Indien verbietet Massen-SMS wegen Gerüchten

Nach panikartiger Flucht von 20.000 Menschen

Neu Delhi - Das indische Innenministerium hat am Freitag für 15 Tage landesweit den Massenversand von SMS verboten. Während dieser Zeit können keine Text- und Multimedia-Nachrichten vom Handy an mehr als fünf Empfänger gleichzeitig geschickt werden.

Hintergrund ist die panikartige Flucht von etwa 20.000 Menschen aus südindischen Metropolen wie Bangalore und Chennai. Die aus Assam und anderen nordostindischen Staaten stammenden Menschen sind aus Angst vor Übergriffen teilweise mit Sonderzügen zurück in ihre Heimat gereist. Ausgelöst wurde der Exodus von Gerüchten über Gewalt gegen Menschen aus der Region, die über Kurznachrichten und soziale Netzwerke verbreitet wurden.

Zu konkreten Übergriffen kam es in den südindischen Städten aber nicht. Premierminister Manmohan Singh verurteilte die Verbreitung der Gerüchte am Freitag als "verwerflich". Der Regierungschef sagte im Parlament: "Die Einheit und Integrität Indiens wird duch einige Elemente bedroht."

In den Gerüchten wird über Racheakte von Muslimen für ethnische Zusammenstöße in Assam spekuliert. Bei den Zusammenstößen zwischen meist hinduistischen Angehörigen des Bodo-Stammes und muslimischen Siedlern wurden seit vergangenem Monat mehr als 70 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Etwa 400 000 Menschen flohen seitdem vor der Gewalt in gesicherte Notaufnahmelager in Assam. (APA, 17.8.2012)

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