Glücksspielgesetz landet vor EU-Gericht

Günther Oswald, 17. August 2012, 17:30

Der Unabhängige Verwaltungssenat in Oberösterreich hat massive Bedenken gegen das heimische Glücksspielgesetz

Der Unabhängige Verwaltungssenat in Oberösterreich hat massive Bedenken gegen das heimische Glücksspielgesetz. Nun wurde der Europäische Gerichtshof in Luxemburg angerufen.

 

Wien - Die heimische Finanzpolizei hat in den letzten eineinhalb Jahren rund 3500 illegale Glücksspielautomaten aus dem Verkehr gezogen. In aller Regel wehren sich die Besitzer aber mit allen juristischen Möglichkeiten. Allein beim Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) in Oberösterreich, der für Berufungen gegen Verwaltungsbescheide zuständig ist, sind derzeit 200 Beschlagnahme- sowie 100 Verwaltungsstrafverfahren anhängig.

Die Chancen der Automatenbetreiber, recht zu bekommen, sind nun gestiegen. Der UVS hat nämlich massive Zweifel daran, dass das seit 2011 gültige Glücksspielgesetz europarechtskonform ist. Am 16. August hat das UVS-Präsidium einen Antrag auf Vorabentscheidung an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg gestellt.

Es geht dabei um die Frage, ob die Beschränkungen im Glücksspielsektor erlaubt sind oder ob nicht eine unzulässige Einschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs vorliegt. Laut Gesetz dürfen in Österreich nur 15 Kasino-Konzessionen sowie pro Bundesland drei Lizenzen für das kleine Glücksspiel (bis zehn Euro Einsatz) vergeben werden.

Grundsätzlich hat der EuGH schon mehrfach entschieden, dass die EU-Staaten sehr wohl Einschränkungen vornehmen dürfen - allerdings nur dann, wenn Quasimonopolregelungen der Kriminalitätsbekämpfung und dem Spielerschutz dienen und nicht nur auf eine Erhöhung der Staatseinnahmen abzielen.

Maximierung der Steuern

Dass diese Voraussetzungen in Österreich gegeben sind, bezweifelt der UVS. Die Behörden hätten bisher in keinem Verfahren "auch nur ansatzweise versucht", nachzuweisen, "dass die Kriminalität und/oder die Spielsucht ... tatsächlich ein erhebliches Problem darstellte", heißt es in dem UVS-Schreiben, das dem Standard vorliegt. Ebenso unklar sei, ob es dem Staat nicht nur um eine "Maximierung oder massive Erhöhung der Staatseinnahmen" gehe. Daher sei davon auszugehen, dass die "konkret normierte Ausgestaltung des Glücksspielmonopols" nicht mit der Dienstleistungsfreiheit "vereinbar ist".

Zusatz der UVS-Juristen: Ein hoher Verbraucherschutz sei auch durch "weniger einschneidende Maßnahmen" möglich. Das Gesetz erscheine daher als "überschießend" und "inadäquat". Für pro blematisch hält man zudem, dass die Abgrenzung zwischen dem gerichtlich strafbaren Tatbestand und dem Verwaltungsstraftatbestand nicht unmittelbar im Gesetz erfolge.

Theoretisch könnten bereits Betriebsschließungen angeordnet werden, wenn noch gar nicht geklärt ist, ob eine Verwaltungsstraftat vorliegt, heißt es. Daher wird bezweifelt, dass die "demokratischen und rechtsstaatlichen Anforderungen" sowie das "Fairness- und Effektivitätsgebot" erfüllt werden.

Mit einem schnellen Richterspruch ist freilich nicht zu rechnen. Üblicherweise braucht der EuGH zwei Jahre. Parallel dazu sind auch mehrere Verfahren vor dem Verfassungsgerichtshof in Wien anhängig. (Günther Oswald, DER STANDARD, 18./19.8.2012)

Die Begründung des UVS

kommt mir reichlich konstruiert (um nicht zu sagen Novomatic-inspiriert) vor.

Warum sollten die Behörden sich bemüßigt fühlen in einzelnen Verfahren nachzuweisen, dass Spielsucht ein Problem sei? Normalerweise geht es doch darum nachzuweisen, dass gegen geltendes Recht (Glückspielgesetz) verstoßen wurde.
Dass es dem Spielerschutz dienlich ist, wenn ein Wildwuchs an Automatenaufstellungen eingedämmt wird, sollte nicht wirklich schwer zu argumentieren sein.

Abgesehen davon ist mir grundsätzlich lieber, wenn Einnahmen aus dem Glückspiel dem Staat (und damit der Allgemeinheit) zugute kommen - schon als Gegengewicht zum Schaden, den Glückspiel anrichtet.

"Verbraucherschutz" lol

Wer Glücksspielautomaten füttert ist kein Verbraucher, sondern Produzent.

Von Profiten für die Glücksspielautomaten-Molkerei.

Der beste Trick der Glücksspiel-Lobby...

...ist wohl, das ganze als "kleines Glücksspiel" zu nennen und damit auch noch durch zu kommen!!!

Der Staat kassiert weiter brav die Steuern und schaut weg, Altpolitiker finden dann auch noch gut bezahlte Jobs in Aufsichtsräten!

Erkennt da noch jemand ein Muster dahinter?

Ein Staat der sich das Glückspiel eigen macht,..

und dabei in Kauf nimmt das Sucht und die daraus folgenden Konsequenzen - Jobverlust ,zerstörte Familien u.s.w ist nicht anderes wie ein Drogenhändler der an der Selbstzerstörung seiner Kunden auch kein interesse hat, traurig nur das genau der selbe Staat sich angeblich für das Wohl seiner Bürger verantwortlich zeichnet -übrigens sind Zigaretten eine süchtigmachende Droge ( ich bin selbst süchtiger Raucher)damit ist der Staat auch ein Drogenhändler -auch wenn er das selbst so nicht aktzeptieren würde.

Die Politik hat versagt

Der Regierung sind die Menschen in Österreich egal!
Es wird bereits jahrelang illegales Glücksspiel vom Novomatickonzern betrieben (kleines Glücksspiel).
Die sind ja überall mit ihren Automaten vertreten.
Den Politikern von ÖVP und SPÖ sind die Parteikassen wichtiger als die Menschen. Da wird geschmiert das die Balken krachen und die Justiz schaut weg! Spielerschutz exestiert in Österreich nicht!
www.stop-kleines-gluecksspiel.at

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