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Frühstück im Freien. Dienstags wird der Mariahilfpark in Bregenz zum offenen Stadtteil-Treff für alle Generationen. Mit dabei: Bewohner des nahen Pflegeheims und der Lebensräume für Jung und Alt.

Sozialarbeiter statt Hausmeister: Neue Wohnprojekte, bei denen mehrere Generationen zusammenleben, bedingen neue Funktionen und ein neues Grundverständnis.

Für das Wohnprojekt gilt der Schlüssel: zwei Drittel Alte, ein Drittel Junge.
Der Gebäudekomplex an der Bregenzer Clemens-Holzmeister-Gasse sieht aus wie ein ganz normaler moderner Wohnblock: hell, freundlich, Holz, Glas, im Erdgeschoß Gastronomie, Handel, Büros, darüber Wohnungen. "Das ist auch ein ganz normaler Wohnblock", sagt Gertraud Kaiser mit Nachdruck. Mit betreutem Wohnen habe das Leben hier in Mariahilf nichts zu tun, das möchte die 84-Jährige gesagt haben. "Da sind wir sehr heikel", pflichtet ihr Eva Riedl (64) bei. In den "Lebensräumen für Jung und Alt", 38 geförderten Mietwohnungen für Menschen aller Altersgruppen, werde man nicht betreut, lebe man selbstbestimmt und selbstständig. Die beiden energischen Frauen sitzen beim Dienstag-Frühstück im kleinen Mariahilfpark und beschreiben mit Begeisterung ihr Wohnprojekt.
Das Dienstagtreffen, eine Initiative der städtischen Gemeinwesenarbeit, ist wie das ganze Sozialzentrum Mariahilf, offen für alle im Quartier. Zum Frühstück werden Menschen aus dem nahen Pflegeheim in Rollstühlen geschoben, junge Mütter parkieren ihre Kinderwagen, alte Damen tragen zum wöchentlichen Kaffeeklatsch ihr Sonntagskostüm, Jugendliche servieren Kaffee und Gebäck. Der Herr Pfarrer schaut auf einen Sprung vorbei, Gemeinwesenarbeiter Günther Willi geht von Tisch zu Tisch, erkundigt sich nach dem Wohlergehen.
Das Sozialzentrum Mariahilf bildet zusammen mit der Kirche und dem Schoeller-Areal, einem alten Fabrikgebäude, das heute Gewerbe, Gastronomie und ein Theater beherbergt, das Herz des Stadtviertels. Das Wohnprojekt für Jung und Alt ist Teil des Sozialzentrums, in direkter Nachbarschaft von Kindergarten und Pflegeheim. Man könne hinüber ins Pflegeheim essen gehen, erzählt Frau Kaiser. Es sei recht gut und auch günstig habe sie gehört. "Aber ich brauch das nicht, ich koche gerne selbst." Die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten sei Kern des Konzepts, erläutert Markus Schrott, der das Pflegeheim leitet. Aus den Wohnungen, die zu zwei Dritteln von alten Menschen bewohnt werden, ziehe kaum jemand um ins Heim, erzählt Eva Riedl, wie ihre Nachbarin Gertraud Kaiser Mitglied des Bewohnerbeirats. Durch das bewusst geschaffene nachbarschaftliche Umfeld, die daraus entstehenden Sozialkontakte fühlten sich die alten Menschen wohler, der Pflegebedarf werde hinausgezögert, pflichtet Markus Schrott bei.
Den Bewohnern stehen Sozialräume und auch die Infrastruktur des Pflegeheimes zur Verfügung. "Man kann dort oder in den Selbsthilfegruppen Vorträge besuchen", beschreibt Gertraud Kaiser das Angebot, "oder selbst Fest und Veranstaltungen organisieren". Was der alten Frau besonders wichtig ist: "Jeder kann sich beteiligen oder auch nicht. Alles ist freiwillig."
Eigentlich sei es in ihrem Block wie in ihrer Kindheit in einem Wiener Zinshaus, sinniert Eva Riedl, "statt der Hausmeisterin gibt's halt jetzt die Sozialarbeiterin", lacht sie. Ihr Nachbar Peter Kristan nimmt den Ball auf und brummt: "Manchmal ist es schon wie im Kaisermühlen Blues bei uns." Die Nachbarschaft möchte der 43-jährige Invalide aber nicht missen: "Wir lernen voneinander. Und wenn es Reibereien gibt, dann reden wir uns wieder zusammen." Die Hausgemeinschaft ist für Emine Mert (32) Familienersatz. "Ich komme aus der Türkei und hab hier außer meinen Kindern niemanden." Frau Mert arbeitet als Sozialbetreuerin im Pflegeheim. Vor zwei Jahren hat sie sich um eine Wohnung in den Lebensräumen beworben. Die Zusage lässt sie heute noch strahlen: "Ich hab die Wohnung tatsächlich bekommen und dann auch noch den Job." Besonders ihre Kinder profitieren vom Miteinander, erzählt sie. "Eine unserer Nachbarinnen war früher Lehrerin, sie hilft nun meinen Kindern beim Lernen."
Die Wohnungen werden über die Stadt vergeben. Bei der Vergabe entscheidet jedoch der Gemeinwesenarbeiter mit. Günther Willi: "Ich führe mit den Bewerbern Erstgespräche, schaue, ob sie in die Gemeinschaft passen." Der Schlüssel "Zwei Drittel Alte, ein Drittel Junge" sei bindend. Ein weiteres objektives Kriterium ist die Förderungswürdigkeit. Das Bregenzer Projekt entstand nach Beispielen in Deutschland. Dort betreibt die St.-Anna-Hilfe 18 Wohnanlagen mit 700 Wohnungen. Bisher sind die Bregenzer Lebensräume die einzigen in Österreich. (Jutta Berger, DER STANDARD, 17.8.2012)
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in V wird tatsächlich versucht so was in echt zu machen. wie eine bekannte aus oberösterreich mir nach dem ersten bregenz besuch gesagt hat: es war für sie so irre seltsam, wie die leute dort sie als nicht bekannte gegrüsst und freundlich behandelt haben, dass sie zuerst meinte, das sie nur ein spiel und man wolle sie nur für blöd verkaufen. dabei war das einfach echt.
BTW: dieser kleine park wird abseits dieses Treffens hauptsächlich von Siedlungsbewohnern migrantischer herkunft ziemlich intensiv als verlängerter garten / kinderspielplatz verwendet. auch ok.
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