Schatzi und Hasenfuß

  • Armer Hasenfuß Strache.
    foto: apa/hans klaus techt

    Armer Hasenfuß Strache.

"Seit sechs Jahren ist sie die Frau an der Seite von FPÖ-Chef H.-C. Strache." Aber erst jetzt kannte "News" kein Halten mehr

"Seit sechs Jahren ist sie die Frau an der Seite von FPÖ-Chef H.-C. Strache." Aber erst jetzt kannte "News" kein Halten mehr: "Jetzt eröffnet die 27-Jährige eine Italo-Boutique in Wien, zeigt in NEWS ihre Mode & spricht erstmals über ihre Liebe". Jetzt, wo die Liebe zu den Gebrüdern Scheuch und die Ankündigung Frank Stronachs, eine eigene Partei zu starten, Strache ein wenig in die Bredouille zu bringen droht, springt das Magazin in die Bresche und sorgt mit einer fünfeinhalb Seiten langen Fotostrecke dafür, dass der FPÖ-Chef wenigstens als potentieller Bräutigam wahrgenommen wird: "Ich bin Straches Braut", sichert sich "die Frau hinter dem FPÖ-Chef" einen Vorsprung vor dem Eröffner der Boutique, in der demnächst Wahrheit, Fairness und Transparenz verramscht werden sollen.

Auch der spricht ja zur Zeit viel über seine Lieben, wobei Strache zwar keine Heirats- aber durchaus gewisse politisch-erotische Außenseiterchancen eingeräumt werden. "Ich finde, wenn der Herr Strache nicht wäre, dann wäre Österreich im Dornröschenschlaf", analysiert Stronach scharf ebenfalls in "News", geht aber nicht so weit, ihm, wie zu erwarten ge wesen wäre, auch die Rolle eines wachküssenden Prinzen zuzugestehen, sondern taucht rauschend in dunkle Tiefen ab: "Strache ist zumindest ein Hecht, der sich reingetraut hat in den Teich der Freunderlwirtschaft, und Österreich aufgerüttelt hat".

Nun ist Österreich in seinem Dornröschenschlaf schon öfter von populistischen Karpfen gestört worden, aber noch niemals von einem Hecht aufgerüttelt, dessen politisches Leitfossil "im Teich der Freunderlwirtschaft "lange den Goldfisch gegeben hat. Weshalb Stronach dem "Hecht" ausrichtete: "Ich glaube, ich habe mehr Erfahrung in der Wirtschaft als Herr Strache, aber ich arbeite mit allen zusammen, die meine Werte befürworten und leben." Soll heißen: "Strache hat jedenfalls mehr Mut als andere", aber Mut zeiget auch der Mameluck, bei Stronach ist Gehorsam Schmuck.

"Dass mehrere Hotels in Wien und Stylisten für ein Fotoshooting mit der Freundin des FPÖ-Chefs nicht zur Verfügung standen, lässt sie kurz den Mund fest zusammenkneifen", scheint aber "News" nicht weiter zu denken gegeben haben, handelt es sich doch um unbezahlbare News, wenn sie, wie "ihr der Schnabel gewachsen ist, von ihrer Liebe zu ihrem ‚Schatzi‘ H.-C. Strache" erzählt, und auch noch "unbekümmert ehrlich". Muss man ihm nicht einiges verzeihen, wenn man erfährt, wie es bei ihm gelegentlich "total schiefgeht mit gesunder Ernährung, und wahre Gummibärchen- und Schoko-Orgien am Abend stattfinden?"

Das könnte so manchen seiner Auftritte am Tag danach erklären. "Im Moment sind wir in so einer Phase" - das Stronach-Syndrom! Aber es kommen bessere Zeiten. "Wäre ein Heiratsantrag Ihr Traum„ fackelt die Interviewerin nicht länger und kriegt prompt, was sie will. "Welche Frau träumt nicht davon!" Da dürfte es in Anbetracht des Anträgers gar nicht so wenige geben, aber es ist ohnehin kein dringender Traum: "Es wird noch nicht in den nächsten Wochen sein, aber wir werden heiraten. Klassisch wäre es schön. Zuerst die Hochzeit in Weiß, dann gemeinsame Kinder". Als Trauzeugen wären Martin Graf oder Kurt Scheuch wahre Traumzeugen.

In der "Kronen Zeitung" wird ja weniger für Strache getan, seit Frank Stronach redaktionell in die Fußstapfen Karl-Heinz Grassers steigen durfte. Umso größer war der Schock, als die Leser, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, glauben mussten, der neue Erlöser wäre auch schon wieder verstorben, ehe er sein Werk antreten konnte. Die ganze "Post von Jeannée" an den "lieben Frank Stronach" war Dienstag weiß auf schwarzem Untergrund gedruckt und wirkte so morbid wie sonst allein der Text.

Es war aber alles wie sonst. Jeannée konnte "an der Schwelle zu Ihrem Achtziger (den Sie am 6. September vollenden)" mit dem Speichellecken nicht mehr warten. Vielleicht träumt er von der Funktion eines Pressesprechers in der neuen Partei, sein Text ist eine Empfehlung, die Stronachs Geschmack ganz sicher trifft. Ja, "Frank Stronach, für mich sind Sie ein Krieger im besten, althergebrachten und konservativen Sinn des Begriffs in dieser Welt der Hasenfüße, der Zauderer, der Plastikfiguren, der Feigen, der Angepassten und des Mittelmaßes, und damit, lieber Frank Stronach, ein Hoffnungsträger, ganz egal, wie Ihr finaler Ausflug in die österreichische Politik auch ausgehen mag, zu dem ich Ihnen aus tiefster Überzeugung gutes Gelingen und viel Glück wünsche."

Armer Hasenfuß Strache. (Günter Traxler, DER STANDARD, 18./19.8.2012)

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