakt am 11. März zu reden, war dies die einzige öffentliche Ansprache, die der Präsident fünfzig Jahre nach dem "Anschluss" hielt. Sie konnte sein Ansehen nicht mehr retten.

Wie 1938 fiel auch der Gedenktag an den "Anschluss" im Jahr 1988 wieder auf einen Freitag. Ich hatte mich entschlossen, diese Woche in Wien zu verbringen, um selbst zu erleben, wie die Österreicher mit dem Schicksalsdatum umgingen. Meine Jugenderinnerungen waren noch so lebhaft, dass ich wenigstens einige der ehemaligen Befürworter des "Anschlusses" zur Rede stellen wollte. Auch der seit 1986 amtierende SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky war sich bewusst, dass er an diesem Datum Stellung beziehen musste. Er lud Vertreter der ausländischen Presse zu einer Konferenz ein und erklärte, die Kontroverse über die Wahl Waldheims habe dazu beigetragen, dass dieser Jahrestag des "Anschlusses" ein so großes mediales Interesse hervorgerufen habe. Tatsächlich gab es in der Stadt eine fast unüberschaubare Fülle von Veranstaltungen, Kundgebungen, Konferenzen und Gedenkfeiern. Es schien, als wolle Österreich, wenn auch mit großer Verspätung, einen ernsten Versuch unternehmen, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Ursprünglich war ich für zwei Vorträge im Club Alpha eingeladen, einem Diskussionsforum, das damals von der ÖVP-Politikerin und späteren Ministerin Maria Rauch-Kallat geleitet wurde. Außerdem baten mich etliche Radiosender und Fernsehanstalten als Zeitzeugen in ihre Sendungen und interviewten mich über meine Wiener Erinnerungen aus dem Jahr 1938. Nachdem ich mich kritisch über ein Podiumsgespräch nach einem Film von Wolfgang Glück über das Jahr 1938 geäußert hatte, bat mich der Filmemacher, noch einen Tag länger in Wien zu bleiben, um als Zeitzeuge an der Veranstaltung "Zerreißproben" im Theater in der Josefstadt teilzunehmen. Wie beim Podiumsgespräch über Glücks Film gab es nämlich viele österreichische Zeitzeugen, die den "Anschluss" verteidigten. Die "Zerreißproben" wurden vom ORF aufgenommen und auch in Deutschland und der Schweiz ausgestrahlt. Noch heute freue ich mich, dass es mir gelang, einen wichtigen Satz zu platzieren, nämlich dass "das dramatische Zusammentreffen des deutschen politischen Nationalsozialismus mit Österreichs tief verwurzeltem Antisemitismus den Prozess der Judenverfolgung so beschleunigte, dass in den ersten fünf Monaten nach dem 'Anschluss' in Österreich viel schlimmere Ausschreitungen stattfanden als in allen fünf vorausgegangenen Jahren im Dritten Reich".

Am letzten halben Tag meines Wiener Aufenthalts besuchte ich meinen ehemaligen Turnlehrer Franz Stefan aus dem Wasagymnasium, den ich als strammen Nazi in Erinnerung hatte. Stefan war Jahrgang 1904, aber immer noch sehr rüstig, und er begrüßte mich mit festem Händedruck. Ich zeigte ihm einen Artikel aus dem "Jüdischen Echo", in dem ich ihn als einen der aktivsten Nazis im Wasagymnasium erwähnte.

"Wie kommen Sie denn darauf", fragte er mich überrascht. "Haben Sie je etwas Antisemitisches in meinem Unterricht gespürt?" Ich erinnerte ihn daran, dass er nach dem "Anschluss" sofort auch in der Klasse das runde, rot eingerahmte NSDAP-Parteiabzeichen getragen hatte und dass er zudem lange vor dem "Anschluss" seine Sympathien für die Nazis bekundet hatte. Stefan wand sich in Ausflüchten. Auf die direkte Frage: "Waren Sie in der Partei oder nicht?", fabulierte er: "Man könnte vielleicht sagen, dass ich mündlich beigetreten bin. Ich habe nie etwas unterschrieben." Es waren solche Halbwahrheiten, Unwahrheiten und Ausflüchte, die mir das Leben in Österreich jahrzehntelang vergällt haben.

Es dauerte noch einmal drei Jahre, bis sich Bundeskanzler Vranitzky in einer eindringlichen Rede vor dem Nationalrat am 8. Juli 1991 deutlich zur Mitschuld von Österreichern am Nationalsozialismus bekannte und der bis dahin auch von offizieller Seite stets vertretenen Opferthese, wonach Österreich erstes Opfer der Aggressionspolitik Hitlers gewesen sei, eine klare Absage erteilte. In seiner Rede sagte Vranitzky: "Es gibt eine Mitverantwortung für das Leid, das zwar nicht Österreich als Staat, wohl aber Bürger dieses Landes über andere Menschen und Völker gebracht haben (...) Wir bekennen uns zu allen Taten unserer Geschichte und zu den Taten aller Teile unseres Volkes, zu den guten wie zu den bösen; und so wie wir die guten für uns in Anspruch nehmen, haben wir uns für die bösen zu entschuldigen - bei den Überlebenden und bei den Nachkommen der Toten."

1992 beendete Waldheim seine Präsidentschaft. International hatte er sich aus der Isolation nie befreien können, und innenpolitisch hatte er so wenig Erfolg, dass er auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Geändert hatte er seine Ansichten auch nicht, wie sein Buch "Die Antwort" bewies. In bester antisemitischer Manier wetterte er darin gegen die vermeintliche internationale Macht der jüdisch kontrollierten Medien. (Ari Rath, DER STANDARD, 18./19.8.2012)

Ari Rath, Wiener mit dem Geburtsjahr 1925, wurde im November 1938, acht Monate nach dem "Anschluss", aus der Heimat seiner Kindheit vertrieben. "Über Nacht waren wir vogelfrei", schreibt er in seinem am 24. September bei Zsolnay erscheinenden, von Stefanie Oswalt aufgezeichneten Memoirenband "Ari heißt Löwe. Erinnerungen". Mit einem Kindertransport gelangt er nach Palästina, wird zu einem der Gründungsmitglieder des Kibbuz Chamadija. Nach dem Studium der Zeitgeschichte und Volkswirtschaft wird er 1957 Redakteur der "Jerusalem Post", zu dieser Zeit ein liberal gesinntes englischsprachiges Blatt, bei dem Rath 31 Jahre lang tätig sein wird, von 1975 an als Chefredakteur und von 1979 an auch als Herausgeber. In seinen Memoiren erinnert er sich auch an seine Arbeit, die er beim Ausbau des israelischen Staates im Dienste von David Ben-Gurion und Teddy Kollek geleistet hat, sowie "an intensive Beziehungen mit führenden Politikern wie Yitzak Rabin, Moshe Dayan, Golda Meir und Shimon Peres". Zur gegenwärtigen Situation meint Rath, dass ihm "der zunehmende Einfluss der religiösen Siedlerbewegung auf das Militär und der Rechtsruck der israelischen Gesellschaft große Sorgen bereiten". 2011 erhielt Rath, der neben der israelischen Staatsbürgerschaft die österreichische wieder angenommen hat, das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. (win, DER STANDARD, 18./19.8.2012)

Ari Rath
Ari heißt Löwe

Erinnerungen
Zsolnay Verlag 2012
344 Seiten, 25,60 Euro

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    Wien, 1986: Bundespräsident Kurt Waldheim.

  • Anti-Waldheim-Hungerstreik vor dem Parlament.
    foto: standard/newald

    Anti-Waldheim-Hungerstreik vor dem Parlament.

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    Ari Rath.

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