Heimkinder für schwere Erntearbeiten eingesetzt

17. August 2012, 18:53

Nach Tirol und Oberösterreich bestätigt Vorarlberg Fälle von Auftragsarbeiten für Erziehungsanstalten

Wien - Heimkinder für Fremdfirmen - nicht selten sogar ohne Lohn - arbeiten zu lassen dürfte zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren in Österreich nicht die Ausnahme gewesen sein. Nach Tirol und Oberösterreich wurden am Freitag auch Fälle aus Vorarlberg bekannt. Dort sollen acht- bis 15-jährige Kinder des Landesjugendheims Jagdberg in den Sommerferien oft bei Bauern als Erntehelfer eingesetzt worden sein, erklärt Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch.

"Aus Erzählungen wissen wir, dass es den Kindern meist gut gefallen hat. Die Arbeit war zwar schwer, aber es gab offenbar immer viel zu essen", erzählt Rauch. Einzelne Jugendliche hätten aber auch berichtet, dass sie "bis zur Erschöpfung und Bewusstlosigkeit bei großer Hitze" hätten arbeiten müssen. Zudem wurden sie von Erziehern beim Hausbau eingesetzt, ebenfalls ohne Bezahlung. Dazu kamen Gewalt und heim interne Strafdienste. Man stehe hier in der Aufarbeitung aber erst am Anfang. Die zuständige Vorarlberger Landesrätin Greti Schmid (ÖVP) versprach, möglichen Opfern Unterstützung. Bisher habe sich aber noch kein Betroffener gemeldet.

In Tirol haben sich fünf betroffene Personen gemeldet

In Tirol haben sich hingegen mittlerweile fünf Personen gemeldet, die sich daran erinnern, in den 1960er- und 1970er-Jahren als Heimkinder für einen Betrieb gearbeitet und kein Geld erhalten zu haben, sagt Manfred Jenewein aus dem Büro des zuständigen Landesrates Gerhard Reiheis (SPÖ). Manche seien durchaus froh gewesen, dem Heimalltag durch Arbeiten zu entfliehen. Mitte der Woche waren Vorwürfe laut geworden, Swarovski, Darbo und Eglo-Leuchten hätten 15- bis 18- jährige Heimkinder aus der Anstalt St. Martin beschäftigt. Der Lohn dürfte nicht an die Jugendlichen weitergegeben worden sein. Eine Aufarbeitung hat begonnen.

Auftragsarbeiten auch in Oberösterreich

Auch in Oberösterreich mussten Heimkinder Auftragsarbeiten erledigen. Ein Teil des Verdiensts wurde für Verpflegung und Unterkunft einbehalten.

Die erhobenen Vorwürfe haben jetzt die Salzburger Landesregierung aufgeschreckt. Landesrätin Cornelia Schmidjell (SPÖ) lässt erheben, ob und in welchem Umfang in Salzburg in Heimen untergebrachte Jugendliche für Firmen gearbeitet haben.

In Wien (am Wilhelminenberg) ist (noch) kein Fall von Fremdarbeit bekannt geworden. "Darauf lag in unseren Erhebungen auch nicht der Fokus", erklärt Barbara Helige, Leiterin der Untersuchungskommission Wilhelminenberg. Hätte es jedoch in dem Wiener Heim systematisch Fremdarbeit gegeben, so hätte die Kommission sicherlich davon erfahren, ergänzt Helige. Im Burgenland, in Kärnten und in der Steiermark sind ebenfalls keine Fälle gemeldet worden. (kali, ker, mue, neu, ver, wei, DER STANDARD, 18./19.8.2012)

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Heimkinder für Fremdfirmen - nicht selten sogar ohne Lohn - arbeiten zu lassen dürfte zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren in Österreich nicht die Ausnahme gewesen sein. Nach Tirol und Oberösterreich wurden am Freitag auch Fälle aus Vorarlberg ....

Tja, da wurden wohl "alte Traditionen" weiter gelebt! Nachdem die Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge nicht mehr verfügbar waren, ist die "saubere Gesellschaft" wohl zu den nächsten Opfern - Heimkindern - über gegangen. In deren Augen waren diese eh rechtlos, weil ohne Elternhaus waren die schon immer Freiwild.

Sowas darf wie jede andere Form von Kindesmißbrauch NIE verjähren und sollte schwer strafbar sein!!

Es ist traurig, wie hier Generationen von Heimkindern

körperlich und psychisch ausgenutzt und tw. "zerstört" wurden.
Mich wundern leider diese Berichte über harte Erntearbeiten etc. nicht mehr wirklich. Fällt sicher unter "sinnvolle Beschäftigung"....
Nach den schockierenden Ergebnissen der Aufarbeitung der letzten Jahre ist klar, dass da noch einiges kommen wird.
Ich hoffe für die mittlerweile erwachsenen Opfer, dass sie in irgendeiner Form Gerechtigkeit bekommen.
Zweifle aber an Schuldeingeständnissen der Heimleiter etc., weil das damals eben "normal" war.

Teilweise stimmt das ja mit dem "Das war halt damals so."
Allerdings ist die Jugendfürsorge nicht dazu da, Kinder den gleichen Zuständen auszusetzen wie die, aus denen man sie gerettet hat, sondern ganz im Gegenteil besseren. Aber es scheint so als wären die Lebensumstände für das Kind nach dem "aus der Familie nehmen" immer schlechter gewesen als vorher, und das nach wie vor.

Stimmt.

Kinder werden ganz bewusst dem Schutz der Eltern entzogen, und das ist nach wie vor so.

ja, so "schützende" Eltern kenn ich auch:Papi prügelt Mami krankenhausreif, Mami rennt ins Frauenhaus und vier Tage später mit den Kindern wieder zu Papi zurück. Angebote wie Daueraufenthalt im Frauenhaus mit den Kindern, später Hilfe bei Wohnungssuche usw. werden nicht angenommen. Mami wohnt mit Kindern bei Papi, Papi drischt, Polizei kommt führt Papi ab, Haft, Papi kommt wieder nach Hause, Papi drischt Mami, Kinder immer live dabei, Wega kommt, Mami beteuert sich zu trennen, drei Monate später sind Mami und Papi wieder zusammen, Papi tritt Mami die Wohnungstüre ein und auf den Kopf, Mami kommt ins Spital....

... Kinder werden aus der Familie genommen und leben nun ohne Polzei und Dresche wo anders. Schrecklich gell?

Aber trotzdem Zustimmung: Solche Frauen können ihre Kinder nicht schützen und sind wahrscheinlich auch ohne dreschenden Mann nicht gut für die Kinder.

Das ist eher nicht die Realität, aber der Idealfall fürs Jugendamt. Die mögen diese Äktschn.
Wenn man es wagt, selbst einem Schädiger Grenzen zu setzen, wird man als "äußerst dominant" bezeichnet und der Schädiger als wichtige Bezugsperson.

Aber was anderes fallt mir dazu ein:

Ich bin einmal mit vier Mädchen in der Straßenbahn gefahren, deren Worten zu entnehmen war, dass sie mit Erwachsenen zusammenwohnen, die sie mit dem Vornamen ansprechen und die ihnen täglich irgendwas erlauben oder befehlen. Die erinnerten mich irgendwie an die rumänischen Straßenkindern vor einigen Jahren, wild, laut, immer Körperkontakt suchend, aber dabei gegeneinander kämpfend; eine hat die jüngeren gequält, indem sie ihnen gesagt hat, da müssen sie jetzt aussteigen, obwohl's nicht gestimmt hat, und die haben nicht gewusst, wohin, und dann hat die ältere gelacht. Und alle waren angezogen wie wild zusammengewürfelt.
Naja, langer Rede kurzer Sinn: Die bejugendamteten Kinder sind offensichtlich sich selbst überlassen. Da wundert mich nix.

Die bejugendamteten Kinder sind offensichtlich sich selbst überlassen. Da wundert mich nix.

Wirre Sache:
Einerseits offensichtlich Mädchen aus einer Jugend- WG die über ihre BetreuerInnen reden, andererseits wild körperkontaktsuchende rumänische Strassenkinder in der -ja wo sonst?- Strassenbahn.
Wie geht das zusammen? Für mich gar nicht. Also was sollen diese Bassena- Stories?
Den Vogel schießen sie aber mit obigem ab:
Offenbar wundert sie nix, da es ja heute solche Beschäftigungsfirmen für Heimkinder nicht mehr so gibt. Wo sie nicht so sich selbst überlassen wären.

Neinein! Es waren nicht rumänische Straßenkinder, sondern nur ihr Verhalten erinnerte mich an das von rumänischen Straßenkindern, die ich vor einiger Zeit im Fernsehen gesehen habe. Aber sonst passt alles.
Und wenn diese Kinder statt verschiedener Vornamen "Mama" und "Papa" gesagt hätten, wäre meine "Wahrnehmung" ein absolut ernst zu nehmender Grund gewesen, der Familie zu hälfän. Kinder auf die Art alleine herumziehen lassen wird zu Recht nicht gern gesehen, bei den eigenen Einrichtungen werden aber andere Maßstäbe angesetzt. Dann mutiert es zum Bassenatratsch.
Sind Sie DSA? Würde passen.

Die ganzen Einzelheiten, die jetzt auftauchen, sind zwar schlimm, kommen mir aber vor wie eine willkommene Ablenkung.
Jetzt wird so getan, als wäre es nicht nach wie vor in Ö selbstverständlich, dass sich Behörden einfach grundlos Kinder nehmen und mit ihnen machen, was sie wollen. In dem Punkt hat sich nämlich genau nix geändert, nur dass die Täterinnen jetzt herzig dreinschauen und über die Medien verbreiten lassen, dass das Jugendamt überarbeitet ist, dass es wirklich wirklich nur dann einschreitet, wenn was gaaanz, gaaanz Schlimmes ist und ansonsten ja nur besorgt nachfragt. Alles falsch, nach wie vor. DAS gehört geändert.

In einem anständigen Österreich müssen solche Erkenntnisse Gefängnisstrafen nach sich ziehen. Auf die Verantwortlichen gehört dieselbe Härte angewandt die sie den hilflosen Kindern gegenüber angewandt haben, egal wie alt sie heute sind. Laßt die Verbrecher nicht entwischen!

Das

die meisten Heime in dieser Zeit eine Schande für den Staat Österreich waren und Jahrzehntelang alles Schlechte vertuscht worden ist ist traurig aber hoffentlich Vergangenheit oder doch nicht?

Ich habe keine Ahnung wie das jetzt genau ist, habe aber den Eindruck, dass jetzt gefährdete Kinder einfach sich selbst überlassen werden (siehe Kinderstrich im Prater, Karlsplatz etc.).

Alles andere würde zu viel kosten.

jetzt ist es genau so, dass Kinder bis zu 3 /sehr selten älter, in Pflegefamilien kommen.
Ältere Kinder kommen in betreute Wohngemeinschaften, ev ins Kinderdorf.

Geld ist knapp, wo möglich wird versucht, die Kinder aus den WGs wieder in die Familien zu bringen.

Das mit dem knappen Geld stimmt nicht, im Gegenteil - das Budget muss gerechtfertigt werden.

"In Wien (am Wilhelminenberg) ist (noch) kein Fall von Fremdarbeit bekannt geworden"

Ich wuerde mal beim Manner anklopfen

Erzähle uns (und ggfs. der Staatsanwaltschaft) mehr.

wie alt waren damals diese kinder?

5, 8, 9, 12, oder vielleicht 15 jahre und darüber?

Ich war 8-11

"aussi" um 05 uhr in der früh-und ab in den stall...ins bett mit den berüchtigten hühnern. gut, es war keine erziehungsanstalt, kein heim, sondern ein von der fürsorge graz ausgewählter pflegeplatz. mit vier fürsorgebankerten hatte die bäuerin gratis-arbeitskräfte, denn pro monat floßen vier mal ös 400.- in deren handkasse.dagegen ist "schöne tage" von franz innerhofer tatsächlich ein urlaub.

Ein Freund von mir (geboren 1957) war als "Pflegekind" bei diversen Bauern.

Dies bedeutete, dass die Bauern sich eine kostenlose Arbeitskraft auf den Hof holten, die sie ungeachtet des Alters so viel wie möglich zwangsarbeiten ließen. Die Fürsorge spielte mit und lieferte die Kinder.

Wer ausrückte kam ins Erziehungsheim (in diesem Fall Eggenburg).

Unfaßbar, das alles

ohne krankenkassenbezahltem Therapeuten!

Ihrer ist offenbar auch nicht gratis.

umsonst auf alle fälle

*lol* treffender Kommentar!

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